Auto : Kleinkunst

Wir könnten mit der Frage beginnen, ob Adam wirklich der richtige Name für dieses gelungene Auto ist – englisch ausgesprochen. Nein, wir fangen lieber mit dem LED-Sternenhimmel für 380 Euro an. Den hat nämlich sonst keiner im Angebot. Und der löst spätestens dann Käuferstolz aus, wenn das junge Pärchen zum ersten Ausflug an den Baggersee aufbricht und auf dem Blueetoth-gekoppelten iPhone die Lieblingssongs wählt. Das Extra ist typisch für den Neuen von Opel, mit dem die Marke den Lifestyle-Trend schlechthin bedient: Je individueller ein Produkt konfiguriert werden kann, desto größer der Spaßfaktor und desto nachhaltiger die Identifikation.

Beim Adam ist das Wählen Prinzip Nummer eins. Bei den unterschiedlichen Farben für Wagenkörper und Dach fängt das an; bei 31 verschiedenen Rad-/Felgenkombinationen geht es weiter; und bei 15 Designs für die Sitze ist längst noch nicht Schluss. Nehmen wir die Blenden im Innenraum: Die kann man passend zur Außenfarbe lackiert haben. Oder man bestellt sie mit perfekt aufgebrachten Folien, die edle Texturen oder verrückte Motive tragen. Wer die Dekore irgendwann leid ist oder aus dem gealterten Adam wieder einen frischen machen will, kann sie in der Werkstatt auswechseln lassen. Das soll gut 200 Euro kosten und folgt damit dem zweiten Prinzip des Adam: Bei aller Spielerei bleibt das Puzzle bezahlbar. Selbst wer in den Ausstattungslinien Jam, Glam und Slam wildert, was das Zeug hält, hat gute Chancen, günstiger wegzukommen als bei einem vergleichbar aufgemodelten Fiat 500. Das liegt einmal am mit 11 500 günstigen Basispreis des kleinen Opel, zum anderen an den kommoden Preisen für die unzähligen Optionen.

Dabei sind einige davon wirklich klasse: Das Intelli-Link-Infotainment-System etwa. Kostet 300 Euro, verbindet sich – in dieser Klasse längst noch nicht selbstverständlich– völlig unkompliziert mit jedem Smartphone und nutzt dessen Navi-App für die Routenführung. Der große Farbbildschirm spuckt lediglich die Karte aus, die Ansage kommt über Lautsprecher – statt doppelt zu investieren, nutzt man die Technik, die man ohnehin mit sich herum trägt. Der auf Wunsch fest im Adam verbaute Fahrradträger FlexFix ist mindestens ebenso clever: Er verschwindet nämlich unsichtbar in der Stoßstange, wenn er nicht gebraucht wird (590 Euro).

Während es an den Platzverhältnissen vorne, am Fahrwerk und an der Verarbeitung nichts zu meckern gibt, bleiben die Motoren die Schwachstelle Opels. Schon an der kleinsten Steigung lässt sich nicht mehr verbergen, wie schwachbrüstig die 1,2- und 1,4-Liter aus Rüsselsheim sind. Die Direkteinspritzer der deutschen Konkurrenz sind da von anderem Kaliber – doch immerhin: Eine neue Motorengeneration ist in Sicht; im Herbst nächsten Jahres soll es soweit sein.

Dennoch ist der Adam für uns ein Auto des Jahres. Er steckt voller Ideen und er steht satt auf der Straße statt das beliebte Kindchen-Schema zu bedienen. Mit seinem Alles-ist-möglich-Programm hat er das Zeug dazu, auch den Pessimisten wieder Lust auf Opel zu machen. Ab Januar kommt der Neue auf die Straße – aber Vorsicht. Keiner ist wie der andere.

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