Auto : Kunst am Bau

BMW verlangt von seinen Kombis dreierlei: Sie sollen schön, praktisch und dynamisch sein. Wir machen uns ein Bild vom neuen Fünfer Touring

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So stellt sich bayerische Optik anno 2010 dar: Ein polnischer Designer (Jacek Fröhlich) ist verantwortlich für den schönsten Fünfer-Kombi je, abgesegnet von seinem holländischem Boss (Adrian von Hooydonk), der einen umstrittenen US-Amerikaner (Christopher Bangle) als Chefzeichner abgelöst hat. Gleichwie – die neue Linie ist voll auf der Höhe der Zeit, massenkompatibel und nun auch als Touring formvollendet. Im BMW-Marketing-Slang heißt das: „Die schönste Form der Dynamik.“

Und die kommt offenbar an. Auf die Limousine muss man bereits drei Monate warten, obwohl die Werksferien verkürzt wurden. Und der „alte“ Fünfer Touring war bereits ein Vierteljahr vor dem Auslaufen der Produktion ausverkauft. Bedenkt man dann noch, dass traditionsgemäß gut die Hälfte aller Fünfer-Kunden einen Kombi ordern, sollten Interessenten gleich eine mögliche Verlängerung der Lieferzeit einkalkulieren. Das Warten indes lohnt sich – jedenfalls für Leute, die nicht auf den letzten Liter Ladevolumen schielen, sich aber an der Wandlungsfähigkeit eines Edel-Kombi erfreuen. Fahrtechnisch trumpft der BMW mit einem spielerischen Handling auf – der fast ausgeglichenen Achslastverteilung sei Dank. Das kann so nur BMW.

Das Auto misst stattliche 4,91 Meter. Die spürt man an feuchten Händen vor den Pfeilern der Tiefgarage, aber nicht mehr auf der Straße. Der Riese lässt sich einfach locker-leicht fahren. Dieses ingenieurtechnische Meisterstück lassen sich die Münchener auch meisterlich bezahlen: Rund 2600 Euro beträgt der Aufpreis für das verlängerte Heck, in das zwischen 560 und 1670 Liter passen, damit bis zu 60 Liter mehr als beim Vorgänger.

Was bekommt der Käufer für das viele Geld? Zum Beispiel serienmäßig eine luftgefederte Hinterachse und eine Variabilität, die auch in dieser Klasse nicht selbstverständlich ist: So können die Lehnen der Rückbank in sieben Stufen um bis zu elf Grad geneigt werden; auf einen Schlag lassen sie sich ganz bequem mittels zweier Bedienhebel – wie beim Mazda 6 Kombi – im Nu umklappen, im BMW aber im praktischen Verhältnis von 40:20:40. Per Fernbedienung öffnet sich die Heckscheibe; gleichzeitig schwingt die Laderaumabdeckung mit nach oben. Wer die Klappe zudem elektrisch öffnen will, muss für diese Show eine heftige Vergnügungssteuer von 560 Euro zahlen. Da ist BMW wie gehabt nichts zu teuer…

Bei der Anschaffung geht unter 42 600 Euro gar nichts. Aber, und das ist die gute Nachricht, sehr viel mehr muss es gar nicht sein. Vier stramme Zylinder, Rudolf Diesels Prinzip und (erstmals!) moderne Start-Stopp-Technik reichen völlig. Den 520d mit 184 PS und einem Normverbrauch von nur 5,1 Litern können wir guten Gewissens empfehlen. Gut, im Alltag zeigt der Bordcomputer bei nicht hektischer Fahrweise realistische 6,9 Liter an – aber selbst dieser Wert ist bei einem Auto dieser Größe noch aller Ehren wert. Mal ehrlich: Wer braucht da angesichts der vollen deutschen Autobahnen noch den 535d mit 245 PS oder gar den 535i mit 306-Benzin-PS? Eine Höchstgeschwindigkeit von 222 km/h beim kleinen Diesel sollte keine Selbstzweifel aufkommen lassen. Gleiten, reisen, ja, nötigenfalls auch mal rasen – der 520d Touring ist immer dabei. Allerdings zu einem nicht ganz billigen Tarif, wie die elf Seiten lange Aufpreisliste zeigt.

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