Lada Niva : Ein Oldtimer als Preisbrecher

Den Lada Niva gibt es immer noch neu – spartanisch, geländegängig und für unter 10000 Euro

Ingo von Dahlern

1976 rollte er erstmals vom Band – der russische Geländewagen Lada Niva. Die ersten Jahrgänge erhalten problemlos das Oldtimer-Kennzeichen. Doch wer einen Niva sucht, kann ihn heute noch neu kaufen. Denn trotz vieler Veränderungen im Autowerk Togliatti und noch viel größerer in Russland selbst wird der Geländegänger heute noch gebaut.

Und zwar so gut wie nicht verändert. Nun ja, der Grill sieht ein wenig anders aus als beim ersten Modell und auch die Motoren wurden den technischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte angepasst. Doch in seinem Kern ist der Niva ganz der Alte. Und als der ist er der konkurrenzlos preiswerteste Geländewagen, den es derzeit in Europa gibt. Ein Auto, dem man bei Reisen in vielen Ländern auch heute immer wieder begegnet.

Dabei ist der Niva eher unauffällig mit seiner nur 3,72 Meter langen und mit den großen 16-Zoll-Rädern ein wenig hochbeinigen Pkw-Karosserie, die unter heutigen Autos wie ein Gast aus einer längst vergessenen Design-Ära wirkt. Das gilt auch für das Interieur mit viel Hartplastik, grob geschnitzten Schaltern, schlichten Instrumenten und (nicht allzu bequemen) dünnen Sitzen mit Vinylbespannung. Irgendwelcher Komfort? Fehlanzeige, was die Basisversionen angeht. Doch wer will, kann in der Zubehörliste all das wählen, was ihm wichtig ist: von der Zentralverriegelung über ein Falt- oder auch ein gläsernes Hub- und Schiebedach bis zu Klimaanlage, Sitzheizung, Alufelgen und Navigationssystem.

Dafür reißt der 1,7-Liter-Vierzylinder niemanden vom Hocker. Gerade einmal 81 PS entwickelt die Maschine, deren höchstes Drehmoment von 128 Newtonmeter bei 4000 Umdrehungen bescheiden ist. Das gilt auch für die Fahrleistungen: Für den Spurt auf Tempo 100 sind 19 Sekunden nötig und bei 137 km/h bleibt die Tachonadel stehen.

Doch sobald man mit dem Niva feste Wege verlässt, erlebt man eine Überraschung: 1210 Kilo leicht, mit permanentem Allradantrieb und starrer Hinterachse, ist der Lada in Gegenwart von Furchen, liegenden Baumstämmen, Steinen oder Schlammlöchern plötzlich in seinem Element. Er wühlt sich voran und ist nicht aufzuhalten. Verblüffend für einen Wagen, der wie ein ganz normaler Pkw antritt, ist die große mögliche Verschränkung. Und wenn's hart kommt, lässt sich mit einem Griff die Geländeuntersetzung einlegen und mit einem weiteren das Differenzial sperren. Und plötzlich ist klar, warum es den Niva noch gibt.

Und das, obwohl man in enger Kooperation mit GM bereits 2003 einen modernen und größeren Niva auf die Räder gestellt hat, der aber bis heute nicht exportiert wird. Denn das Original ist selbst heute noch unschlagbar. Ein derart überzeugender echter Geländegänger für einen Basispreis ab 9990 Euro – das ist konkurrenzlos, auch wenn zum Basispreis ab Importlager noch einmal 960 Euro dazukommen. Dafür bekommt man neben einem speziellen Auslieferungspaket Servolenkung, Hohlraumversiegelung, Unterbodenschutz und zwei Jahre Garantie. Zudem gibt es Händler, die den Niva bereits für knapp 8000 Euro anbieten. Und so spricht vieles dafür, dass dieses Auto mit seiner einfachen und robusten Technik, das so viel mehr kann, als man ihm zutraut, noch einige Zeit vom Band in Togliatti rollen wird.

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