Lieb und teuer : Der neue Polo im Gefühlstest

Wie sich der neue Polo anfühlt – und wie sich der 1.6 TDI und der 1.2 TSI fahren.

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Polo hoch drei. Meister Wolfsburg und Edin Dzeko kickten den neuen Kleinwagen in die Sportschau. Ferdinand Piech nutzte die...

FEINE OPTIK

Vom Scirocco über den Golf zum Polo: Vorne sieht man VWs neue Designlinie. Alle haben innen spitz zulaufende Scheinwerfer, alle stehen satt da. Der Polo wirkt von außen stimmig und edel. Innen setzt sich der feine Eindruck beim Blick auf die Materialien fort. Dass das Armaturenbrett in der Basisversion aus nicht hinterschäumtem Plastik besteht, haken wir schnell ab. Die Ergonomie des Fahrerplatzes ist erwartungsgemäß gut – schließlich sprechen wir hier über die fünfte Generation des Autos. Die Sitze bieten guten Seitenhalt, allerdings vor allem bei etwas dickeren Personen. Die Kniefreiheit hinten hat sich verbessert; auch über dem Kopf bleibt ausreichend Platz.

NÜTZLICHER LADERAUM

Der neue Polo bietet 280 bis 952 Liter Kofferraum – etwa so viel wie bei Corsa und Fiesta. Ein enormes Plus ist der neue Einlegeboden, der die Ladeschwelle egalisiert, sodass man schwere Getränkekästen einfach aus dem Auto herausziehen kann. Allerdings ist das praktische Teil erst ab der mittleren Ausstattung Serie. Das Gleiche gilt leider für eine geteilt umklappbare Rückbank.

WENIGER VERBRAUCH

Bei den Dieseln dominierten bei VW bis vor kurzem noch die 1,9-Liter-Aggregate. Doch der neue Polo erhält nun als erstes Modell einen 1,6-Liter-Diesel, und es wird sogar ein 1.2 TDI angekündigt. Downsizing gibt’s auch auf der Benzinerseite: Neu ist hier aber nur der 1.2 TSI mit 105 PS. Alle Motoren bleiben bei den CO2-Emissionen nun unter 140 Gramm pro Kilometer und erfüllen die Euro-5-Norm. Die Diesel werden mit Partikelfilter ausgeliefert. Von den sieben für das Jahr 2009 geplanten Motoren sind seit einer Woche vier verfügbar: die beiden Dreizylinder-Ottomotoren mit 60 und 70 PS, der 1,4-Liter-Benziner mit 85 PS und der Diesel mit 75 PS. Die zwei stärkeren Diesel mit 90 und 105 PS folgen später im Jahr 2009, und der 1.2 TSI soll ab November produziert werden.

1.6 TDI (90 PS): ERSTER EINDRUCK

Wir fuhren zunächst den 1.6 TDI mit 90 PS (ab 17 785 Euro) und dem optionalen Blue-Motion-Paket – nicht zu verwechseln mit dem für Frühjahr 2010 angekündigten Polo BlueMotion (siehe Beitrag unten links). Die im Blue-Motion-Paket enthaltene Start-Stopp-Automatik drückt den Verbrauch laut VW von 4,2 auf nur noch 3,6 Liter. Das macht den VW Polo 1.6 TDI mit 90 PS aktuell zum sparsamsten Kleinwagen überhaupt – ein Rekord, den bisher der Ford Fiesta 1.6 TDCi Econetic mit ebenfalls 90 PS und 3,7 Liter auf 100 Kilometer hielt. Unrealistisch ist der niedrige Verbrauch des VW nicht: Wir schafften bei sparsamer, niedertouriger Fahrt auf der Landstraße 3,7 bis 3,8 Liter und das bei eingeschalteter Klimaanlage. Bis 1500 Umdrehungen geht es gemächlich voran, dann wird es schwungvoller. Bei alledem bleibt der Polo stets leise – dank der Common-Rail-Einspritzung über Piezodüsen.

1.2 TSI (105 PS): ERST AB NOVEMBER

Das Drehmoment des per Turbo aufgeladenen Vierzylinders ist mit 175 Newtonmeter (Nm) nicht ganz so mächtig wie beim Diesel, der 230 Nm zur Verfügung stellt. Doch wirkt das Aggregat fast ebenso schwungvoll, weil die Kraft von 1500 bis hinauf auf 3 500 Touren zur Verfügung steht. Die von uns gefahrene Version besaß statt der serienmäßigen Sechsgang-Schaltung das Doppelkupplungsgetriebe DSG mit sieben Gängen (1400 Euro) – VW gibt hierfüer optimistisch einen Verbrauch von unter sieben Litern an. Das DSG schaltet zwar schnell, passt aber zum Polo längst nicht so gut wie zu den größeren Modellen des Konzerns.

NEUE VORDERACHSE, ESP IMMER SERIE

Der Polo hat eine neu entwickelte Vorderachse mit breiterer Spur. Mit dem neuen Fahrwerk fährt sich das Auto komfortabel, ohne in den Kurven stark zu wanken. Die Räder erreichen mit bis zu 17 Zoll neue Extremwerte. Serie sind allerdings nach wie vor 14-Zöller. Ein Plus gegenüber dem Vorgänger ist das nun stets serienmäßige ESP – bisher war es erst ab 100 PS Serie. Auch eine Berganfahrhilfe ist nun in allen Versionen an Bord.

START BEI 12 150 EURO

Für 12 150 Euro bekommt man den Dreitürer mit dem 60 PS starken 1,2-Liter-Dreizylinder. Mit dem Basispreis liegt der VW am oberen Rand: Einen vergleichbaren Opel Corsa gibt es bereits ab 10 990 Euro, einen Fiesta ab 11 500 Euro. Günstig war schon der alte Polo nicht – trotzdem führt er die Verkaufslisten an. Die Basisausstattung Trendline umfasst ESP, sechs Airbags, elektrische Fensterheber vorne, eine Zentralverriegelung ohne Fernbedienung und einen höhenverstellbarer Fahrersitz. Der Einlegeboden für den Kofferraum plus die geteilt umklappbare Rücksitzbank kosten 170 Euro Aufpreis. Letzteres ist bei der nächsthöheren Version Comfortline Serie, genauso wie eine Klimaanlage und mehr. Die Topversion Highline prunkt mit 15-Zoll-Alus, Nebelscheinwerfern, Lederlenkrad und Sportsitzen vorn.

UNTERM STRICH

Wie nicht anders zu erwarten, hat der Polo in der neuen Generation wieder einen Schritt nach vorn gemacht. Allerdings betreffen die wesentlichen Neuerungen – die neuen Diesel, der 1.2 TSI, das DSG – nur eine relativ kleine Zahl von Kunden. Denn die meisten Käufer werden sich wie bisher für eine der günstigen Benzinerversionen mit Fünfgang-Handschaltung entscheiden. Doch auch diese profitieren, vor allem von dem serienmäßigen ESP und bei Kauf der Comfortline-Version von der schön ebenen Ladefläche. Und natürlich von der deutlich schickeren Optik.an

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