Kraftstoffverbrauch : Neues vom Spritspar-Club

Viele Autos, die mit wenig weit kommen. Eine Marktübersicht der Modelle, die maximal fünf Liter auf 100 Kilometer verbrauchen.

Stefan Woltereck
Citroen C3 Pluriel
Der Citroen C3 Pluriel. -Foto: Promo

Der Schock sitzt tief. Dass Autofahren noch nie ein billiges Vergnügen war, ist bekannt. Aber die Preise dieses Sommers sind heftiger denn je: Benzin für bis zu 1,60 Euro pro Liter und sogar Diesel kaum noch billiger. Auch wenn die Spritpreise seit dem Allzeithoch wieder etwas gesunken sind: Der Verbrauch wird immer mehr zum wichtigsten Kriterium beim Autokauf. Und genau dort schien es bei den Herstellern zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung lange Zeit zu hapern: Zu schwer, zu schnell, zu durstig, so die gängigen Vorwürfe. Zeichen der Zeit verschlafen.

Doch ganz so schlimm ist die Lage nicht: Unsere Tabelle listet mehr als 70 Modelle auf, deren Normverbrauch maximal fünf Liter beträgt. Angeboten werden sie oft mit verschiedenen Karosserien, nicht nur als Limousine, sondern auch als Kombi, Van, Coupé, sogar Cabrios sind dabei. Für viele stehen dazu gleich mehrere Motoren mit dem kleinen Durst zur Auswahl: Alles in allem können Käufer damit auch in den sparsamsten Klassen unter mehreren hundert Modellvarianten wählen. Sie alle in unserer Tabelle zu nennen, hätte deren Rahmen gesprengt: Aufgeführt sind deshalb nur die Grundmodelle eines Typs.

Natürlich: Nicht wenige der Modelle aus der Liste sind typische Kleinwagen – knappe vier Meter kurz, mit schmalem Rücksitz- und Kofferraum, schlaffer Leistung und kargem Komfort. Vor allem für einige der besonders preiswerten Kandidaten mag das zutreffen. Aber man findet zum Beispiel auch Renault Laguna oder Skoda Octavia. Vorbehalte wie „eng“ oder „lahm“ treffen bei den gestandenen Familienautos sicher nicht zu. Trotzdem begnügen auch sie sich mit fünf Litern oder weniger. Mit dem Opel Meriva und dem Ford C-Max sind sogar zwei Minivans in der Minidurst-Riege vertreten.

Als Einschränkung gilt: Der Verbrauch in der Tabelle ist stets der offizielle Normwert. Wer heizt, übertrifft ihn weit und auch wer meist in der Stadt unterwegs ist, wird es schwer haben, die Werte zu erreichen. Wer es aber ruhig angehen lässt, unnötiges Bremsen und Beschleunigen vermeidet, auf der Landstraße mit 100 km/h mitschwimmt und sich auf der Autobahn mit Tempo 120 begnügt, kann unter der Norm bleiben.

Bei kritischem Blick fällt außerdem auf, dass stärkere Modelle manchmal sparsamer sind als die schwächeren Brüder. Das muss aber kein Widerspruch sein: Denn stärkere Motoren sind oft mit sechs Gängen gekoppelt, schwächere mit fünf. In einigen Phasen der Normmesung rollen sie damit einen Gang höher – und sparsamer mit niedrigeren Drehzahlen. Denselben Effekt erzielt eine längere Achsübersetzung. Wer mit dem stärkeren Modell nicht schneller fährt, bleibt oft auch in der Praxis sparsamer.

Und: Die Mehrzahl der Spatzendurst-Autos hat einen Dieselmotor – heute auch in den kleinen Klassen meist serienmäßig mit Partikelfilter. Durch seinen niedrigeren Verbrauch ist der Selbstzünder auch dann interessant, wenn sein Kraftstoff ähnlich viel kostet wie Benzin. Je schwerer der Wagen und je höher der Anteil an Stadtverkehr, desto größer ist der Verbrauchsvorteil. Für wenig gefahrene Kleinwagen lohnt sich der Dieselantrieb dagegen kaum. Sie erreichen inzwischen auch mit modernen (und erheblich billigeren) Benzinmotoren Verbrauchswerte nahe am Diesel. Die Diesel-Modelle in der Tabelle sind übrigens auch deshalb manchmal erheblich teurer als das gleiche Fahrzeug mit Basis-Benzinmotor, weil sie nur in Verbindung mit einer höheren Ausstattungsstufe verkauft werden. Und noch teurer sind manchmal besondere Sparmodelle. Den Vogel schießt Ford mit dem Focus Econetic ab: Ihn gibt es nur mit Nobelausstattung – und so hoch bepreist, dass sich das Sparmodell finanziell nie rechnen wird.

Sonderfälle sind Toyota Prius und Honda Civic Hybrid. Der Honda sagt es schon im Namen: Er hat wie der Prius einen Verbrennungs- plus einen Elektromotor samt Batterie. Letzterer unterstützt den Verbrenner, er kann damit besonders klein und sparsam sein. Die doppelte Motorisierung wirkt sich vor allem im Stadtverkehr aus, beide profitieren auch von ihren Stopp-Start-Systemen, die den Benzinmotor bei jedem Halt stillsetzen. Über Letzteres verfügt auch der Smart mhd, weitere Hersteller wollen die Technik ebenfalls anbieten. Sparpotenzial ist also noch vorhanden.

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