Jagura : Turbo und noch mal Turbo

Der schöne Jaguar XF hat einen schön starken Diesel bekommen – mit bemerkenswertem Verbrauch.

Sabine Beikler
Jaguar
Der Jaguar XF -Foto: promo

Das ist mal eine ganz andere Art von Bindungstheorie. Moderne Autos brauchen die Nähe zu ihrem Fahrer. Deshalb freuen sie sich auch auf jede Begegnung. Und damit das Ganze ein bisschen „menschelt“, haben sich die Autobauer von Jaguar etwas besonders Feinsinniges ausgedacht. Der Jaguar sendet einen Willkommensgruß. Beim Start erhebt sich lautlos ein dicker Knubbel aus der Mittelkonsole – der „Drive Selector“. Eine Spielerei, komplett sinnlos. But very eccentric.

Dieser Automatik-Wählhebel, der eigentlich ein Drehknopf ist, hat Einstellungen für die Gänge und die drei aktiven Fahrsysteme Standard, Winter und Dynamic Mode für das sportliche Fahren. Echte Coolness zeigt der Jaguar aber am Abend. Die Augen wandern zum Cockpit – und alle Knöpfe und Skalen strahlen in einem eisigen Phosphor-Blau. Und dann geht es nach dem Anlassen des Motors los, das katzengleiche Schnurren – ein Markenzeichen auch in dem Motor, den die Briten seit neuestem im XF verbauen: ein Dreiliter-Twin-Turbo-Diesel mit sechs Zylindern und 275 PS.

Damit beschleunigt der Jaguar XF in 6,4 Sekunden auf 100 km/h – und ein Turboloch ist dabei nicht spürbar. Das liegt an dem parallel und sequentiell geschalteten Doppel-Turbolader. Der erste Turbolader ist größer und hat ein hohes Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen. Der sekundäre Turbolader ist kleiner, nicht verstellbar, läuft in den unteren Drehzahlen leer und wird für zusätzliche Leistung bei höheren Drehzahlen ab 2800/min zugeschaltet. Nur schade, dass der Motor bei 250 km/h elektronisch abgeriegelt wird.

Durch eine spezielle Lärmdämmung ist das Beschleunigungsgeräusch kernig-sportlich, aber nicht unangenehm und überdreht. Das Sechsgang-Automatik-Getriebe läuft reibungslos. Das ist Fahrspaß pur, Beschleunigung satt – wer die angegebenen 6,8 Liter auf 100 Kilometer erreichen will, muss sich allerdings mächtig zurückhalten. Bei normaler Fahrt dürfte man um die achteinhalb liegen.

Ein edler Fahrspaß, auch im eleganten Innenraum. Holzverkleidung, Leder, ein Dachhimmel aus Velours werden in der Topvariante Portfolio angeboten. Doch kann der Fahrer von all der Schönheit auch gefährlich geblendet werden. Bei gleißendem Sonnenlicht reflektiert die Aluminium-Konsole extrem, die Oberseite des Armaturenbretts spiegelt sich in der Windschutzscheibe und auch das Display ist schlecht abzulesen. Die Kritik setzt aber auf sehr hohem Niveau an. Aber vielleicht sollten Jaguar-Fans doch lieber die Luxus-Ausstattung etwa mit gediegenem Walnusswurzelholz wählen.

 Und dann die ipod-Anbindung! „What a wonderful world“ von Joey Ramone klingt durch das Surroundsystem von Bowers & Wilkins mit 525 Watt-Soundanlage noch wunderbarer, noch punkiger. Den satten Sound dieser Coverversion im Jaguar hätte sich sicher Louis Armstrong gern einmal angehört.

Auch der Sportwagen XK mit einem neuen Fünfliter V8 Motor ist extrem durchzugstark. Es gibt den XK als Sauger mit 385 PS; mit Kompressor-Aufladung leistet er sogar 510 PS (375 kW). Sowohl Coupé als auch Cabrio begrüßen ihren Fahrer wie beim XF mit dem Drive-Control-System. Der Verbrauch wird beim 385-PS-XK mit 11,2 Liter auf 100 km angegeben. Doch wie beim XF dürfte dieser Wert nur auf dem Papier stehen.

Jaguar erzielte 2008 in Deutschland 3915 Neuzulassungen, ein Plus im Vergleich zum Vorjahr von 5,2 Prozent. Das meistverkaufte Modell war der Jaguar XF mit einem Dieselanteil von 72 Prozent. Bei den Sportwagen wurde der XK 870 mal verkauft. Die XF-Baureihe gibt es in vier Ausstattungen und fünf Motoren: Einen V6-Benziner, den neuen Dreiliter Twin Turbo-Diesel in zwei Leistungsstufen und den neuen Fünfliter-V8 mit und ohne Kompressor. Der XF-Benziner mit Dreiliter-Motor startet bei 54 800 Euro, der Fünf-Liter-Benziner mit etwa 14 000 Euro mehr. Der Diesel mit 275 PS kostet ab 54 500 Euro, die Spitzenausstattung „Portfolio“ ab 62 300 Euro. Vergleicht man die Preise des Dreier-Diesels mit Wettbewerbern, schneidet der Jaguar sehr gut ab. Der BMW 535d ist ab 58 780 Euro erhältlich, für den Mercedes MB E-Class 350 CDI muss man mit 58 815 Euro rechnen.

Der Preis für das XK V8 Coupé beginnt bei rund 89 000 Euro, die Spitzenausstattung startet bei knapp 97 000 Euro. Für das XK V8 Cabrio muss man mit 97 100 Euro in die Tasche greifen, für den XKR V8 Kompressor sind im Minimum 103 900 Euro fällig. Die Wettbewerber Maserati GT und Aston Martin Vantage sind rund 20 000 Euro teurer.

Warum sich Jaguar immer noch relativ schwer auf dem deutschen Markt tut, liegt wohl am Image des Autos: luxuriös, sinnlich, geschmeidig – aber teuer. Jaguars Deutschland-Chef, Jeffrey L. Scott, hat einmal gesagt: „Wir bauen die schönsten Autos der Welt.“ Nur müsse man sich eben auch „trauen, einen Jaguar zu fahren“. Könnte was dran sein.

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