• Konkurrenz fürs Taxi: Limousinendienste ärgern das etablierte Taxigewerbe mit Smartphone-Apps und niedrigen Preisen

Konkurrenz fürs Taxi : Heute mal mit der Limo?

Anbieter von Limousinendiensten ärgern das etablierte Taxigewerbe. Die lassen sich mit Smartphone rufen, versprechen besseren Service, freundlichere Fahrer und wollen kaum teurer als eine normale Fahrt mit der Taxe sein.

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Reisen wie ein Top-Manager. Schon der erste Eindruck soll die Kunden verwöhnen. Gepflegte Kleidung und gutes Benehmen sind Standard.
Reisen wie ein Top-Manager. Schon der erste Eindruck soll die Kunden verwöhnen. Gepflegte Kleidung und gutes Benehmen sind...Foto: Cultura RF / vario images

Das Radio schmettert Roland Kaiser auf die Rückbank, das vordere Seitenfenster ist bei zehn Grad draußen geöffnet und der Fahrer stellt bohrende Fragen nach Beruf, Familie und dem Leben an sich. Solche Szenen haben viele Taxikunden mehr als einmal erlebt. Was sich hier vielleicht noch mit Sozialkompetenz und Contenance weglächeln lässt, stellt sich schon ernster dar, wenn der Taxifahrer versucht, seine versäumte Rennfahrerkarriere zu kompensieren, indem er mit gefühltem Tempo 100 über die Busspur donnert. Oder wenn mit zunehmender Dauer der Fahrt die Frage aufkommt, ob der Weg über den Treptower Park zum Flughafen Tegel wirklich eine Abkürzung oder doch eine Abzocke ist.

Der Ruf des Taxigewerbes ist, gerade in Berlin, nicht unbedingt der beste. Dabei sind die Vorurteile nicht unbedingt berechtigt, denn die Mehrzahl der "Droschkenfahrer" in Berlin gehört zu der anständigen Sorte und geht ihrem Gewerbe gewissenhaft nach. "Schwarze Schafe gibt es überall", sagt Detlev Freutel vom Taxiverband Berlin-Brandenburg. "Nur bei Taxen prägen sie schnell das gesamte Bild." Dabei ist es so schön, sich in ein Auto zu setzen und die glitzernden Fassaden der Großstadt und die wunderbaren Sehenswürdigkeiten Berlins auf der Rückbank einer Limousine an sich vorbeiziehen zu lassen.

Wenn der Fahrer die Tür aufhält

Das haben mittlerweile auch geschäftstüchtige Unternehmer erkannt und sehen darin ihre Chance. Limousinenservices drängen in immer größerer Zahl auf die Straßen der Metropolen in aller Welt. Sie wollen den Kunden bei verhältnismäßig günstigen Preisen den besseren Service, die schöneren Autos und vor allem die angenehmeren Fahrer bieten, so der Ansatz. Premium-Taxen sozusagen, die als schwarze Limousinen vorfahren und den Fahrgast verwöhnen.

In Berlin treten hier vor allem drei Unternehmen an, die für ihr Geschäft mittlerweile finanzstarke Partner im Rücken haben. Dazu gehört Blacklane, ein Berliner Start-up, bei dem Daimler Mobility Services (betreibt unter anderem Car2Go) eingestiegen ist. Jens Wohltorf, einer der Gründer und Geschäftsführer des Berliner Start-ups aus Kreuzberg, beschreibt den Unterschied so: "Eine Mercedes E-Klasse ist nicht gleich E-Klasse. Es ist ein Unterschied, ob man in einem Taxi oder in einem Fahrzeug von Blacklane sitzt."

Das fängt damit an, dass der Fahrer die Tür aufhält, sich ansonsten vornehm zurückhält, eher defensiv fährt und sich auf der Rückbank des gepflegten und mit hochwertigem Leder ausgestatteten Autos eine Flasche Wasser für den Gast befindet. "Der Unterschied ist zu spüren und wird von unseren Kunden sehr hoch geschätzt", sagt Wohltorf über das Erlebnis, in einer Blacklane-Limousine unterwegs zu sein.

Die großen Vier hängen alle ab
Der VW Golf als Verkaufsschlager - statt Leser-Votings braucht es da nur einen Blick auf die Neuzulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamtes 2013, um zu erkennen: Der Wolfsburger war auch im letzten Jahr Liebling der deutschen Autokäufer, führte die Statistik mit 244 249 Verkäufen segmentübergreifend mit weitem Abstand an. Auch auf den folgenden Plätzen landen erwartungsgemäß die großen Hersteller.Weitere Bilder anzeigen
1 von 46Foto: promo
04.02.2014 14:18Der VW Golf als Verkaufsschlager - statt Leser-Votings braucht es da nur einen Blick auf die Neuzulassungsstatistik des...

Großkonzerne drängen auf den Markt

Ähnlich enthusiastisch beschreibt Carl Schuster, Geschäftsführer bei myDriver, das Fahrerlebnis in deren Autos. "Unsere Fahrer und die Fahrzeuge haben alle das gleiche hohe Qualitätsniveau", sagt er über den Anspruch. Das Unternehmen ist eine hundertprozentige Tochter des Autovermieters Sixt. myDriver, mit Sitz in München und Berlin, geht besonders aggressiv in den Markt und peilt in Großstädten einen Anteil von zehn Prozent an.

Bei einem jährlichen Marktvolumen von etwa drei Milliarden Euro an Taxifahrten und noch mal etwa einer Milliarde Euro Umsatz an Limousinenfahrten erklärt sich schnell, warum sich große Konzerne für das neue Taxigewerbe interessieren.

Die Idee eines Limousinenservice ist keineswegs neu. Einschlägige Firmen gibt es schon seit vielen Jahren. Doch bisher war die Fahrt in einer der schwarzen Luxuskarossen für Otto Normalbürger schier unerschwinglich. Neu geboren wurde die Idee, wie könnte es anders sein, im Dunstkreis des Silicon Valley in San Francisco. Uber heißt die Firma, die in Kalifornien die Services einer Limousinenfahrt erschwinglich machte. Mittlerweile ist das Unternehmen ein dicker Fisch geworden.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

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