Auto : Liebling, wer hat den Leon geschrumpft?

Die Spanier haben aus dem Fünftürer ein dreitüriges Coupé geschneidert. Wir wollten wissen, was sich die Designer dabei gedacht haben.

Kerstin Heidecke

Jungs- oder Mädchenauto? Für die Macher des dreitürigen Seat Leon SC ist die Sache klar. Das SC steht für Sport Coupé. Und was sie da in Barcelona entworfen haben, peilt die Zielgruppe der 24- bis 35-jährigen Männer an, sportbegeistert, gut gebildet und online-affin. Also nur was für Jungs? Hm, mal sehn. Also – die Verpackung: Na gut, kein Kindchenschema-Gesicht, nix mit knuffigen Rundungen. Stattdessen markante Linien. Die Oberkante der Vorderscheinwerfer ist angestellt. Das gibt dem SC „einen selbstsicheren Blick“, behauptet Seat-Designer Christian Felske.

Richtig Mühe gemacht hat sich das Team vor allem mit der Seitenansicht. Die „Fenstergrafik“ zieht anders als beim Fünftürer mehr zur Straße. Die Heckscheibe steht 19 Grad flacher und auf das kleine dritte Dreieckfenster haben die Designer ganz verzichtet. Überhaupt hat man für den dreitürigen Löwen mangels Vorgängermodell ziemlich von Grund auf neue Entwicklungsarbeit leisten müssen.

Das soll sich lohnen, wünscht man sich bei der kleinen VW-Schwester. Man will junge, dynamische Kunden binden, die vielleicht schon einen Seat haben, sich aber ein sportlicheres Fahrzeug wünschen. Die sollen sich zunächst also von der scharfkantigen Karosserie beeindrucken lassen, die im Centro Technico ausgetüftelt wurde.

Das Design der sehr schlanken A-Säule vergrößert das Sichtfeld der vorderen Fenster. Und die aufgesetzten Außenspiegel sind mal was anderes. Sie sollen trotzdem Regen und Wind nach allen Regeln der Ergonomie wegdrücken, zudem den toten Winkel verkleinern. Stolz ist Entwickler Michael Hinz auf eine kleine Raffinesse, nämlich nahezu unsichtbare Türdichtungsgummis. Der flachere Neigungswinkel der Heckklappe trägt zum sportlichen Erscheinungsbild bei. Die Fahrt mit der 180-PS-Version hält, was das Design verspricht. Der Leon ist wendig und agil in den Kurven, auch der 150 PS- Diesel kann bei rasantem Fahrstil mithalten, brummt dann allerdings heftig.

Der Kompaktwagen misst nur von 4,23 Meter und hat einen um 35 Millimeter verkürzten Radstand als sein fünftüriger Bruder. So sieht er aus, als könnte man mit ihm in der Stadt Spaß haben, und würde auch noch das eine oder andere unterbekommen und auch bei weiten Strecken nicht genervt sein. Immerhin – das Kofferraumvolumen ist gleich geblieben. Wie beim Fünftürer hat er ein Volumen von 380 Litern. Nervig allerdings, dass man Koffer oder Kleinmöbel dann über eine 26 Zentimeter hohe Ladekante wuchten muss.

Der Innenraum wirkt für die Preisklasse recht wertig. Dafür sorgen Chromspangen am Lenkrad, der ab 5 Zoll große Touchscreen mit übersichtlicher Karte und diversen Infotainment- und Navi-Varianten.

Wenn der Seat Leon ab Juni in Deutschland verkauft wird, ist man ab 14 890 Euro dabei. Neben der Basisversion Leon SC mit 86 PS gibt es die Ausstattungsvarianten Reference, Style und FR. Das Ende der Preisliste liegt dann etwa bei 27 000 Euro für die 6-Gang-Dieselversionen mit Start-Stop-Automatik und 150 oder 184 PS. Die Ausstattungs- und Motorvarianten orientieren sich am Fünftürer.

Ach so, die Geschlechterfrage. Was den weiblichen Testerinnen besonders gefiel: Die optionalen Voll-LED-Scheinwerfer. Eine nette Vorstellung, so etwas auch für ein Fahrzeug unter 20 000 Euro zu bekommen. So eine Show sieht aus dem Kleinwagen-Rückspiegel sonst nur nur bei den Modellen im höherem Preissegment. Die eckig gezeichneten Lämpchen machen was her, zudem sparen sie Energie und sollen die Fahrbahn bei höherer Geschwindigkeit besser ausleuchten.

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