Kombi : Mehr Kiste braucht kein Mensch

Alle paar Wochen erscheinen kompakte Familienautos, die aussehen wie Kartons. Citroen zeigt mit dem C3 Picasso, wie praktisch so ein Trend sein kann.

Eric Metzler

Was bleibt, wenn man keine Kombis mag? Es gibt die großen, teuren Familiendinos vom Stamme der Sharan, Espace und Voyager. Dann gibt es Stadtkrabbler wie den Renault Modus oder den alten Opel Agila; Microvans, die mit hoher Statur vorgaukeln, Lademeister zu sein. Beide Spezies machten ihren Schöpfern zuletzt nur noch leidlich Freude – und deshalb suchen die Autobauer verstärkt nach einer Glücksformel für den Erfolg dazwischen. Familien wollen oder müssen abspecken, suchen nach sparsamen Modellen, die vor allem eines sein müssen: praktisch.Weil der Anspruch maximaler Platz auf minimaler Grundfläche nahezu zwangsläufig zu der Form eines Würfels oder zu vernünftigen Langweilern wie dem Touran oder dem Meriva führt, fügen einige Hersteller nun eine emotionale Komponente hinzu – die witzige, individuelle Optik.

Den Anfang machte der Kia Soul. In Berlin ist gerade plakatiert, wie man eine Not zur Tugend verkehrt: Wenn ich schon gewöhnungsbedürftig aussehe, dann wenigstens mit Methode. Das Anderssein, das Skurrile wird selbstironisch zum Markenzeichen deklariert – und Käufer dürfen sich einbilden, sie setzten einen Trend wider den Spießergeschmack.

Auch Citroen weiß, wie plump Psychologie bisweilen funktioniert und schickt mit dem C3 Picasso einen unorthodoxen Karton auf den Laufsteg. Der Franzose ähnelt dem Koreaner Soul. Beide Viertürer stehen stämmig da, haben kurze Überhänge und versuchen, mit modischen Details das Beste aus der schlichten Grundform herauszuholen. Beim C3 gelingt das mit charmanten Scheinwerfern, auffälligen Alus und mit Karosserieeinlagen in Schwarz. Die sind aufpreispflichtig – und damit in doppelter Hinsicht ein Witz: einmal, weil sie lustig ausschauen, dann, weil sie belegen, wie anpassungsfähig die Branche ist. Vor Jahren zahlten wir extra, weil man uns weisgemacht hatte, wie schick Stoßfänger und Rammleisten in Wagenfarbe seien. Jetzt, nachdem sich das Durchlackierte auf breiter Front durchgesetzt hat, dreht Citroen den Spieß um.

Sei’s drum. Wer sich trotz oder wegen der Optik für den C3 Picasso entscheidet, bekommt ein gutes Auto: Die inneren Werte überzeugen in dreierlei Hinsicht.

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