Kleinwagen : Opel Corsa: Sparsame Vorstellung

Schiebt man die Werbesprüche beiseite, fällt die aktuelle Modellpflege des Corsa ziemlich dürftig aus.

von
322574_0_df8bb81c.jpg
Zwischen den Welten. Der sparsame Corsa 1.3 CDTI emittiert 98 Gramm CO2 und ist neu im Programm wie der „Color Race“ (ab 15 560...

Der Corsa ist ein wichtiges Auto. Einmal für Flensburg. Dort, wo neben Punkten auch die Zulassungen gezählt werden, rangierte das Modell 2009 auf Platz drei. Dann für Opel. Dreißig Prozent aller Markenverkäufe gehen auf das Konto des Kleinen. Und schließlich ist der Corsa ein Lieblingsauto braver Fahranfängerinnen auf dem Lande. Mag sein, dass sich die Legende vom unkaputtbaren Opel dort länger hält als in den Städten. Vielleicht tun sich Importeure auch schwerer, entlegene Winkel zu finden. Gleichwie: 2006 kam die aktuelle Ausgabe auf den Markt; rundlich, weniger bieder, konsensfähig in modernen Zweierbeziehungen. Der Corsa regt nichts und niemanden auf. Er bietet viel Platz vorne und ein paar nette Details wie den integrierten Fahrradträger in der Stoßstange, Klavierlack auf der Mittelkonsole oder ein beheizbares Lenkrad.

All das blitzt weiter im Angebot. Daran ändert die „umfassende Überarbeitung“ des Corsa nichts, die nun in den Handel kommt; eine Frischzellenkur, die Rätsel aufgibt. Etwa dieses: Warum halten die Marketing-Leute in Rüsselsheim ihre Kundschaft für tumb? Mit dem Hinweis auf den krachenden Trend der Individualisierung bewerben sie drei Sondermodelle, die sich fast nur durch das Dekor der Lackfolie unterscheiden. Das ist wie täglich wechselnde Küche, bei der es die Nudeln mit Tomatensauce mal mit Basilikum und mal mit Oregano bestäubt werden. Abwechslungsreicher ist da schon die Motorenpalette: Unter zwölf Antrieben, kann, darf, muss der geneigte Interessent wählen. Ob er dabei wirklich zu unterscheiden vermag, wieviel agiler ein Leistungssprung von 13 PS macht und wie lohnend eine entsprechende Mehrausgabe von 590 Euro ist? Immerhin: Beim Verkleben des Emblems „ecoflex“ zeigt sich Opel zurückhaltender – einer von fünf Benzinern, zwei von vier Dieseln und beide Autogas-Corsa rühmen sich als besonders sparsam und umweltschonend.

Wahrlich verdient hat das Gütesiegel der muntere 1.3 CDTI mit 95 PS: Er unterbietet die Schamgrenze 100 (siehe Beitrag unten) beim CO2-Ausstoß haarscharf und ist mit einem Prospektverbrauch von 3,7 Litern der genügsamste aller Opel. Das gute Gewissen indes hat seinen Preis: Knapp 15 000 Euro sind für jede Erstkäuferin happig; zudem liegt das Sümmchen 3700 Euro über dem Einstieg, dem müden 1.2-Liter- Benziner mit 70 PS.

Dass der Corsa den Motorjournalisten in der letzten Woche just an dem Tag präsentiert wurde, als Nick Reilly den Wirtschaftsredakteuren ausmalte, wie viel er wann wo zu sparen gedenkt, war Zufall, aber sinngebend: Dieses Facelift des Corsa ist dramatisch sparsam geraten. Null Veränderung am Design, null Innovation im Innenraum. Die wortreich beschriebene Überarbeitung von Fahrwerk und Lenkung ist eine Mogelpackung, weil für den Kunden nicht messbar. Und die Fortschritte bei der Effizienz der Antriebe waren bei nüchterner Betrachtung einfach nur überfällig. Von Start-Stopp ist so wenig zu sehen wie von Motor-Juwelen à la TSI. Ob Angela da wirklich helfen kann?

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben