Lexus : Leise Reise in die Zukunft

Auch wenn man diesen Lexus nicht hört, wenn er allein mit Elektromotoren anfährt – der neue Hybrid RX 450h lässt aufhorchen

Eric Metzler
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L wie Lexus, L wie Luxus: Die Japaner sind stolz wie schon der Kühlergrill zeigt. -Foto: promo

Nehmen wir an, Sie sind vermögend. Sie lieben große Autos, doch die Umwelt ist Ihnen nicht gleich. Die Kita für Ihre Kurzen liegt auf dem Weg ins Büro – und das wiederum liegt nicht weiter als ein paar Autominuten von Ihrer Wohnung entfernt. Wenn all das passt, haben wir endlich das perfekte Fahrzeug für Sie: den Lexus RX 450h. Der fährt auf Wunsch rein elektrisch und pustet null Schadstoffe aus – allerdings nur bis maximal Tempo fünfzig und drei Kilometer weit. Dann sind die Batterrien erschöpft und verlangen stur nach neuer Ladung. Der Wagen kann nun nicht mehr im „EV-Mode“ fahren, stellt auf Mischbetrieb aus konventionellem Verbrennungs- und zwei Elektromotoren um. An jeder Achse sitzt deren einer: vorne mit 167 PS und hinten mit 68. Beide dienen als Generatoren und wandeln Bewegungsenergie, die bei herkömmlichen Antrieben verloren geht, in elektrische Energie um.

Diese Energie wird in Batterien gespeichert und angezapt, um rein elektrisch zu fahren, siehe oben, oder um den 3,5-Liter-Verbrennungmotor zu unterstützen. Der Sechszylinder mit seinen 249 PS wurde so modifiziert, dass er im Hybridbetrieb extrem effizient arbeitet: Die Rede der begeisterten Entwickler ist von „Atkinson-Verbrennungszyklus, gekühlter Abgasrückführung und Abgaswärmenutzung“. Was technisch hinter diesen drei Weltpremieren steckt, würde den Rahmen an dieser Stelle sprengen. Das Ergebnis vermittelt sich aber auch so ganz gut: Der 2,1 Tonnen schwere SUV schafft Verbrauchswerte, von denen man vor Jahren nur träumen konnte. Auf einer ersten Ausfahrt haben wir bei normaler Fahrweise durch die Stadt und über Land um die acht Liter verbraucht (Prospekt: 6,3 Liter) – alle Achtung. Damit lässt sich auf dem Lehrerabend vortrefflich punkten.

Um einen derartigen Wert zu erreichen, gibt Lexus dem Fahrer mehrerlei Hilfen: Den Eco-Mode etwa, der die Klimanlage drosselt und die Kennlinie des elektronischen Gaspedals verändert. Beim Gasgeben fühlt sich das an, als sei ein Wattebausch zwischengeschaltet, was wohl zu unbewusster Zürückhaltung des Fahrers führen soll. Diverse Anzeigen wecken den Ehrgeiz, möglichst umweltschonend voran zu kommen: So gibt es eine große Rundarmatur, die zeigt, ob man gerade viel elektrische Leistung verbrät oder gerade Energie für die drei Akkus unter der Rückbank gewinnt, kurz: wie sparsam man steuert. Zudem lässt sich auf dem gut ablesbaren Farbbildschirm eine Grafik aufrufen, die den Verbrauch der letzten Stunden veranschaulicht.

Wem das zu suggestiv ist, wechselt auf völlig neue Art und Weise zu einem anderen Dienstleister aus dem Lexus-Unterhaltungszentrum: Alle Funktionen von Multimedia, Telefon und Navi werden über eine Art Fingerkissen in der Mittelkonsole angewählt und mit einer Enter-Taste bestätigt. Dieses „Remote Touch“ ist eine Mischung aus dem i-drive von BMW und der Idee des Touchscreen – mit dem entscheidenden Fortschritt, sich nicht mehr recken zu müssen, um auf einem Bildschirm neben dem Lenkrad herumzutatschen. Ziemlich genial! In die gleiche Komfort-Richtung geht das Head-Up-Display: Im unteren Teil der Frontscheibe werden auf Wunsch Tempo und oder Navigationshinweise eingeblendet.

Die asymmetrische Optik des Armaturenträgers ist gefällig, aber kein Anwärter für einen Designpreis. Insgesamt fühlt sich im RX alles gediegen, ja, auch vornehm an, aber die letzte Eleganz, die fehlt. Auf den beiden hinteren, verschiebbaren Einzelsitzen ist die Beinfreiheit hervorragend, am Kopf geht es für Große eng zu – hier fordert die coupéhafte Linie des Edeljapaners seinen Tribut.

Die Figur des RX hat sich gegenüber dem Vorgänger nicht verändert, auch wenn er einen Zentimeter länger und vier breiter geworden ist. Es ist bei der Kreuzung zweier Charaktere geblieben: Ein stämmiger Typ in der unteren Hälfte der Karosserie, ein dynamischer in der oberen. Insgesamt wirkt der Lexus weniger wuchtig als ein Q7, der Porsche Cayenne oder der BMW X5. Störend ist die hohe Ladekante des Kofferraums. Dort gibt es in den Seitenwänden Griffe, mit denen sich die zweigeteilte Rückbank bequem umlegen lässt. Eine wirklich ebene Fläche ergibt sich dabei allerdings nicht.

Entscheidend sind derlei Schwächen im Kleinen bei diesem Auto aber nicht. Entscheidend ist der alternative Antrieb. Der versetzt auch in der zweiten Generation Mitfahrende wie Vorbeilaufende immer noch in Erstaunen. Der Wagen fährt lautlos an, wenn (auf Wunsch) zunächst allein die Elektromotoren für Vorschub sorgen. Unangenehm laut wird es im Lexus ohnehin nie; auch nicht, wenn man die 299 PS Systemleistung energisch abruft. Was die Leistung betrifft, macht der Sechszylinder im Vergleich zu ähnlich starken Motoren der Premium-Konkurrenz eine müde Figur – wiewohl das Fahren mit einem stufenlos arbeitenden (Planeten-) Getriebe Freude macht. Wer den Lexus mit Luftfederung ordert, reist sehr komfortabel – muss allerdings aushalten, wenn sich der Wagen in schneller gefahrenen Kurven zur Seite legt. Diese Wankneigung ist weniger ausgeprägt bei den Modellen, die in der teuersten Version „Impression Line“ (74 410 Euro) mit aktiven Fahrwerksstabilisatoren geliefert werden – für sportliche Fahrer ein Muss.

Lexus offeriert vier Ausstattungslinien. Die Grundversion für 59 960 Euro bietet Goodies, die in München oder Stuttgart zig Scheinchen extra kosten: beheizbares Leder, Rückfahrkamera, Zwei-Zonen-Klima und schlüsselloser Zugang. 65 550 Euro kostet der RX als „Executive“ (zusätzlich Festplatten-Navi, elektrische Heckklappe, auch das famose „Remote Touch; 72 450 Euro der „Ambience“ (unter anderem mit DVD-Multimedia).

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