Iveco Massif : Eine Frage des Stammbaums

Mit dem Iveco Massif kommt nach langer Pause wieder ein Geländewagen aus Italien. Allerdings ist seine Abstammung eindeutig britisch.

Ingo von Dahlern

Iveco bietet seinen neuen Massif mit zwei Radständen und in drei Karosserieversionen an.

Der 4,25 m lange dreitürige Station Wagon hat 2,45 m Radstand und vier Sitze (2+2). Er wiegt leer 2050 kg, Zuladung: 600 kg.

Der 4,72 m lange fünftürige Station Wagon bringt es auf 2,77 m Radstand und fünf (2+3) oder sieben Sitze (2+3+2). Leergewicht: 2140 kg, Zuladung: 910 kg. Die Variante mit langem Radstand ist außerdem auch als Pickup verfügbar.

Außerdem bietet Iveco den Massif als Fahrgestell mit Fahrerhaus an, aus dem man die verschiedensten Spezialversionen aufbauen kann.

Iveco Massif heißt er – und ist eine Überraschung auf dem Offroad-Markt. Denn gut zwei Jahrzehnte nach dem Ende des Fiat Campagnola gibt es schon im Sommer wieder einen echten Geländewagen aus Italien. Und wenn der nicht unter dem Fiat-Markenzeichen, sondern dem des zur Fiat-Gruppe gehörenden Nutzfahrzeugherstellers Iveco antritt, dann ist das alles andere als Zufall, sondern Programm. Denn der Massif bietet, was man in der Szene heute kaum noch findet: solide und robuste klassische Allradtechnik mit stabilem Leiterrahmen, Starrachsen an Blattfedern und per Hand zuschaltbarem Allradantrieb, die ohne aufwendige Elektronik sicheres Vorankommen auch in extremem Gelände erlaubt. Ein echtes Arbeitstier also. Und das ist ein Gebiet, auf dem Iveco bestens aufgestellt ist: vom allradgetriebenen Transporter Daily 4x4 über den Lkw Eurocargo bis hin zum schweren Allrad-Truck Trakker. Mit dem Massif wird dieses Angebot nun durch einen geländegängigen Personentransporter nach unten erweitert.

Eingekleidet hat den übrigens kein Geringerer als Italiens renommierter Designer Giugiaro. Wer trotz des Vieraugen-Gesichts und des dynamischen Kühlergrills vor allen beim Blick auf die Massif-Silhouette glaubt, Parallelen zur Linie des klassischen Land Rover zu erkennen, liegt übrigens nicht falsch. Denn im Massif stecken tatsächlich Gene der Legende. Gebaut wird der Massif nämlich nicht in Italien, sondern von Santana-Motors in Spanien. Das aber ist der Fahrzeughersteller, bei dem schon seit 1958 die klassischen Land Rover in Lizenz gefertigt wurden – ohne Zulieferteile aus Solihull übrigens. Gut zwei Jahrzehnte arbeiteten das britische Stammwerk und Santana eng zusammen. In den Achtzigern endete die Gemeinschaft allerdings. Das Unternehmen entwickelte die bisherigen Lizenzmodelle in eigener Regie zum Santana 2500 weiter, den man bis Mitte der Neunziger produzierte und dann einstellte. Doch vor allem das spanische Militär und diverse Großkunden verlangten massiv nach einem Nachfolgemodell. Und hier kam Iveco ins Spiel – als Motorenlieferant nämlich. Denn der 2002 in Produktion gegangene Santana PS10 war mit 2,8-Liter-Motoren von Iveco ausgerüstet.

Und aus eben diesem Santana PS10 wurde in intensiver Zusammenarbeit mit Iveco schließlich der Massif entwickelt, der nicht mehr von Santana, sondern von Iveco selbst vermarktet wird. Das Resultat dieser italienisch-britisch-spanischen Entwicklung hat für Freunde klassischer Geländewagen durchaus Reize. Denn der Massif ist das klassische und wohltuend einfache Gelände-Nutzfahrzeug geblieben – mit sehr viel besserer Sitz- und Pedalposition übrigens als der britische Bruder.

Herzstück des Massif ist der vom Iveco Daily abgeleitete Antriebsstrang und hier vor allem der bewährte Dreiliter-Turbodiesel mit Common Rail, der Euro4 erfüllt und in Deutschland mit Dieselpartikelfilter ausgestattet wird. Dieser Motor verblüfft zum einen mit seiner hohem Laufkultur und seinem niedrigen Arbeitsgeräusch, zum anderem aber durch sein konkurrenzloses Anzugsvermögen. Denn der 176 PS leistende Vierzylinder des Massif liefert schon bei niedrigen 1250 Umdrehungen pro Minute sein höchstes Drehmoment von 400 Newtonmeter, das dann bis 3000 Touren auf diesem Niveau verfügbar ist. Und auch die etwas schwächere Variante dieses Motors mit 146 PS liefert ihre maximal 350 Newtonmeter im gleichen Drehzahlbereich.

An die Antriebsräder gelangt die Kraft über ein Sechsgang-Schaltgetriebe mit Overdrive von ZF und das von Santana übernommene Verteilergetriebe, das über die Übersetzungsstufen „High“ und „Low“ verfügt. In letzterer ist der Allradantrieb zusammen mit einer Längssperre grundsätzlich eingeschaltet, in der Stufe „High“ kann man mit einem besonderen Hebel zwischen Zweirad- und Vierradantrieb sowie Längssperre wählen. Eines darf man allerdings vor Fahrtantritt nicht vergessen: das Verriegeln der vorderen Freilaufnaben.

Dafür, dass der Massif mit seiner robusten Technik auch extremes Gelände meistert, muss man allerdings in Kauf nehmen, dass es auf ausgebauter Straße einige Defizite beim Geradeauslauf gibt. Sehr ordentlich ist dagegen der Fahrkomfort mit den Parabelfedern sowie den hydraulischen Stoßdämpfern vorn, den Luftdruckdämpfern hinten und den Stabilisatoren an beiden Achsen. Und: Trotz all der klassischen Technik ist der Massif ein rundum modernes Auto mit Scheibenbremsen rundum und ABS.

Die Innenausstattung lässt sich übrigens passend zum Einsatzzweck wählen: Entweder mit pflegeleichten Sitzen mit Vinyl-Bezügen und leicht zu reinigenden Gummimatten. Oder aber mit Stoff- und Ledersitzen, Lederlenkrad und Teppichboden sowie Radio, CD-Player und Navigationssystem.

Iveco wird den Massif in Deutschland voraussichtlich ab September ausliefern. Die Preise sollen sich am Defender orientieren und bei rund 22000 Euro für das reine Fahrgestell und 35000 Euro für den Station Wagon liegen.

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