Kaufberatung VW Golf Sportsvan : Im Golf-Dickicht

Beim Golf hat es Volkswagen auf eine ungeahnte Modellvielfalt gebracht. Der VW Golf Sportsvan, ehemals Plus genannt, ist eines der beliebtesten Modelle. Aber ist er auch die beste Wahl? Wir haben mal genauer hingeschaut und den Vergleich mit seinen Brüdern angestellt.

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Der VW Golf Sportsvan ist das variabelste aller Golf-Modelle und bietet viel Platz im Inneren.
Der VW Golf Sportsvan ist das variabelste aller Golf-Modelle und bietet viel Platz im Inneren.Foto: promo

Früher war alles einfacher. Da gab es nur „den“ Golf – und gut. Da wusste man, was einen bei Volkswagen erwartet. Und heute? Da gibt es so viele Gölfe, dass manch einer glatt den Überblick verlieren kann. Dröseln wir das Ganze am besten am Beispiel des neuen VW Golf Sportsvan etwas auf: Dieser hat sich vom etwas pummligen Vorgänger Golf Plus nun zum schnittigen Touran Minus gemausert! Denn es ist hochinteressant, wie Volkswagen diesen Neuen zwischen die anderen Autos presst und damit – sicher ungewollt – auch für interne Konkurrenz sorgt. Hier die passenden Zahlen zur Erklärung:  Der neue Sportsvan misst von Stoßstange zu Stoßstange 4,34 Meter, ist damit also 13,4 Zentimeter länger als der Vorgänger. An der Höhe von 1,58 Metern ändert sich nichts, dennoch wirkt der Neue durch die gestrecktere Form und die fünf Zentimeter breitere Karosserie nun flacher, stämmiger und sportlicher. Ein gewollter optischer Trick.

Aber, und jetzt kommt es, der Sportsvan ist nur 8,3 Zentimeter länger als der normale Golf VII. Dafür immerhin 22,4 Zentimeter kürzer als der Golf Variant. Und vom erfolgreichen Van Touran trennen den Sportsvan jetzt nur noch 5,7 Zentimeter. Mit 2,68 Metern Radstand stehen die Achsen des Sportsvan sogar einen Zentimeter weiter auseinander als die des Touran, und immerhin fünf weiter als die des normalen Golf.

Im Innern des VW Golf Sportsvan kommt die Überraschung

Beste Voraussetzungen also für ein überdurchschnittliches Raumangebot dieses interessanten Hochsitz-Golf. Apropos Hochsitz. Die Sitzposition des Sportsvan liegt exakt 5,9 Zentimeter über der eines normalen Golf,  auch wenn der Sitz jetzt generell einen Zentimeter tiefer als beim Vorgänger eingebaut ist. Dennoch ist der bequeme Ein- und vor allem Ausstieg ohne rückenfeindliche Anstrengungen geblieben. Sogar verbessert hat sich gegenüber dem Vorgänger die Übersicht. Der gegenüber anderen Neuerscheinungen wohltuend übersichtliche VW Golf Sportsvan hat nun zehn Fenster, also vier zusätzlich. Vorn sind sie wirklich nützlich, weil die Außenspiegel unten an der Tür befestigt sind. Hinten sind sie eher Show, weil die Fensterchen zu hoch angebracht sind, um einen Zusatznutzen zu bringen. Dafür wurde das Heckfenster größer.

Hat man im VW Golf Sportsvan Platz genommen, folgt die Überraschung. Es ist frappierend, was wenige Zentimeter mehr gegenüber dem normalen Golf ausmachen können: nur acht Zentimeter mehr Länge, einen in der Breite und 13 in der Höhe sorgen für ein viel luftigeres Raumgefühl als im normalen Golf, obwohl die Grundfläche des Sportsvan nur minimal größer ist. Damit lässt sich der Hochdach-Golf nicht schlechter einparken als der normale. Und mit dem automatischen Parklenkassistent (nur 200 Euro Aufpreis bei Highline) ist der Unterschied gleich null.

Der Sportsvan ist der variabelste Golf

Höhe schafft bekanntlich Raum. Das wissen Designer, und das demonstriert der Sportsvan eindrucksvoll. Das macht ihn nicht nur zu einer Alternative zum normalen Golf,  sondern sogar zu einer im Vergleich zum aktuellen und viel teureren Touran. Dessen nächste Generation startet ja 2015 und wird deutlich größer werden. Anders als dieser verfügt der Sportsvan im Fond zwar nur über eine Reihe,  ist also kein Siebensitzer. Doch das macht er damit wett, dass jedes Teil der im Verhältnis 60 zu 40 geteilten Rückbank einzeln um 18 Zentimeter (zwei mehr als im Vorgänger) verschoben werden kann. Zudem sind auch die Lehnen in der Neigung verstellbar. Die lassen sich zudem bequem umklappen, und es entsteht eine nahezu ebene Ladefläche, wenn sich der serienmäßige doppelte Ladeboden in oberster Position befindet. So passen locker zwei Klappräder in das Ladeabteil, das zwischen 498 und 1512 Liter Volumen misst. Und klappt man die Beifahrerlehne um (93 Euro Aufpreis), dann können sogar bis zu 2,48 Meter lange Surfbretter transportiert werden.

Der neue VW Golf Sportsvan verbindet übersichtliches Design mit mehr Freiraum. Kleine Extras, wie eine Lenkradheizung, gibt es für wenig Geld dazu.
Der neue VW Golf Sportsvan verbindet übersichtliches Design mit mehr Freiraum. Kleine Extras, wie eine Lenkradheizung, gibt es für...Foto: promo

Damit ist der Sportsvan der variabelste Golf. Und er ist zugleich der Wellness-Golf. Die Sitze erweisen sich selbst auf längeren Fahrten als ausgesprochen bequem. Wenn man morgens in der Kälte in das unter der Laterne geparkte Auto einsteigt, freut man sich über die wirkungsvolle Lenkradheizung (130 Euro extra). Beheizbare Vordersitze sind beim Topmodell Highline ohnehin serienmäßig.

Gute Übersicht dank flacherem Armaturenbrett

Nach über 1000 Kilometer Testfahrt steht fest: In diesem Hochdach-Golf fährt man einfach entspannter als im normalen Modell. Es muss ja nicht sportlich-hektisch zugehen, sondern  auch eben souverän-entspannt. Das ist auf langen Reisen ohnehin die bessere Kombination. Hinzu kommt, dass der normale Golf viel straffer abgestimmt ist und so trockener federt. Der Sportsvan mit seinem fünf Zentimeter längeren Radstand und seinen gut 70 Kilogramm Mehrgewicht gibt sich hier deutlich verbindlicher, federt geschmeidiger und ist dennoch kein Kind von Traurigkeit. Klar, lenkt er nicht so zackig ein wie der normale Golf, doch für einen Familienvan liegt seine gute Handlichkeit schon über dem Klassendurchschnitt. Das (automatisch) gelassenere Fahren im Sportsvan drückt sich auch in einer besseren Haftpflicht-Versicherungseinstufung aus: Sportsvan HK 16. Golf HK 18. Das spart jedes Jahr Geld.

Der neue VW Golf Sportsvan wirkt sportlicher als sein Vorgänger. Ein größeres Heckfenster und zusätzliche Seitenfenster sorgen für guten Durchblick.
Der neue VW Golf Sportsvan wirkt sportlicher als sein Vorgänger. Ein größeres Heckfenster und zusätzliche Seitenfenster sorgen für...Foto: promo

Im Unterschied zum normalen Golf  bietet der Sportsvan neben der höheren Sitzposition noch zwei weitere Vorteile: Das Armaturenbrett baut flacher, verbessert so die Übersicht. Und der große berührungsempfindliche Bildschirm liegt viel höher als im normalen Golf und damit besser im Blickfeld.

Wir sind das Topmodell Highline mit 150 PS starkem 1,4-Liter-TSI und Sechsgang-Handschaltung gefahren. Ein Klasse-Motor mit einer Top-Schaltung, deren gut platzierter Knauf sich flüssig und exakt aus dem Handgelenk durch die Gassen führen lässt. Doch das muss man eigentlich gar nicht, denn das ordentliche Drehmoment von 250 Newtonmetern liegt bereits bei 1500 Touren an. Ein Wert, der noch vor wenigen Jahren selbst für großvolumige Diesel als bemerkenswert galt. So muss die Hand nur selten zum Hebel greifen.

Die Preise von VW - Ein spezielles Kapitel

Gleiten, spurten, sparen, sprinten? Alles kein Problem mit diesem elastischen Turbo-Direkteinspritzer, der überdies vibrationsfrei und leise zu Werke geht. Zwischen 5,2 und 9,8 Liter schwankte der Verbrauch, je nach Fahrweise. Im Schnitt waren es auf den über 1000 Kilometern 6,8 Liter Super pro 100 Kilometer. Für diesen potenten Kompaktvan (Null bis 100 km/h in 8,8 Sekunden, Spitze 212 km/h) ein sehr guter Wert, der 1,3 Liter über dem unrealistischen Normwert liegt. Wer nicht selbst schalten will, sollte stattdessen den 125-PS-TSI mit nur unwesentlich schlechteren Fahrleistungen wählen und dafür noch die famose Siebengang-Doppelkupplungsautomatik (1850 Euro Aufpreis) ordern. Der Gesamtpreis liegt nur 625 Euro über dem 150-PS-Sportsvan mit Schaltgetriebe.

Und da sind wir bei den Preisen, einem speziellen Kapitel bei VW. Los geht es zwar schon ab 19625 Euro, doch dann hat der Benziner nur schmale 85 PS, und das CD-Radio fehlt. Es kostet stolze 615 Euro. Mit dem 150-PS-Benziner startet der Sportsvan dann in der mittleren Ausstattung Comfortline erst bei 25 825 Euro. Die Topversion Highline kostet weitere 1775 Euro mehr, also 27600 Euro. Doch wer seinen Sportsvan aufhübschen und mit diversen Fahrerassistenzsystemen bequemer und sicherer machen will, muss kräftig zuzahlen. So waren in unserem Testwagen Extras im Wert von 11171 Euro verbaut,   so dass unterm Strich der 150-PS-Sportsvan auf einen Gesamtpreis von 38 771 Euro kam. Ufff.

Einen Makel leistet sich der Sportsvan doch: Er ist nicht mit dem intelligenten Allradantrieb 4Motion lieferbar. Der normale Golf schon. VW wollte nicht sagen, wann sich das ändert. Doch für jene in bergigen Gegenden, die auf vier angetriebene Räder schwören, gibt es ja nicht nur den normalen Golf  als 4Motion, sondern auch den neuen Golf Alltrack – einen Golf Variant mit höher gelegter Karosserie, Abenteuerbeplankung und 4Motion-Antrieb. Den gibt es allerdings nur in einer einzigen, dafür sehr guten Ausstattungsversion und lediglich mit Dieselmotoren: ab 29975 Euro mit 110 PS. Mit 150-PS-Selbstzünder dann ab 32 475 Euro.  Der variable und geräumigere Sportsvan ist – ausstattungsbereinigt – 1675 Euro teurer als der klassische fünftürige Golf in Highline-Ausstattung, aber nur 150 Euro teurer als der entsprechende Golf Variant. Die Aufpreise für Extras unterscheiden sich nur minimal. Wie gesagt, früher war alles einfacher bei VW.

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