Karosserie-Kreuzungen : Bis alle anders sind

Warum es immer mehr neue Karosserie-Kreuzungen gibt – und was Mercedes unter einem „Shooting Break“ versteht.

Könnte so kommen. Der "Concept Shooting Break" von Mercedes gibt stilistisch einen Vorgeschmack auf den neuen CLS.
Könnte so kommen. Der "Concept Shooting Break" von Mercedes gibt stilistisch einen Vorgeschmack auf den neuen CLS.Foto: dpa

Limousine, Schrägheck, Kombi – diese traditionelle Aufzählung der Karosserievarianten gilt nicht mehr. „Wie in der Unterhaltungselektronik ist auch in der Autoindustrie ein immer stärkerer Trend zur Diversifizierung erkennbar“, erläutert Fabian Brandt von der Managementberatung Oliver Wyman in München.

Statt zwei oder drei Karosserievarianten bieten die Fahrzeughersteller auf einer Plattform mittlerweile oft vier, fünf oder noch mehr verschiedene Versionen einer Modellreihe an. „Kunden erwarten heute mehr denn je, dass ein neues Auto ihren immer individueller werdenden Ansprüchen entspricht“, sagt Brandt. Das haben sich die Hersteller in seinen Augen selbst eingebrockt: „Mit ihrem wachsenden Angebot an Derivaten haben die Autokonzerne den Eindruck erweckt, dass es für jeden Individualisierungswunsch das passende Fahrzeug gibt.“ Deshalb müssen sie nun nach immer neuen Alternativen suchen. Weil die Möglichkeiten beschränkt sind, bedienen sich Designer und Entwickler oft aus mehreren Segmenten und bringen dabei Kreuzungen auf den Markt, die mitunter ziemlich kurios anmuten.

Nachdem das viertürige Coupé im Stil von Mercedes CLS oder Passat CC mittlerweile fest etabliert ist und BMW mit dem X6 auch das Offroad-Coupé salonfähig gemacht hat, kommt nun der nächste Trend: der Shooting Break. Die Idee vom Kombi mit Coupé-Linie ist zwar nicht neu, war aber bislang oft teuren Einzelstücken italienischer Karosseriebauer vorbehalten. Basis waren meist britische Luxuslimousinen und Supersportwagen. Vor allem Aston Martin und Bentley mussten dafür herhalten.

Jetzt allerdings will Mercedes das Thema vorantreiben. Die im April auf der Motorshow in Peking gezeigte Studie „Concept Shooting Break“ war nicht nur die Stilvorlage für den neuen CLS, der im Herbst seinen Einstand gibt: „Genau dieses Auto wird ein, zwei Jahre später als weitere Variante auf den Markt kommen“, bestätigte ein Mercedes-Manager.

Um das Konzept zu erklären, geht man bei Mercedes zurück bis vor die Erfindung des Autos: „Break oder gleichlautend Brake nannte man auf Englisch früher Fuhrwerke, die man vorhielt, um den Widerstand ungezähmter Pferde zu brechen (to break) und ihren Bewegungsdrang zu bremsen (to brake), damit sie als Arbeitspferde nutzbar wurden“, erläutert Mercedes-Sprecher Norbert Giesen. Weil die Fuhrwerke dabei leicht beschädigt werden konnten, verwendete man für diese Aufgabe keine, die man dringend für andere Zwecke benötigte. Außerdem wurden die Breaks allenfalls mit leichten, oftmals variablen Aufbauten versehen – zum Beispiel zum Transport der Jagdausrüstung.

„Ein solches Fahrzeug, mit dem man zum Schießen (shooting) fuhr, nannte man Shooting Break“, sagt Giesen und erinnert außerdem an die 1960er und 1970er Jahre. „Damals wurden in Großbritannien schon einmal motorisierte Shooting Breaks populär: Exklusive Crossover-Fahrzeuge, die den Luxus und Stil eines Coupés mit dem Gepäckraum eines Kombis verbanden.“    

Während Mercedes mit der Wiederaufnahme dieser Idee den nächsten Trend setzen will, füllen die süddeutschen Konkurrenten noch Lücken: So hat Audi Ende 2009 als erstes viertüriges Coupé der Marke den A5 Sportback auf den Weg gebracht – und für Ende 2010 zwei Klassen darüber den A7 avisiert. Bei BMW wiederum laufen die Vorbereitungen für ein Gran Coupé, das mit sportlicher Silhouette und vier Türen in zwei bis drei Jahren die Brücke zwischen 6er und 7er schlagen soll.

Bis das so weit ist, experimentiert BMW allerdings auch mit anderen Neuschöpfungen – allen voran der Idee vom Gran Tourismo. Nachdem man die Mischung aus Coupé, Kombi und Limousine bereits in der 5er-Reihe umgesetzt hat, wurde nun erstmals bestätigt, dass es so einen GT auch in der nächsten Generation des 3ers geben wird.

Ebenfalls viele zum Teil kuriose Kreuzungen zeichnen sich bei den Geländewagen ab: Das viertürige Offroad-Coupé ist mit dem X6 bereits erfunden, und den Geländekombi hat Audi mit dem Allroad Quattro bereits vor mehr als zehn Jahren auf die Räder gestellt. Doch nun wird auch bei kleineren Modellen bunt kombiniert: So wird der Mini als Countryman zur Kreuzung zwischen Kleinwagen und Klettermax, und der Nissan Juke kombiniert SUV und Sportwagen.

Auch wenn nicht alle Kreuzungen Erfolg haben, wird der Drang in die Nischen ungebremst weitergehen, davon ist Fabian Brandt überzeugt: „Diese Entwicklung lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Die Autohersteller haben da die Büchse der Pandora geöffnet.“ dpa

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