Kaufberatung Nissan Qashqai : Welcher Typ passt zu mir?

Das Design ist für Kunden meist der entscheidende Kaufgrund. Steht das Modell erst mal fest, dann stellen sich die Fragen nach Motor, Getriebe und Ausstattung. Das ist oft gar nicht so leicht, wie die Kaufberatung zum Nissan Qashqai zeigt.

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Stark: Der 1,5-Liter-Vierzylinder im Nissan Qashqai zieht forscher los, als es seine nur 110 PS vermuten lassen.
Stark: Der 1,5-Liter-Vierzylinder im Nissan Qashqai zieht forscher los, als es seine nur 110 PS vermuten lassen.Foto: Promo

Vor jedem neuen Kauf stellt sich die alte Frage aller Fragen: Benziner oder Diesel? Welches Modell passt am besten zu mir? Wie viel Ausstattung brauche ich? Sparen oder klotzen? Da helfen nur Probefahrten und aufmerksames Studieren der Preisliste. Nissan macht es einem beim neuen Nissan Qashqai nicht leicht.

Um eines davon gleich vorweg zu nehmen: Auch im Qashqai ist der Basismotor nicht die erste Wahl. Er kann nicht so recht überzeugen. Der 1,2-Liter-Vierzylinder stammt von Renault und werkelt in zahlreichen Modellen und in mannigfaltigen Leistungs- und Drehmomentversionen. Hier im Nissan Qashqai gibt sich dieses Konzerntriebwerk überraschend lethargisch und irgendwie lustlos. Die 115-PS-Maschine ist ein typischer kleinvolumiger Turbobenziner, der das gängige Klischee bedient: sehr sparsam im Teillastbereich, richtig durstig im höheren Drehzahlbereich. Wer kaum über Landstraßentempo 100 fährt, wird mit sehr guten Verbrauchswerten um die sechs Liter belohnt. Wer hingegen auf der Autobahn, noch dazu mit voller Zuladung, deutlich über 120 km/h fährt, muss mit Werten von über zehn Litern rechnen.

Qual der Wahl? Nissan bietet beim Qashqai noch eine überschaubare Auswahl an. Antrieb und Ausstattung müssen aber zu den Bedürfnissen und natürlich auch zum Budget passen. Bei sorgfältiger Überlegung kommt auch mal Überraschendes heraus.
Qual der Wahl? Nissan bietet beim Qashqai noch eine überschaubare Auswahl an. Antrieb und Ausstattung müssen aber zu den...Foto: promo

Nissan Qashqai mit kleinen Diesel besonders sparsam

Im Schnitt zog sich der "kleine" Benziner pro 100 Kilometer 7,1 Liter Super E10 aus dem 60-Liter-Tank, 1,5 Liter über dem unrealistischen Normwert von 5,6 Litern. Das richtige Auto für den Typ Gelegenheitsfahrer, der um so die 10 000 Kilometer pro Jahr fährt. Und das richtige Auto auch für jene, die genau auf den Cent schauen. Die frontgetriebene Variante Visia mit dem 115-PS-Benziner ist bereits ab 19 900 Euro zu haben, mit allem, was wichtig und nötig ist. Wer hingegen oft mit voll besetztem Wagen unterwegs ist oder häufig lange Autobahnstrecken zurücklegt, sollte auf den angekündigten neuen 163-PS-Turbobenziner warten, der Ende des Jahres starten soll, dessen Preis aber noch nicht bekannt ist.

Für den "kleinen" Diesel verspricht Nissan einen Normverbrauch von nur 3,8 Liter Diesel pro 100 Kilometer. In der Praxis pendelt sich der Konsum auf Werte um die fünf Liter ein, im Schnitt 5,1 Liter. Kein schlechter Wert für den 1,4-Tonner. Der 1,5-Liter-Vierzylinder zieht forscher los, als es seine nur 110 PS vermuten lassen. Das Drehmoment von 260 Newtonmetern liegt zwischen 1750 und 2500 Touren an, doch bietet er eine ordentliche Durchzugskraft über einen weiten Bereich an, so dass er sich auch schaltfaul fahren lässt. Obwohl der 110-PS-Diesel bei gleicher Ausstattung 2050 Euro teurer ist als der 115-PS-Benziner, lohnt er sich bereits ab 13 000 Kilometer Jahresfahrleistung. Das richtige Auto also für den kühl rechnenden Qashqai-Typen, der oft Autobahnkilometer frisst.

Streicheln des Gaspedals bringt Freude

Bei der Laufkultur - das überrascht - kann der "große" Diesel mit 1,6 Liter Hubraum und 130 PS nicht mithalten. Er läuft hörbar rauer, und er rechnet sich erst ab der doppelten Jahresfahrleistung. Da muss jeder für sich selbst entscheiden. Dafür hat er andere Qualitäten, die einen für ihn einnehmen. Da ist zunächst die Souveränität gegenüber der 110-PS-Maschine. Immerhin 60 Newtonmeter mehr stemmt dieser Selbstzünder auf die Kurbelwelle - und das merkt man bei jedem Druck auf das Gaspedal. Doch so verrückt das jetzt klingt: Das Streicheln des Gaspedals führt zu einer Freude der besonderen Art.

Vor allem dann, wenn der Diesel mit der Xtronic-Automatik (1600 Euro Aufpreis) gekoppelt ist. Dieses stufenlose Getriebe benimmt sich anders, als es Klischees bislang weismachen wollten. Kein störender Gummibandeffekt. Nein, diese Xtronic ahmt, elektronisch gesteuert, die stufenweisen Gangwechsel einer konventionellen Wandlerautomatik nach. Bei entspannter Fahrweise wechselt die stufenlose Automatik ultraweich die richtige Übersetzung. Selten dreht der Diesel höher als 1500 Touren, dennoch fährt man munter in der Stadt mit. Das richtige Auto für den anspruchsvollen Qashqai-Fahrer.

Allrad nur für den "großen" Diesel

Wieder so ein Klischee, das hier bedient wird. Immerhin 35 550 Euro kostete unser komplett ausgestattete Testwagen mit Leder, Navigation, intelligentem Einparkassistenten, Müdigkeitserkennung und Totwinkelassistent. Mit Sechsgang-Schaltgetriebe und in der Basisausstattung Acenta stehen 27 350 Euro in der Preisliste. Am Ende der gut 1500 Kilometer langen Testfahrt steht bei diesem Nissan Qashqai ein Praxisverbrauch von glatt sechs Litern zu Buche. Allerdings nimmt dieses Automatikgetriebe dem Nissan Qashqai etwas die Sportlichkeit: Mit seiner Sprintzeit von Null auf Tempo 100 in 11,1 Sekunden ist der "große" Diesel mit Automatik nur 0,8 Sekunden schneller als der "Kleine". Bei der Höchstgeschwindigkeit sind beide nahezu gleichauf.

Und die Allradfreunde? Da dürfte sich Nissan beim neuen Quashqai keine Freunde machen, wenn die Allradfans entsetzt in die Preisliste schauen: Nur der "große" Diesel ist mit vier angetriebenen Rädern zu haben. Macht einen Mehrpreis gegenüber dem Basismodell mit 115-PS-Benziner von sage und schreibe 8960 Euro! Selbst gegenüber dem „kleinen“ Diesel sind es noch heftige 7010 Euro. Anhängern automatischer Gangwechsel ergeht es nicht besser: Die stufenlose Automatik ist nur für den „großen“ Diesel ab 28 900 Euro lieferbar, der Aufpreis beträgt 1600 Euro. Auch hier verblüffen die Japaner mit ihrem merkwürdigen Ausschlussverfahren: Entweder Allradantrieb oder Automatikgetriebe. Beides zusammen geht nicht in der 130-PS-Dieselversion. Das ist doppelt schade, denn sowohl Allradantrieb als auch Automatik können überzeugen.

Günstige Alternative. Wenn es nicht unbedingt ein SUV sein muss, dann reizt der Pulsar als Kompakter mit gleicher Technik zum günstigeren Preis.
Günstige Alternative. Wenn es nicht unbedingt ein SUV sein muss, dann reizt der Pulsar als Kompakter mit gleicher Technik zum...Foto: Markus Mechnich

X-Trail als verlängerter Qashqai

Auch für die Qashqai-Typen, die Platz brauchen, ist es etwas schwieriger geworden: Früher gab es einen Qashqai und einen Qashqai +2 mit zwei zusätzlichen Notsitzen. Dieser kostete je nach Ausstattungsversion zwischen 1500 und 2100 Euro mehr. Jetzt gibt es keinen Qashqai +2 mehr, sondern einen neuen X-Trail, der nun aussieht wie ein verlängerter Qashqai, aber gleich 4900 Euro teurer ist, weil er derzeit nur mit einem 130-PS-Dieselmotor lieferbar ist.

Und was ist mit dem sportlichen Qashqai-Typen? Auch der wird bedient, aber auf besondere Weise: Am 10. Oktober startet mit dem neuen Pulsar nach acht Jahren ein Nachfolger für den Almera. Der sieht aus wie ein Qashqai im Flachformat und ist für einen Kompakten ziemlich groß geraten. Mit 4,39 Metern sogar einen Zentimeter länger als Qashqai! Entsprechend geräumig geht es innen zu. Ansonsten bietet der neue Golf-Konkurrent Technik, Motoren sowie Assistenzsysteme vom Qashqai im Kompakt-Format zu günstigeren Preisen. Los geht es beim Pulsar mit dem bekannten 1,2 Liter großen Turbobenziner mit 115 PS mit einem Frühbucherbonus von 2000 Euro (nur bis Jahresende) schon bei 15 990 Euro, also glatte 4000 Euro unter dem Preis des Qashqai! Da könnte so mancher SUV-Fan schwach werden.

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