Kia : Quadratisch, praktisch, Soul

Auch Kia hat jetzt eins dieser kantigen Spaßmobile. Der Koreaner bietet gute Anlagen – aber auch ein paar Unzulänglichkeiten.

Wolfgang Gomoll
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Kia Soul -Foto: Promo

Seit Neuestem geht bei den Autoherstellern die Würfel-Manie um. Erst gab’s den Fiat Qubo, für den Herbst hat Nissan den Cube angekündigt. Jetzt will der Kia Soul die Herzen der lifestylebewussten und zugleich praxisorientierten Käufer erobern. Keine ganz einfache Übung. Dennoch erwarten die Kia-Männer nichts anderes als Erfolg von ihrem Jüngsten. „Dieses Auto wird ein Rebell“, sagt der Produktmanager Wolfgang Sailer.

Ganz schön markige Worte. Mal sehen, ob der Soul über die hoch gelegte Latte kommt. Der kantige Körper gefällt schon mal. Wo andere mit weichen Linien versuchen, Eindruck zu schinden, setzt der Soul auf eine rustikale Optik mit klaren Winkeln und Geraden, garniert mit SUV-Elementen wie bulligen Stoßfängern. Trotzdem wirkt der Koreaner trotz 4,10 Meter Länge und 1,61 Meter Breite alles andere als grobschlächtig. Die fünfeckigen Frontscheinwerfer, die ausgestellten Radläufe und die ansteigende Schulterlinie verleihen dem Asiaten ein witziges, leichtfüßiges Aussehen.

Sympathie weckt auch der Innenraum. Im Soul haben vier Erwachsene locker Platz. Das Lenkrad lässt sich aber nur in der Höhe verstellen und ist deswegen zu weit vom Fahrer entfernt. Will man näher heranrutschen, werden großgewachsene Piloten in eine Froschhaltung mit angewinkelten Schenkeln gezwungen. Ob das so richtig cool aussieht, kann durchaus bezweifelt werden. Immerhin ist der Soul trotz der wuchtigen D-Säule ziemlich übersichtlich geraten.

Großgewachsene Fahrer, die nicht auf blitzscharfe Fotos stehen, dürften sich über den extrabreiten Rückspiegel freuen, der einen guten Teil des Gesichts verdeckt. Alle anderen ärgert der Donnerbalken vermutlich eher. Das wird durch die aufpreispflichtige Rückfahrkamera (1440 Euro im Paket mit Glasschiebedach und Stereoanlage), deren Bild genialerweise im Innenspiegel angezeigt wird, nur zum Teil gemildert. Wenig verständlich ist, dass Parkpiepser und die Kamera sich auf der Optionsliste ausschließen. Nicht Entweder-oder, sondern Beides sollte die Maxime lauten.

Das Cockpit ist übersichtlich und die Bedienung fast schon intuitiv. Der iPod kann entspannt über die Stereoanlage gesteuert werden. Allerdings fehlt der ansehnlichen Komposition der letzte Schliff: Die genarbten Oberflächen können die großen Mengen Hartplastik nur unzureichend kaschieren. Bei der Verarbeitung muss Kia im Detail noch nachbessern: Die elektrischen Fensterheber sind nicht entgratet und die beiden Lenkhebel glänzen speckig, was nicht besonders wertig aussieht. Hinter der Handschuhfach- und der Sonnenbrillenklappe wird es dann schmerzhaft für die Augen: Die Innenverkleidungen sind in einer Art Milieu-Rot gehalten. Aber zumindest ist das Handschuhfach groß.

Dass bei so viel Platz für Passagiere der Kofferraum mit 222 Litern Volumen nicht weltrekordverdächtig sein kann, ist irgendwie logisch. Legt man die Lehnen der nicht verschiebbaren Rückbank um, werden immerhin 700 Liter daraus – und dazu gibt es noch ein großes Geheimfach unter dem Ladeboden, das nebenbei für eine ebene Ladefläche sorgt. Die Ladekante ist etwas hoch. Dafür schwingt die Heckklappe so weit auf, dass Personen bis 1,85 Meter Größe unter ihr aufrecht stehen können.

Auf der Straße punktet der Soul dann wieder ganz ordentlich. Das Fahrwerk überzeugt auf der ganzen Linie. Sogar mit den montierten bulligen 18-Zoll-Reifen bietet es ordentlichen Komfort und der kleine Korea-Van bleibt auch in schnellen Kurven lange neutral, ehe er berechenbar über die Vorderräder schiebt. Die 18 Zöller braucht der Soul übrigens dringend aus optischen Gründen: Sie sind nötig, um die großen Radkästen einigermaßen auszufüllen. Mit den serienmäßigen 15-Zöllern hat der Soul das stelzige Aussehen eines Golf Country.

Und was den Motor angeht: Überlandfahrten sind mit dem 126-PS-Benziner zwar locker drin, aber im Detail zeigen sich einige Unzulänglichkeiten. Die unteren Gänge sind zu lang übersetzt, das Motorengeräas Gehusch dringt ziemlich vernehmbar in den Innenraum. Hier würde etwas mehr Dämmmaterial Wunder wirken. Viel besser passt der zwei PS stärkere Dieselmotor zum Soul, mit ihm flitzt der 1430-kg-Würfel so flott über den Asphalt, wie es die Optik verspricht. Warum der Selbstzünder aber nur mit den beiden nobelsten Ausstattungsvarianten zu haben ist und dann noch mal 1800 Euro teurer ist als der Benziner, bleibt deimnis der Kia-Strategen. Was eigentlich schade ist, denn der flippige Soul hat das Zeug, für Kia ein Gewinnertyp zu werden.

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