Kapitalanlage Youngtimer : Die Richtigen werden nur noch teurer

Taugen Old- und Youngtimer zur Kapitalanlage? Zumindest muss man bei vielen alten Schätzchen keinen Wertverlust mehr befürchten

Michael Best

Fast scheint es, als könne er abheben. Mit aufgeklappten Flügeltüren steht der Mercedes-Benz 300 SL Coupe auf seinem Podest im Ausstellungsraum des Hamburger Oldtimer-Autohauses C.F. Mirbach. Seine typischen, nach oben öffnenden Flügeltüren gaben ihm im englischen Sprachraum einst den Namen „gullwing“. Mit einem für das Baujahr 1955 spektakulären Spitzentempo von 250 Sachen erreicht der Straßensportwagen immerhin die doppelte Startgeschwindigkeit vieler Sportflugzeuge.

Das Silbergeschoss mit Drei-Liter-Motor ist für etwa 650 000 Euro zu haben. Es gehört zu den derzeit rund 280 Fahrzeugen, die das nach eigenen Angaben größte und seit seiner Gründung 1958 älteste Oldtimer-Autohaus Deutschlands in seinen beiden Niederlassungen in Hamburg und am Chiemsee anbietet. Bis zu 300 Old- und Youngtimer verkaufe Mirbach jährlich, sagt Geschäftsführer Arne Butenschön. Das Geschäft mit den historischen Seltenheiten brummt wie ein gut getunter Sportwagenmotor. Vor allem als sichere Kapitalanlage werden Old- und Youngtimer immer beliebter. Mirbach ist mittlerweile auch nach Moskau expandiert. Butenschön spricht von einer Renaissance.

So registriert auch das Kraftfahrt-Bundesamt einen kontinuierlichen Anstieg der Zahl älterer Karossen. Allein die Zahl der angemeldeten Pkw über 30 Jahre hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf mehr als 330 000 fast verdreifacht. Über die Hälfte von ihnen ist durch das sogenannte Historienkennzeichen mit dem zusätzlichen „H“ am Ende des Nummernschildes auch als Oldtimer anerkannt – 154 479 Pkw und damit mehr als dreimal so viele wie Anfang 2000, Tendenz weiter steigend.

Youngtimer kommen in Mode

Vor allem Youngtimer spielen nach Einschätzung des Sprechers vom ADAC Hansa in Hamburg, Matthias Schmitting, in diesem Trend eine wachsende Rolle. „Das Oldtimer-Denken hat sich in der Wertigkeit verändert“, sagt Schmitting. Bis in die 70er Jahre habe das Augenmerk fast ausschließlich auf Vorkriegsmodellen gelegen, kaum jemand sei damals auf die Idee gekommen, Nachkriegsmodellen einen Wert zu geben und sie gezielt zu erhalten. Später seien dann Youngtimer erst im höherpreisigen Bereich und dann anhand bestimmter Automarken interessant geworden, ergänzt nach dem Mauerfall durch die wachsende Beliebtheit alter ostdeutscher Marken. „Heute hat die Youngtimer-Szene ein ganz anderes Gewicht“, so Schmitting. Viele entdeckten für sich auch einen 20 Jahre alten Wagen als Lieblingsstück, etwa einen späten Käfer, einen Manta oder Granada, eine Ente oder den Mini. „Viele schaffen sich einen solchen Wagen an mit dem Gedanken, ihn erst einmal in die Garage zu stellen.“

Denn der Wertzuwachs ist ein wichtiges Kriterium. Es gibt Sammler – manche mit zehn, zwanzig Autos – die ihre Oldtimer zwar als Hobby verstehen, den einen oder anderen Wagen aber nach einigen Jahren auch mit Gewinn wieder verkaufen. Denn ein richtig ausgewählter Old- oder Youngtimer verzeichnet oft keinen Wertverlust – zumindest so lange, wie er gut gepflegt und gewartet wird, so dass sich der Zustand nicht wesentlich verschlechtert. Im Gegenteil, so Butenschön: „Das ist Kapitalanlage nach dem Prinzip: Ich investiere etwas, aber ich vernichte kein Geld, denn ich habe keine Wegwerfkosten.“ Der Marktwert des Mercedes-Benz-Flügeltürers etwa, von dem zwischen 1954 und 1957 nur 1400 Stück gebaut wurden, habe sich in diesem Jahr um bis zu 30 Prozent gesteigert.

Firmengründer Claus Mirbach vergleicht Oldtimer mit Gemälden und Antiquitäten: „Je älter oder seltener sie sind, desto mehr können sie wert sein.“ Er beobachtet: „Immer mehr Menschen investieren ihr Geld lieber in ein Automobil, als es in unsichere Aktien zu stecken.“

Und Old- oder Youngtimer sind nicht alle so teuer wie der Flügeltürer, auch wenn man die Unterhaltskosten bedenken sollte. Preise liegen durchaus im Bereich aktueller Modelle. „Doch die Wertsteigerung bei originalen, unrestaurierten Autos mit wenigen Kilometern auf dem Tacho ist enorm“, sagt Mirbach. Aber bei allen Liebhaberstücken gelte eine Maxime: „Mit einem modernen Auto kommt man an, mit einem Oldtimer fährt man vor.“ Michael Best (ddp)

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