Kia Niro : Spatzendurst statt Schluckspecht

Der neue Kia Niro kommt als erster SUV ausschließlich mit Hybridantrieb – und sparsamem Verbrauch.

Peter Maahn
Die Kraft der zwei Herzen. Im Kia Niro soll das rechnergesteuerte Zusammenspiel von Verbrennungsmotor und Batterieantrieb für besonders niedrigen Verbrauch sorgen.
Die Kraft der zwei Herzen. Im Kia Niro soll das rechnergesteuerte Zusammenspiel von Verbrennungsmotor und Batterieantrieb für...Foto: Promo

In den letzten Jahr waren die klobigen, hochbeinigen Mischungen aus Geländewagen und Kombi erstmals die beliebteste Autokategorie in Europa. Die SUV boomen, jeder Hersteller hat mehrere Modelle dieser Art von Autos im Programm. Obwohl sie weithin als unvernünftig gelten, meist nur auf festen Straßen unterwegs sind und wegen ihres oft recht hohen Verbrauchs in Verruf geraten sind. Hierzulande haben die Trendmobile zudem zu gut 80 Prozent einen Dieselmotor unter der Haube. Umso erstaunlicher, dass ausgerechnet die koreanische Firma Kia auf dem Genfer Autosalon ein kleines SUV zeigt, das ausschließlich mit einem verblüffend sparsamen Hybridantrieb zu haben ist und dennoch mit knapp 20 000 Euro vergleichsweise günstig angeboten wird.

Alles ist neu beim 4,36 Meter langen Kia Niro, der kein vorhandenes Modell ersetzt: Der Name, die speziell für Hybridtechnik ausgelegte Plattform, der Antrieb, das Innenleben. Das Design allerdings verrät die enge Verwandtschaft zum gut zwölf Zentimeter längeren Kia Sportage. Recht hoch angesetzte Bi-Xenon-Scheinwerfer, markanter Kühlergrill mit der Kia-typischen „Tigernase“, breiter Lufteinlass unter dem Stoßfänger, seitlich eingerahmt von senkrecht stehenden Schlitzen, die den Luftwiderstand reduzieren sollen. „Die typische SUV-Form“, erklärt Ingenieur Jeong Bin Moon vor der ersten Testfahrt die Linienführung des Niro. Glatte 2,70 Meter Abstand zwischen den Achsen versprechen komfortables Reisen auch auf den Rücksitzen.

Ein Optik, die mehr verspricht, als sie in der Praxis halten kann. Auch Entwickler Bin Moon räumt ein, dass sich künftige Niro-Fahrer wegen des fehlenden Allradantriebs wohl nur selten abseits fester Straßen wagen werden. „Was zählt, sind die hohe Bodenfreiheit, die erhabene Sitzposition dank einer Höhe von 1,54 Metern und das Raumgefühl“. Und das alles bei einem in dieser Klasse bislang unerreicht niedrigen Normverbrauch dank des Hybridantriebs.

Ein Konzept, das es durchaus in sich hat und mit dem des Stammvaters aller Hybride, dem Toyota Prius, vergleichbar ist. Der mit 1,6 Liter Hubraum recht kompakte Benziner mit seiner überschaubaren Leistung von 105 PS wurde mit einem 32 kW/44 PS Elektromotor zusammengespannt. Die Batterie reicht zwar nur für knapp zwei Kilometer rein elektrisches Fahren bei maximal 50 km/h, unterm Strich aber soll das rechnergesteuerte Zusammenspiel beider Herzen für niedrigen Spritverbrauch sorgen. Noch nennt Kia keine exakten Werte, spricht aber von einem CO2-Ausstoß von unter 90 Gramm pro Kilometer. Umgerechnet bedeutet das etwa 3,9 Liter auf 100 Kilometer.

Praxisverbrauch von 5,3 Litern

Das Innenleben macht einen ordentlichen Eindruck, die Bespannung des Instrumententrägers ist zwar aus Kunststoff, wird aber immer wieder wie zum Beispiel an den Lufteinlässen oder dem Navi-Monitor durch Umrandungen in Chromoptik aufgehellt. Die Armaturen beschränken sich auf zwei Rundinstrumente, auf denen auch der Ladestand der Batterie angezeigt wird. Auf dem zentralen Bildschirm kann zudem verfolgt werden, wie die Kraft der beiden Motoren gerade verteilt wird oder wie energisch beide Triebwerke beim Beschleunigen gemeinsam zu Werke gehen.

Im Stadtverkehr wird der 1,6-Liter häufig in den einstweiligen Leerlauf-Ruhestand versetzt. Fürs Stopp-and-Go reicht die Kraft der Batterie. Wie bei anderen Hybrid-Modellen fließt immer dann Energie zurück in den Akku, wenn das Gas gelupft wird, wenn der Niro bergab rollt oder wenn gebremst wird. Rekuperation heißt das im Hybrid-Jargon. Auch das Navigationssystem spielt mit. Entdeckt es voraus eine Steigung, beginnt der Benziner selbsttätig mit dem Aufladen der Batterie, um den E-Kollegen fit zu halten und ihn an der Bewältigung des Aufstiegs zu beteiligen.

Nicht so gebräuchlich ist, dass der Verbrennungsmotor zum Beispiel beim Ampelstopp dazu genutzt wird, sein Strom-Pendant aufzuladen. Das sorgt dafür, dass die Batterie niemals völlig leergefahren wird. Als Fahrer hat man nur über das Gaspedal die Chance, das vom Bordrechner gesteuerte Treiben zu beeinflussen. Allerdings springt der Benziner nach dem Losfahren beim kleinsten Zucken des rechten Fußes sofort an. Einen Knopf, der den Niro in den reinen E-Modus zwingt, sucht man vergeblich.

Am Ende der Test-Tour kann dann durchaus Positives notiert werden. Der Bordrechner meldet einen Praxisverbrauch von 5,3 Litern. Auf deutschen Autobahnen wird das sicher deutlich mehr. Der Fahrkomfort ist recht passabel dank sehr guter Sitze, viel Platz für Passagiere und Gepäck und einem Fahrwerk, das auf übertriebene Härte verzichtet. Das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe ist ebenso serienmäßig wie gleich sieben Airbags. Je nach gewählter Ausstattung sind ein automatisches Notbremssystem, Abstandsradar und Assistenten für das Spurhalten oder gegen den „Toten Winkel“ im Rückspiegel mit an Bord. Pfiffig ist die Möglichkeit, ein Smartphone kabellos aufzuladen oder die Rückfahrkamera im Scheibenwischer-Arm. Auf der Zubehörliste stehen zudem ein beheizbares Lenkrad, Einparkhilfe oder gekühlte Vordersitze. Die Preise des Kia Niro werden bei rund 20 000 Euro beginnen, zu uns kommt er im Herbst.

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