Konzentration am Steuer : Was für ein Stress

Hektik im eigenen Auto hat nichts mit Schicksal zu tun. Woran es liegt, dass viele im Auto Nerven zeigen.

Alle reden vom Stress – aber als wirklich gefährlich wird er kaum empfunden. Tatsächlich kann der gestresste Mensch aber eine Gefahr für sich und andere darstellen: Etwa, wenn er sich mit beschleunigtem Puls und vollgepumpt mit Adrenalin ans Steuer setzt. Wer im Auto zu einem dringenden Termin jagt, lässt sich schnell von langsameren Fahrern und anderen Hindernissen nerven – die Konzentration lässt nach, die Unfallgefahr steigt.

Entscheidend sind die „unabwendbaren Ereignisse, die ich nicht kontrollieren kann“, sagt Verkehrssoziologe Alfred Fuhr vom Automobilclub AvD. So kann eine Urlaubsfahrt in Stress ausarten, weil die Zeit bis zur Abfahrt der Fähre wegen Staus oder Baustellen immer knapper wird.  „Der Fahrer beschäftigt sich in so einem Fall hintergründig doch immer damit“, so Fuhr. Dadurch ist er von der eigentlichen Aufgabe – dem Fahren – abgelenkt. In der Folge kommt es zu Flüchtigkeits- und Fahrfehlern, am Ende gar zu einem Unfall. Manche Fahrer werden bei einer Überdosis Stress reizbar, gehen höhere Risiken ein, um das Ziel doch noch rechtzeitig zu erreichen. Wichtig ist in solchen Situationen, dass entweder die Beifahrer auf den Menschen am Lenkrad achten – oder dieser sich selbst eingesteht, dass er gerade nicht so handelt, wie es nötig und verantwortbar ist.  Abhilfe schaffen dann Handlungen, an die gestresste Menschen vermutlich nicht gleich denken: zum Beispiel anhalten, wenn der Termindruck zu hoch wird. Statt immer mehr auf das Gaspedal zu treten, empfiehlt Rainer Hillgärtner vom Automobilclub ACE, beim Halt die Person anzurufen, um die es bei dem Termin geht – und eine mögliche Verspätung mitzuteilen. Mit dieser einfachen Aktion ist der Stress schnell abgebaut. Auch der Urlauber auf dem Weg zur Fähre kann telefonisch möglicherweise einfach klären, wann das nächste Schiff ablegt – und so entspannt die weitere Fahrstrecke absolvieren.

   In vielen Fällen kann dem Stress auch vorgebeugt werden. Statt sich einzureden, dass die Strecke in einer gewissen Zeit schon irgendwie zu schaffen ist, sollte laut Rainer Hillgärtner besser gleich zu Beginn ein gewisses Zeitpolster eingerechnet werden, so dass auch ein Stau nicht zu einer Verspätung und Stress führen kann. Und andere Experten raten, die richtigen Verhaltensweisen für den Stressfall zu trainieren. Dazu gehört, sich bewusst machen, dass der Stress das eigene Verhalten im Straßenverkehr verändert – und möglicherweise zu gefährlichen Fehlern führt.

Zu vermeiden ist auch, jegliche Schuld auf alle anderen zu schieben. „Viele sehen sich als Opfer und sagen, dass der Verkehr sie stresst.“ Allerdings fährt ein anderer Verkehrsteilnehmer nicht aus dem Grund langsam, um den gestressten anderen im Vorankommen zu behindern. Vielleicht handelt es sich vielmehr ebenfalls um einen Fahrer, der unter Stress leidet – der aber bereits gelernt hat, dass es in solchen Fällen einfach nicht hilft, Vollgas zu geben. hh

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