Jaguar : Katze mag’s karg

Auch wenn das hier nicht so aussieht: Den Jaguar XF gibt’s mit einem sparsamen Diesel. Die britische Upper Class ist zufrieden mit der neuen Chefetage aus Indien.

Wolfgang Gomoll

Es ist noch nicht lange her, da ging ein Aufschrei durch die britischen Gentlemen’s Clubs: Jaguar? In indischer Hand? Die Upper Class war über den Verkauf vermutlich not amused. Und dass der neue Besitzer, die Tata-Gruppe, aus einer ehemaligen Kolonie kommt, dürfte den Schmerz noch verstärkt haben.

Doch ein paar Monate später freut man sich bei Jaguar über die neuen Chefs, die bisher noch sehr zurückhaltend agieren und der Raubkatzen-Truppe ziemlich freie Hand lassen. Das erste Ergebnis dieser Politik der langen Leine sind die überarbeiteten XF- und XK-Modelle, die neue Motoren und, im Fall des zweiten, ein neues adaptives Fahrwerk spendiert bekommen haben.

„Es sieht voraus, was der Fahrer will.“ Technik-Chef Kevin Stride hat eigentlich keine Alternative dazu, Euphorie zu verströmen. Aber er hat Argumente: Sensoren rapportieren im Jaguar unter anderem Lenkwinkel, Gaspedalstellung, Geschwindigkeit der Räder und die Karosseriebewegungen mindestens 100 Mal pro Sekunde an das Hirn des XK, das dann die Abstimmung blitzschnell ändert.

Das Resultat zaubert ein Grinsen ins Gesicht: Drückt man den Knopf mit der Zielflagge, wird nicht nur die Lenkung direkter, der XK scheint jeden Lenkeinschlag geradezu herbeizusehnen und schießt so scharf um die Kurven, dass es eine wahre Freude ist. Dabei mutiert der indische Brite nicht zum Bandscheiben-Killer. Und wählt man die Normalabstimmung, lassen sich auch Langstrecken ganz entspannt absolvieren.

Schade allerdings, dass das adaptive Fahrwerk den XK-Modellen vorbehalten ist. Limousinenfahrer finden die Technik nur im XF-Spitzenmodell XFR. Das bedeutet nicht, dass das „normale“ Fahrwerk schlecht ist. Auch mit ihm lässt es sich locker um die Ecken schwingen, nur eben nicht ganz so ambitioniert, wie mit der sportlichen Variante. Schade auch, dass die Sportsitze mit verstellbaren Wangen nur in der Top-Ausstattung „Portfolio“ zu haben sind. Alle anderen dürfen sich auf knarzendes Leder freuen.

Und das dürfte man ziemlich oft hören, wenn man den neu entwickelten 385-PS-Motor richtig rannimmt. Der hat im XF und XK nicht nur Sprinterqualitäten, sondern lässt auch entspanntes Gleiten zu. Denn die neue Brit-Power hat im Gegensatz zum Vorgänger mehr Dampf. Vor allem aus dem Keller: Bei 2500 Umdrehungen sind es 34 Prozent mehr Drehmoment, die sich vor allem bei Zwischenspurts und Überholvorgängen positiv bemerkbar machen. XK-Fahrer können sich die Stereoanlage eigentlich sparen. Der Achtzylinder reicht.

Wesentlich gediegener geht es im XF zu. Doch zu der Limousine passt der neue Drei-Liter-Diesel ohnehin am besten. Der Selbstzünder macht der Raubkatze jetzt mit 240 oder 275 PS Beine statt wie vorher mit 207. Dank Bi-Turbo geht es auch hier von unten heraus zur Sache. Bei 1500 Touren beträgt das Plus an Drehmoment knackige 61 Prozent – bei einem Normverbrauch von 6,8 Liter.

Bei der Optik haben die Briten dagegen das Understatement gewahrt: Geringfügige Modifikationen an Front und Heck dürften nur Kennern auffallen. Immerhin gibt es beim XF jetzt LED-Leuchten und beim XK den aus dem XF übernommenen schicken Automatik-Drehknopf.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben