Auto : Klare Linie

Mercedes hat uns mit den Namen seiner Coupés lange verwirrt – die zweitürige C-Klasse gibt Anlaß, genauer hinzuschauen

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Nimm zwei. Optisch muss man nicht lange diskutieren, welche C-Klasse die schönste ist. Aber spätestens, wenn die Kinder in die Höhe schießen, ändert sich die Sicht der Dinge. Foto: promo
Nimm zwei. Optisch muss man nicht lange diskutieren, welche C-Klasse die schönste ist. Aber spätestens, wenn die Kinder in die...

Kein anderer deutscher Hersteller versteht sich so geschickt auf die Magie der schicken Coupés. Die Statussymbole für Gutbetuchte und zumeist Ältere, die sich für viel Geld ein Stück Jugend zurückkaufen möchten. Und kein anderer deutscher Hersteller hat deshalb so viele Coupés im Programm wie Mercedes. Da fällt bisweilen die Übersicht schwer.

Also helfen wir und fangen bei unserer kleinen Aufzählung mal „oben“ an: Mit CL bezeichnet Mercedes seit 1996 die Coupéversion der S-Klasse – mit aktuell bis zu 517 PS starkem V12. Im Jahr 2004 startete der CLS auf Basis der E-Klasse und begründete die Gattung der viertürigen Coupés. Eine Erfolgsgeschichte, die von anderen inzwischen kopiert wird. Jetzt gibt es den CLS in zweiter Generation. Ebenfalls auf Basis der E-Klasse bietet Mercedes seit 2009 ein zweitüriges Coupé an, das mit einem Luftwiderstandsbeiwert von 0,24 das strömungsgünstigste Serienauto der Welt ist. Beim E-Klasse Coupé gibt es allerdings etwas Verwirrung. Nur die Modelle von 1987 bis 1997 basierten auf der damaligen E-Klasse. Ab 1997 trug das Mittelklasse-Coupé bis 2009 die Bezeichnung CLK, weil es nämlich auf der C-Klasse basierte. In der ersten Generation (bis 2002) wurde es der damaligen E-Klasse äußerlich angepasst.

Etwas durcheinander geht es auch bei den Vorgängern des brandneuen C-Klasse Coupés. Von 2000 bis 2008 nannte Mercedes das im brasilianischen Werk Juiz de Fora gebaute Modell Sportcoupé. Dach hieß es bis 2009 CLC-Klasse. Optisch ist es zwar der C-Klasse angepasst, technisch jedoch das alte Modell. Beide Vorgänger – Sportcoupé und CLC – waren also eher halbherzige Versuche und nur bedingt erfolgreich. Das dürfte beim neuen Coupé der C-Klasse, das seit 4. Juni zu kaufen ist, ganz anders aussehen. Da hat Mercedes die erfolgreiche C-klasse geschickt geschrumpft: zwei Türen weniger und vier Zentimeter flacher. Sieht viel dynamischer aus. Soll es auch, denn das neue Coupé muss Jüngere an Bord holen. Heutige Mercedes-Käufer gehören zur Generation 55 plus. Klar, wer sonst kann sich einen teuren Stern in die heimische Garage holen? Beim neuen C-Klasse Coupé lockt Mercedes frische Jüngere erstmals direkt über den Preis. Das Coupé kostet nur 595 Euro mehr als die Limousine. Klingt gut, los geht es aber dennoch erst bei 33290 Euro für das Einsteigermodell mit 156-PS-Benziner. Selbst in dieser Version erreicht jeder schnell die 40000-Tausender-Schwelle, der den Verlockungen einer langen Preisliste unterliegt.

Wir sind das Basismodell gefahren. Es kann die gelungene sportliche Optik nur bedingt ins fahrerische Glück umsetzen. Das Fahrwerk ist viel besser als der durchzugsschwache Vierzylinder. Statt der versprochenen 6,7 Liter waren es nach der Testfahrt 8,9 Liter Super. Viel besser schlug sich der C 250 CDI mit seinen stämmigen 204 PS, der ausgesprochen gut mit der Siebengang-Automatik harmonierte. Lineare Kraftentfaltung und lässiger Durchzug in allen Gängen – die reine Freude. Die muss allerdings mit mindestens 43674 Euro bezahlt werden. Und weiter? Ein Diesel, der C 220 CDI mit 170 PS (ab 37 455 Euro) sowie zwei weitere Benziner, der C 250 mit 204 PS (ab 41174 Euro) und der C 350 V6 mit 306 PS (ab 47 541 Euro). Alle Triebwerk besitzen eine gut funktionierende Start-Stopp-Automatik. Interessant: Mercedes bewegt sich auf ähnlichem Preisniveau wie BMW bei seinem Dreier- Coupé.

Wie bei Limousine und T-Modell stehen auch beim Coupé drei Fahrwerke zur Wahl. Mercedes hat es auch beim Coupé verstanden, eine gepflegte Sportlichkeit zu schaffen, die frei von übertriebener Härte ist. Da der Zweitürer grundsätzlich etwas straffer als die Limousine abgestimmt ist, braucht man das Sportfahrwerk eigentlich nicht. Auch das Coupé bietet die große Palette der Fahrerassistenzsysteme. Hier muss sich jeder selbst klar werden, ob er die wirklich auch braucht.

Im Inneren C-Klasse pur – und das im positiven Sinne. Bis auf eine Ausnahme: Im Fond sitzen nur Menschen bis maximal 1,70 Meter einigermaßen menschenwürdig. Für alle anderen ist die zweite Reihe eine Strafbank mit unwürdiger Kopfhaltung. Dort taugt es nur für Kinder. Und eine angepriesene Neuerung erweist sich unseren Augen als sehr gewagter Versuch. Die Blende in Klavierlack-Optik Porzellan sieht eher nach dem Charme eines Bakelitradios aus den sechziger Jahren aus. Das dürfte der angepeilten neuen Klientel „von unter 50“ wohl kaum gefallen. Eher schon, dass das stämmige C-Klasse Coupé selbst neben dem zehn Zentimeter längeren E-Klasse Coupé (mit dem gleichen Radstand!) eine ausgesprochen gute Figur macht. Nur ist es gut 6000 Euro günstiger...

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