Kleinwagen : Toyota iQ: Der Intelligenzknubbel

Der Toyota iQ ist nur wenig länger als ein Smart. Trotzdem bietet er viel Platz im Innenraum – sogar eine Rückbank haben die Ingenieure untergebracht.

Wolfgang Gomoll
toyota iq
Toyota iQ. Technik in allen Ecken - so bleibt mehr Platz im Innern. -Foto: ddp

Kennen Sie Sofia und John? Nein? Scha- de, denn die beiden sind so etwas wie Barbie und Ken made by Toyota. Die 30-jährige Anwältin und der 34-jährige Teamleiter sind typische Vertreter der DINK-Generation (Double Income No Kids) und damit Mitglieder einer der Zielgruppen, bei denen der Toyota iQ punkten soll. Sogenannte „New Yuppies“, stylish und mode-orientiert. Aber passt das zu Toyota? Die Japaner stehen für solide, praktische Autos. Lifestyle hin, Lifestyle her: Der iQ hat den etwas zwanghaften Versuch emotionaler Aufladung nicht nötig. Der Japan-Smart wird seinem Namen, der laut Toyota für „innovative Qualität“ stehen soll und nicht für „Intelligenzquotient“, zum Großteil gerecht und liefert eine Menge Kaufargumente.

Auch wenn die Formensprache des knubbeligen kleinen Japaners nicht die Emotionen eines Mini Cooper oder Fiat 500 weckt, wendet man sich nicht mit Grausen ab. Im Gegenteil. Das satte Heck mit der tief heruntergezogenen Schürze und den Leuchten mit Chrom-Applikationen (Serie bei der höherwertigen Ausstattungsvariante iQ+) macht was her. Auch die Silhouette gefällt. Dagegen ist das Design des Interieurs sicher nicht jedermanns Sache: Hoher Hartplastik-Anteil, der bei den gefahrenen Vorserienmodellen nicht immer wertig wirkte (manche Kanten waren nicht entgratet und auch die Spaltmaße passten nicht immer). Aber das Cockpit ist aufgeräumt, die Bedienung einfach.

Außerdem brilliert der iQ auf den Vordersitzen mit einem klasse Raumgefühl: Der Kleine ist 1,68 Meter breit. Das sind zwölf Zentimeter mehr als beim Smart fortwo – von nichts kommt nichts. Und die effiziente Nutzung des beschränkten Raums ist eine echte Meisterleistung. Ein Beispiel: Weil der Beifahrer-Fußraum sehr tief ist, kann der Kopilot mit seinem Sitz so weit nach vorne rutschen, dass ein Erwachsener auf den Rücksitz passt. Zwar eignet sich die etwas zusammengefaltete Sitzhaltung nur für Kurzstrecken – aber immerhin. Hinter dem Fahrer hat dagegen nur ein Kindersitz Platz.

Die Truppe um Chef-Ingenieur Hiroki Nakajima hat tief in die technische Wunderkiste gegriffen, um aus den 2,98 Metern Auto möglichst viel Platz herauszuholen. „Jeder Millimeter, um den wir die Pedalerie nach vorn verlegen können, ist entscheidend“, beschreibt Nakajima: Ein Vorderachs-Differenzial, das vor dem Motor platziert ist, verringert die Distanz zwischen dem vorderen Ende des Motorraums und den Pedalen um zwölf Zentimeter. Das Lenkgetriebe ist weiter nach oben und hinten gerutscht. Auch die Klimaanlage ist um 20 Prozent kleiner als normal, und statt eines Handschuhfachs gibt es eine aufpreispflichtige (!) Tasche, die am asymmetrischen Armaturenbrett befestigt ist. So hat der Beifahrer mehr Platz. Dünne Sitzlehnen, die trotzdem langstreckentauglich sind, erhöhen die Kniefreiheit hinten um vier Zentimeter. Der 32-Liter-Tank ist unter die Vordersitze gerutscht. Das ganze Paket summiert sich zu einem wirklich luftigen Raumgefühl, das sich mindestens eine Klasse höher anfühlt. Nur für echte Sitzriesen wird es ein wenig eng um den Kopf. Beim Kofferraum hat man die Qual der Wahl: entweder Passagiere im Fond oder Gepäck. Legt man beide Rücksitze um, wächst der Stauraum von vernachlässigbaren 32 auf ordentliche 238 Liter (Smart: 220). Allerdings ist die Ladekante relativ hoch und die Kofferraumluke ziemlich klein.

Bleibt die Frage, was die Wunderkiste so auf der Straße kann. Um es gleich mal vorwegzunehmen: Auch da gibt der iQ eine richtig gute Figur ab. Schon der Mini-Wendekreis von nur 7,8 Metern (Smart fortwo: 8,75 Meter) macht den kleinen Japaner zum Kurvenwiesel, dem keine Ecke zu eng ist. Normalerweise rächt sich diese Ultra-Agilität durch instabiles Verhalten auf schlechten Straßen. Diesmal nicht. Dank des Radstandes von zwei Metern mimt der iQ auch da überzeugend das klassenhöhere Fahrzeug. Klar ist Toyotas Kleinster keine Sänfte, absorbiert aber Straßenunebenheiten ziemlich souverän.

Bei den Motoren findet man alte Bekannte aus dem Toyota-Konzernregal wieder. Mit 68 PS aus einem glatten Liter Hubraum ist der iQ ausreichend motorisiert, solange man keine sportlichen Ambitionen hat. Mit der Fünfgang-Automatik ist man dann in der Stadt sogar noch entspannter unterwegs. Richtig fidel wird der Stadtfloh mit dem 90-PS-Diesel. Dank einer hervorragenden Geräuschdämmung ist auch beim Selbstzünder die Lärmbelästigung ziemlich gering. Bei der Sicherheit bleiben ebenfalls keine Wünsche offen. ESP ist serienmäßig, ebenso wie opulente neun Airbags. Darunter sind auch Luftsäcke, die sich im Falle eines Heckaufpralls öffnen. Beim Euro-NCAP-Test hoffen die Japaner deshalb auf fünf Sterne.

Fazit: Der iQ ist ein ziemlich gelungenes Auto, das das Lifestyle-Blabla gar nicht nötig hat. Allerdings ist der kleine Japaner mit einem Grundpreis von 12 700 Euro (der etwas größere Konzernbruder Aygo kostet 9475 Euro) auch nicht ganz billig. Immerhin: Doppelverdiener Sofia und John könnten sich den Stadtfloh sicher leisten.

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