Lada : Sag’ Niva nie

Der Lada 4x4 trotzt seit 1976 fast jedem Fortschritt – mal ausprobieren, wie sich das 2009 anfühlt

Land Rovers Defender, der Lada Niva und die G-Klasse – alle drei allradgetriebenen Kästen werden seit über einem Vierteljahrhundert äußerlich nahezu unverändert gebaut. Doch damit hat es sich: Während sich der Brite und der Deutsche technischen Verfeinerungen nicht verschlossen haben, blieb der Russe vom Fortschritt unbeeindruckt. Der Lada Niva ist seit 32 Jahren, wie er ist. Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – hat der russische Allradler eine treue Fan-Gemeinde und genießt Kultstatus, dem wir in unserem Fahrbericht nachspüren.

Mittlerweile heißt der Niva offiziell und schlicht „4x4“. Doch der Niva wird auch so der Niva bleiben. Der technische Fortschritt erschöpft sich im Fünf-Gang-Getriebe, der Motoreinsspritzung und der (aufpreispflichtigen) Servolenkung. Vor 13 Jahren gab es eine neue Instrumententafel und eine größere Heckklappe. ABS und Airbags sind dem rustikalen Russen in all den Jahren fremd geblieben. Dafür belohnt der Niva seinen Besitzer mit einem besonderen Fahrgefühl: Jede Tour im Lada 4x4 wird zur automobilen Zeitreise in die Vergangenheit.

Hinter dem großen Lenkrad und mit dem für heutige Verhältnisse phlegmatischen Motor gewinnt der Niva-Fahrer seine Gelassenheit zurück. Klassische Kippschalter signalisieren, dass im Lada 4x4 andere Maßstäbe gelten. Das fängt beim links platzierten Zündschloss an und hört bei der hin- und hertanzenden Tankanzeige noch lange nicht auf. Der perforierte PVC-Dachhimmel weckt genauso nostalgische Gefühle wie die verchromten äußeren Türgriffe: Sie stammen noch aus den Sechzigern. Nüchternes Plastik und Gummi bestimmen das Innere: Zweckmäßig, weil abwaschbar. Das Sichtfeld der Außenspiegel mag für die Weiten der sibirischen Steppe reichen, für den Einsatz im Großstadtdschungel fällt es aber etwas zu klein aus. Die zweistufige Heizung bringt zu wenig.

Große und nahezu rechteckig geformte Fenster bringen viel Licht in den Innenraum. Die Sicht nach allen Seiten ist bestens – hinten gibt es ja auch keine Kopfstützen. Der Kofferraum, dessen Klappe sich nur von innen mit einem zusätzlichen Türgriffhebel hinter dem Fahrersitz öffnen lässt, bietet für einen 3,72 Meter langen Wagen zufriedenstellenden Platz. Leider ist es Lada auch in 32 Jahren nicht gelungen, die Sitzbank des reinen Viersitzers zu teilen. Sie klappt nur im Ganzen um.

Der 1,7-Liter-Motor ist extrem durchzugsschwach. Bei einem Beschleunigungswert von 19 Sekunden für den Spurt von null auf 100 km/h gerät jede Auffahrt auf die Autobahn zum kleinen Abenteuer. Hat der Niva aber erst einmal Fahrt aufgenommen, zieht er anschließend mit seinen 60 kW/81 PS mühelos an den Lkw-Kolonnen vorbei. Bis 110 km/h ist dabei auch noch recht angenehmes Reisen möglich, ab 120 km/h wird es dann wegen zunehmender Lautstärke und wachsender Vibrationen merklich ungemütlicher.

Unser Verbrauch lag zwischen 9 und 11 Litern und damit streckenweise unter der Werksangabe. Die Schaltung arbeitet zwar etwas schwergängig, aber erstaunlich exakt. Der fünfte Gang wird mit ausgestrecktem Arm eingelegt, denn der lange Schaltstock ist recht weit nach rechts gerückt. Er macht den beiden Hebeln für die Differenzialsperre und die Untersetzung Platz. Denn der Niva ist ein echter Geländewagen mit permanentem Allradantrieb. Mit seinen sehr kompakten Abmessungen und nahezu fehlenden Überhängen ist der Russe bestens für unwegsames Terrain gerüstet. Die Steigfähigkeit beträgt 58 Prozent, die Wattiefe liegt bei 65 Zentimetern und der Kippwinkel wird mit 48 Grad angegeben. Seine guten Geländeeigenschaften werden dem Lada auch von Menschen bescheinigt, die ansonsten nicht als Liebhaber der Marke gelten.

Mit modischemTrittbrett, Dotz-Stahlfelgen und 15-Zoll-Reifen der Dimension 205/75 aus dem Zubehörprogramm macht der 4x4 aber auch auf dem Boulevard eine gute Figur – ab 9990 Euro. ar

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar