Klemmendes Pedal : Wenn was hilft, dann ein klarer Kopf

Die Situation ist unwahrscheinlich, aber seit Toyota nicht ausgeschlossen: Was kann der Fahrer tun, wenn im Auto wirklich mal das Gaspedal klemmt?

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Guter Rat teuer. Toyota-Konzernchef Akio Toyoda schaut zu Boden - irgendwo dort liegt das aktuelle Image der Marke. -Foto: AFP

Horror: Der Fahrer nimmt Gas weg, das Auto beschleunigt aber weiter. Das Pedal klemmt. Toyota ruft aus diesem Grund aktuell weltweit Millionen von Fahrzeugen in die Werkstätten. In der Tat: Der Schreck ist groß, wenn das Auto plötzlich weiterrennt. Anlass zur Panik aber besteht nicht: Wer vorbereitet ist, wer die Situation vielleicht schon mal in Gedanken durchgespielt hat, behält den Wagen dennoch unter Kontrolle.

Was ist passiert? Der Gashebel wird mit dem Fuß getreten, dabei sind große Kräfte möglich. Zurück zieht das Pedal eine Feder. Sie ist vergleichsweise schwach. Im Fußraum umher rollende Becher oder Dosen, Bananenschalen und ähnliche Dinge können den Pedalen schon einmal in die Quere kommen, erst recht lose Fußmatten. In manchen Autos sieht es aus wie bei den berühmten Hempels unter dem Sofa. Rasches Aufräumen sei empfohlen. In seltenen Fällen – siehe Toyota – kann auch die Technik schuld sein.

Jetzt keine Panik: Die Bremsen sind stärker als jeder Motor. Also das wild gewordene Auto mit der Bremse bändigen. Mit dem Fuß auf dem Bremspedal die Geschwindigkeit regulieren, in Ruhe einen Platz zum gefahrlosen Anhalten suchen. Warnblinker an, im Ausrollen Zündschlüssel in Aus-Position drehen – keinesfalls abziehen! Dann Kupplung treten und Wagen ganz normal mit der Bremse anhalten. Bei Getriebeautomatik ganz normal anhalten und Motor danach abstellen.

Nicht die Kupplung treten, solange der Motor mit Vollgas zieht: Er würde sofort kreischend hochdrehen. Dank Drehzahlbegrenzer führt das heute meist nicht mehr zur Zerstörung, aber das Hochjaulen verunsichert zusätzlich. Danach erst einmal durchatmen. Nach einer Beruhigungsminute in den Fußraum tauchen, Gashebel von Hand zurückziehen – und natürlich die darunter verhedderte Bodenmatte herausziehen. Sollte die Technik schuld sein, den Gashebel einige Male von Hand bewegen. In aller Regel funktioniert er dann wieder. Nun kommt man mindestens bis zur nächsten Parkbucht.

Neben klemmenden Gaspedalen stiften Meldungen über Bremsprobleme weitere Verunsicherung. Abgesehen von ganz wenigen Fällen (mit einer speziellen Bauart bei Mercedes-Benz) ist aber die eigentliche Bremswirkung nicht betroffen, sondern die ABS- und ESP-Kontrollleuchten zeigen Fehler an. Totalausfall ist bei den seit langem ausschließlich verwendeten Zweikreissystemen so gut wie ausgeschlossen. Für den (theoretischen) Fall des kompletten Bremsversagens bleibt die Handbremse – allerdings mit nur schwacher Wirkung.

Ganz selten geht auch einmal der Tritt auf das Kupplungspedal ins Leere – weil die Hydraulik versagt oder das Seil reißt. Während der normalen Fahrt besteht zunächst keine Gefahr: Man kann nicht mehr schalten, wohl aber im gerade eingelegten Gang weiter fahren, bis gefahrloses Halten möglich ist. Im Ausrollen den Gang herausnehmen, ist auch ohne Kupplung möglich. Im Normalfall muss dann der Pannendienst kommen, Anfahren ist nicht mehr möglich. Künstler schaffen es, den Motor bei eingelegtem erstem Gang zu starten und sogar bei den passenden Drehzahlen ohne Kupplung zu schalten. Wer sich im Innenleben von Automobilen nicht auskennt, kann damit allerdings großen Schaden stiften. wolt

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