Kleinwagen : Die großen Strolche

Mini Clubman, Mazda 2 und Opel Agila: Drei Kleinigkeiten, mit denen wir es bald zu tun bekommen.

Eric Metzler
Mazda 2
Diesel aus Japan: Der Mazda 2. -Foto: Promo

Wenn Volkswagen auf der IAA die meisten und dicksten Schlagzeilen mit einem kleinen Wägelchen namens up! erntete, ist das kein Zufall. Große Autos brauchen mehr Sprit und machen mehr Dreck – so einfach kann die Welt sein, wenn sich das Diskussionsklima bis zum Gehtnichtmehr aufgeheizt hat. Kleine Modelle sammeln deshalb Sympathiepunkte wie nie – praktisch sind sie ohnehin.

Die Hersteller wittern ein Geschäft, das sie viel zu lange vernachlässigt haben, lassen den Kleinwagen endlich mehr Grips und mehr Schick angedeihen. Heraus kommen dabei hochwertige Preisbrecher wie Peugeots 207 (Einstieg unter 10 000,- Euro), durchgestylte Wiedergänger wie der Fiat 500 oder skurile Ableger wie der Mini Clubman. Der kommt am 10. November zu den Händlern und steht der Kultmarke gut zu Gesicht: Britische Tradition verpflichtet. Erfahrene Semester werden sich an die Kombis von einst erinnern, den Countryman von Austin oder den Traveller von Morris. An die Urahnen erinnern der Baukörper und Designzitate wie die runden Scheinwerfer; alles trendsicher verpackt im Modern Style der Marke BMW. Bis zur B-Säule ist der Clubman identisch mit dem Bayern-Mini, der sich seit 2001 rasend verkauft. Im hinteren Teil ist alles anders. Da kommt eine mobile Sehenswürdigkeit auf uns zu. Das liegt an Anordnung und Technik der Türen. Beifahrern macht es keine allzu große Mühe auf die leidlich bequeme Rückbank zu klettern, denn hinter der Beifahrertür öffnet sich gegenläufig eine zweite. So entsteht eine große Lücke zum Einstieg. Der Kofferraum, der fortan auch Mini-Eignern mehr Wochenendprogramm erlaubt als den Ausflug zum Stilwerk, liegt hinter einer zweiteiligen, mittig angeschlagenen Heckklappe. Kein schlechtes Prinzip, wir kennen und schätzen es von Lieferwagen.

Innen herrscht die bekannte, verspielte Optik mit dem Riesentacho in der Mitte. Bekannt sind auch die drei verfügbaren Motoren des Clubman (siehe Kasten). Unsere erste Ausfahrt machten wir mit dem 1,6-Liter Vierzylinder im Cooper S. Das mit Peugeot entwickelte Aggregat leistet 175 PS, hängt gut am Gas und bietet genug Schmackes, um das Go-Kart-Fahren um die Ecken zu genießen. Spagat geglückt: Der Clubman ist alltagstauglicher, lässt sich aber genauso sportlich fahren wie der „normale“ Mini. Über den Einstiegspreis zu meckern, ist zwecklos: 19 900 Euro werden viele blechen, Minis Werk in Oxford ist ausgelastet. Also?

Wer für einen Kleinwagen nicht gleich die Kronjuwelen opfern will, könnte demnächst bei einem Mazda-Händler vorbeischauen: Dort wartet ab 20.Oktober der neue Zweier. Einen Mazda 2 gibt es zwar schon, mit dem aber hat der Nachfolger nichts gemein. Der Alte war hoch und sperrig, der Neue wirkt rund und dynmaisch. Er trägt das Marken-Gesicht, wie es die Japaner dieses Jahr auch noch dem Mazda 6 verpassen; es lebt von der katzenhaften Front mit weit nach hinten gezogenen Scheinwerfern, von klaren Flächen und im Falle des 2 von der Keilform.

Während fast alle Kleinwagen von Generation zu Generation wachsen und schwerer werden, haben die Tokio-Ingenieure erfolgreich Diät gemacht: Der Mazda2 ist jetzt 100 Kilo leichter, 40 mm kürzer und 55 mm niedriger. Ergebnis: Ein handliches Auto, mit dem es Spaß macht, durch die Stadt zu flitzen – und dafür ist der kleinste 1,3-Liter mit 75 PS klar die beste Wahl. Die Mehrausgabe für 11 PS plus in der nächstgrößeren Maschine lohnt nicht. Enttäuschend fährt sich der 1,5-Liter mit seinen 103 PS – da warten wir lieber auf den 1,4 Turbodiesel, der im April folgt. Im Inneren gibt’s im Mazda 2 nichts zu meckern. Hier sieht es fast so sportlich aus wie im MX 5, viel Hartplastik zwar, aber gut verarbeitet und versehen mit vielen Ablagen. Die Preise beginnen bei knapp 12 000 Euro – ohne Klima, aber mit Stabilitätsprogramm DSC.

Offen ist, wieviel der kleinste Opel kosten wird, wenn er im Frühjahr auf den Markt krabbelt – vermutlich näher an zehn- als an elftausend Euro. Dafür gibt’s dann einen hübschen Agila, der das rollende Vorgänger-Rechteck schnell vergessen machen dürfte. Mit 3,74 Meter ist er 16 Zentimeter kürzer als derMazda2, fünf Türen bringt er trotzdem mit. Die vorderen Leuchten erinnern an den Corsa, die hoch sitzenden hinten an den Meriva. Drinnen fallen die hohe Sitzposition vorne auf, das aufgeräumte Armaturenbrett und die ebene Ladefläche. Wirkliche Innovationen vermisst man, aber eine gefällige Kugel ist der Agila durchaus. Mit ihr will Opel vor allem Frauen reizen – solche, „die ihre Persönlichkeit nicht über ein großes Auto ausdrücken müssen“.

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