Kleinwagen : Nobel, der kleine Hobel

Wer einen Gang zurückschaltet, will trotzdem zeigen, was er hat – oder erst recht. Edle Kleinwagen haben gute Chancen.

Experten ist längst klar, was Käufer in den kommenden Jahren verstärkt suchen werden: Kleine, aber auch schicke und sogar luxuriöse Gefährte. Einige neue Modelle aus dieser Kategorie sind in Frankfurt schon zu sehen.

Dass diese Autos im Trend sind, daran zweifeln Fachleute nicht. So hat die Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) gerade eine Veröffentlichung zu ihrer Studie über die Zukunft der Mobilität mit „Fein, aber klein: Neuer Trend bei Premium-Autos“ überschrieben. Bei Herstellern hochwertiger Autos wird sich die Nachfrage demnach vor allem im Bereich der Kleinen steigern.

PwC steht mit der Prognose nicht allein da: Einen „großen Trend“ sieht Bernhard Ebel vom Beratungsunternehmen Simon-Kucher & Partner in Bonn. Nicht umsonst habe demnächst fast jeder Hersteller neue, attraktive Kleinwagen im Programm. Der Experte verweist neben Messeneuheiten wie dem Fiat 500C auf den kommenden Audi A1, BMWs angekündigtes Kleinwagenprojekt und den „sehr luxuriösen“ Aston Martin Cygnet auf Toyota iQ-Basis.

BMW habe mit dem neuen Mini bereits vorgemacht, dass die Strategie eines edlen Kleinwagens aufgeht. Dem Trend zu Gute komme auch ein „gewisses Umdenken“ bei den Kunden, so Ebel: Immer mehr Autokäufer denken, es müsse nicht mehr das große Auto sein – ein Kleinwagen tue es vielleicht auch. Dieser soll aber „Premium“ sein und personalisierte Ausstattungen ermöglichen. „Man möchte differenzieren, sich Annehmlichkeiten gönnen.“ Heutige Fahrer wollten beides: ökologische Verträglichkeit und Komfort.

Wie weit sich so eine erfolgreiche Grundidee ausschlachten lässt, zeigt BMW ebenfalls auf der IAA: mit einem Mini-Coupé. Das wird zwar offiziell noch als Studie deklariert, BMW hat die Serienfertigung aber schon angekündigt. Gerade Coupés stehen traditionell für die Möglichkeit, zusätzlichen optischen Schick ohne großen Aufwand beim Herstellen für deutlich mehr Geld zu verkaufen – was nun eben auch beim Mini weiteren Absatz generieren soll.

Auch Toyota belässt es nicht dabei, den kleinen iQ von der Nobelmarke Aston Martin aufpeppen zu lassen: Die Japaner zeigen auf der IAA zwei Studien, die Ideen für künftige Individualisierungsprogramme rund um den iQ zeigen. Der iQ Sports beweist, dass sich selbst ein solches Miniatur-Mobil optisch in einen Sportwagen verwandeln lässt. Idee Nummer zwei ist der iQ Collection - mit Leder und Kuhfellmuster im Innenraum die Nobelvariante.

Individualisierung rund um die kleinen Luxus-Mobile ist ohnehin ein großes Thema – auf das auch Citroën mit dem DS3 setzt, einer Edelausführung auf Basis des C3. Neben dem aufgewerteten Design mit „schwebend“ wirkendem Dach und angedeuteter Haifischflosse an den Flanken sollen vor allem zahlreiche Extras und farbliche Kombinationsmöglichkeiten die Kundschaft davon überzeugen, etwas mehr auszugeben: Das Dach kann in vier Farben lackiert werden, auch für Außenspiegel und Schutzleisten gibt es Lack oder Chrom. Und beim Schalthebel stehen sogar sieben Kombinationen aus Chrom, Farbe und Leder zur Verfügung. Dass sich Mini und Luxus auch mit ein wenig Retro vertragen, zeigt auf der IAA ebenfalls Citroën: Die Studie Revolte zitiert die legendäre Ente. Anders als einst im 2 CV gibt es aber reichlich Leder und Velours für die Passagiere unterm weißen Lederfaltdach.

Mancher Hersteller versucht sogar, sich an den Trend zum kleinen Luxus ohne neues Modell anzuhängen. So zeigt Lancia den zur Studie Elle umgemodelten Ypsilon. Das Einzelstück mit Leder-Alcantara-Sitzen und diversen Chrom-Details soll aber nicht nur auf der Messe schön anzuschauen sein - eine limitierte Sonderserie wird für das Frühjahr 2010 erwartet.

Nicht wirklich für puren Luxus im Kleinwagensegment stand bisher VWs Polo. Mit der neuesten Generation hat der kleine Volkswagen aber noch einmal an Qualität gewonnen. Auf der IAA wird nun die dreitürige Version präsentiert. Dass sich Polo-Technik aber auch richtig nobel einkleiden lässt, wird erst nach der IAA gezeigt: In den kommenden Monaten wird die Premiere des neuen Audi A1 erwartet, der sicher die Messlatte noch einmal höher legen wird, wie hochwertig ein Kleinwagen sein kann – und für welch hohe Summen er sich verkaufen lässt. dpa

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben