Klimaanlage : Ich mach’ dich kalt

Viele fahren inzwischen mit Klimaanlage. Aber kaum einer weiß, wie man die Technik bedient und wartet.

Früher konnten sich nur Wohlhabende eine Klimaanlage im Auto leisten. Denn bis in die 90er Jahre boten die Autohersteller das Zubehör vornehmlich in Limousinen der Oberklasse an. Das hat sich geändert. Denn die Vorzüge der kühlenden Luftströme werden längst auch von Eignern herkömmlicher Kleinwagen geschätzt. Sie können sich das Extra heute für kleines Geld leisten oder bekommen es bereits ab Werk ohne Aufpreis geliefert. Doch die Selbstverständlichkeit der Klimaanlage führt dazu, dass sich kaum jemand mehr darum kümmert, wie sie zu warten und zu bedienen ist.

Wie selbstverständlich Klimaanlagen geworden sind, zeigt die Statistik. So waren in den frühen 90er Jahren nur Neufahrzeuge im einstelligen Prozentbereich mit dem Kühlsystem ausgerüstet. „Im Jahr 2008 hatten 90 Prozent der Neuwagen eine Klimaanlage“, sagt Automobilforscher Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

Der richtige Umgang damit ist aber immer noch nicht selbstverständlich. Die Fehler beginnen schon damit, dass sie nur dann eingesetzt wird, wenn es richtig heiß ist und auf Knopfdruck kalte Luft angefordert werden soll. Wer den Schalter jedoch nur alle Jubeljahre betätigt, muss auch damit rechnen, dass nur ein laues Lüftchen zu bemerken ist. Denn, so Hermann Schenk von der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) in Stuttgart: „Eine Klimaanlage sollte regelmäßig laufen.“ Im Extremfall kann es bei einem lange Zeit unbenutzten Gerät sonst zu Schäden am Klimakompressor kommen. Das hat eine teure Reparatur zur Folge.

Hintergrund ist Arnulf Thiemel vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg (Bayern) zufolge die Tatsache, dass das Kühlmittel in der Anlage auch als Schmiermittel für den Kühlkompressor wirkt. Wird die Klimaanlage nicht genutzt, kann es an Schmierung fehlen. Etwaige Probleme am Kompressor machen sich in Form einer verminderten Kühlleistung bemerkbar. Wird es also trotz eingeschalteter Klimaanlage nicht kühler im Wagen, rät Hermann Schenk, die Anlage auszuschalten und eine Werkstatt anzusteuern.

Grundsätzlich gilt außerdem, dass eine Klimaanlage im Auto nie absolut dicht ist. Es kommt also immer auch zu Kühlmittelverlust. Gero Eggers vom TÜV Nord in Hannover rät daher, etwa einmal im Jahr eine Sichtprüfung vornehmen zu lassen. Klimaanlagen-Anbieter wie Behr Hella Service aus Schwäbisch Hall empfehlen außerdem, alle zwei Jahre einen Klimaservice zu machen. Dazu gehört eine Funktions- und Leistungsprüfung oder der Wechsel des Kältemittels. „Die Flüssigkeit wird dabei recycelt“, erklärt Hermann Schenk. Etwaige Verunreinigungen wie Öl oder Wasser werden beseitigt, die gereinigte Flüssigkeit wieder ein- und die verlorene Menge nachgefüllt.

Ein typisches Problem rund um die Klimaanlage ist Geruchsbildung. Im Mittelpunkt steht dabei der sogenannte Wärmetauscher. In ihm wird die kühlende Luft erzeugt. Die Kühlflüssigkeit im Inneren kühlt das gesamte Bauteil ab – außen aber findet sich die vergleichsweise warme Umgebungsluft. Das führt zur Bildung von Feuchtigkeit, die wiederum ist ein idealer Nährboden für Bakterien. Diese sorgen dann für die lästige Geruchsbildung. Im Wesentlichen lässt sich dieses Problem aber mit dem bewussten Einsatz oder Nicht-Einsatz der Klimaanlage beherrschen. „Es ist sinnvoll, die Anlage etwa fünf bis zehn Minuten vor dem Abstellen des Autos auszuschalten“, rät Gero Eggers. Dann kann der Fahrtwind während der Reststrecke mit ausgeschalteter Klimaanlage die Oberflächen trocknen. Den Bakterien wird ein Großteil ihrer Lebensgrundlage entzogen; die Geruchsbildung wird weitgehend verhindert.

Doch beim richtigen Einsatz der Klimaanlage geht es nicht nur um die Technik. So raten die Experten davon ab, die Kühlung auf Temperaturen nahe des Gefrierpunktes einzustellen. „Die Temperatur im Wagen sollte maximal fünf Grad unter der Außentemperatur liegen“, rät Arnulf Thiemel. Bei größeren Unterschieden drohe eine Erkältung. Auch eine Bindehautentzündung durch die kalte Luft aus den Düsen kann die Folge sein. dpa

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