Auto : Kalter Aufguss

Der Chevrolet Trax ist eine Kopie mit Schwächen – wäre da nicht der Preis, hätte er gegen Opels Original keine Chance.

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Es ist ja nicht neu, dass der Schein zuweilen täuscht. So wirkt der am 8. Mai bei uns startende Chevrolet Trax auf den ersten Blick wie ein echt amerikanisches Auto. Auf den zweiten und in Kenntnis der wahren Dinge ist er jedoch nichts weiter als der erneute Aufguss des bereits bekannten Opel Mokka. Und wie der Deutsche läuft auch der Amerikaner im gleichen südkoreanischen Werk vom Band, wo einstmals Daewoo-Autos gefertigt wurden.

Haben die Chevrolet-Leute den Mokka ein zweites Mal gut aufgebrüht? Optisch ja. Mit bulliger Front und einer Scheitelhöhe von 1,67 Metern ragt der Trax aus der automobilen Masse der Kompaktklasse heraus. So lang wie ein VW Golf, bietet er neben ordentlichem Platzangebot für vier (der VW ist da auch nicht besser) vor allem eine von vielen geschätzte höhere Sitzposition nebst bequemem Ein- und Ausstieg sowie eine nicht zu unterschätzende gute Übersicht; überdies ordentlich Platz für zwei Große im Fond und einen wandelbaren praktischen Kofferraum mit Durchlade bis 2,30 Meter.

Innen sieht es anders aus, da sieht und fühlt man den Preisunterschied von gut 2000 Euro zwischen dem Opel und dem Chevrolet. Da gibt sich der Trax als Billig-Kopie des Mokka zu erkennen. Hartplastik überall, sogar komplett bei den Türverkleidungen. Unterschiedliche Spaltmaße zeugen von liebloser Verarbeitung, dazu ein verspieltes Cockpit mit digitalen und analogen Anzeigen im Motorradlook, die auch noch unterschiedlich beleuchtet sind. Daneben zwei sinnfreie Minifächer. Kein Vergleich zum fein ausstaffierten Opel mit seinen gut ablesbaren Uhren.

Beim Fahren nähern sich beide Mini-SUV wieder einander an. Kein Wunder, ist doch die Technik nahezu gleich. Der Chevrolet fährt und federt ordentlich, rumpelt allerdings mit seinen 18-Zoll-Rädern über schlechte Straßen. Doch im Gegensatz zum Opel ist der Chevrolet sparsamer gedämmt. Das fällt besonders beim einzig angebotenen Diesel auf, dem 1.7-Liter mit 130 PS (ab 21 990 Euro). Der ist kräftig und laut. Besser agiert der 1,4 Liter große Turbobenziner mit 140 PS, den es unverständlicherweise aber nur mit Allradantrieb gibt (ab 21 790 Euro). Wenig interessant ist das zwar preislich attraktive Basismodell (16 990 Euro) mit 115 PS starkem Saugbenziner. Doch der ist durchzugsschwach, und dieses Auto hat keine Klimaanlage (1000 Euro Aufpreis). Es ist aber auch laut Preisliste möglich, 25 990 Euro und mehr für den Trax auszugeben.

Moderne Assistenzsysteme wie im Opel sucht man im Chevrolet ebenso wie das pfiffige Radträgersystem, das sich aus dem Heckstoßfänger hervorziehen lässt. Was bleibt? Insgesamt nicht auf der Höhe des Vorbildes Opel Mokka, glänzt der Chevrolet Trax dafür mit einem unschlagbaren Vorteil, der dem sehr gut gestarteten Deutschen das Leben doch schwer machen könnte – mit einem Preisvorteil von gut 2000 Euro. In dieser preissensiblen Klasse geradezu ein Totschlagsargument, das kein gutes Licht auf die Konzernpolitik von General Motors wirft.

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