Limousinenservice im Test : Vorne James Bond, ich im Fond

Taxi fahren ist in Berlin ein Abenteuer. Wer es ruhig und gediegen mag, kann zu vergleichbaren Preisen einen privaten Limousinenservice buchen. Es gibt mehrere Anbieter auf dem Markt. Wir sind testweise mit der Firma Blacklane gefahren.

von
Wer seine Fahrten planen kann, der hat im Chauffeurservice eine echte Alternative zum Taxi. Es ist kaum teurer und frei von unwillkommenen Überraschungen.
Wer seine Fahrten planen kann, der hat im Chauffeurservice eine echte Alternative zum Taxi. Es ist kaum teurer und frei von...Foto: Kai-Uwe Heinrich

Abgeholt werden wir von James Bond, jedenfalls fast. Unser Fahrer ist ein gut aussehender 40-Jähriger, der optisch an Bond-Darsteller Daniel Craig erinnert. Er fährt mit einem schwarzen Viano vor. Bestellt war er für 7.30 Uhr. Schon um 6.30 Uhr kam die erste SMS: Your chauffeur is on his way. Seine Handynummer war auch dabei. Um 7.27 Uhr dann die zweite SMS: Your chauffeur has arrived.

Taxi-Konkurrenz durch Carsharing

Der Plan: erst die Kinder zur Schule bringen, dann mich ins Büro. Die Kinder sind natürlich begeistert. "Jetzt denken alle, wir wären reich!", jubelt der Sohn. Für mich war der Hintergrund ein anderer: Ich wollte testen, ob das Unternehmen die richtigen Kindersitze mitbringt. Denn beim Taxifahren ist das oft ein Problem. Eins von vielen.

Wer in Berlin ein Taxi ruft, nimmt an einer Lotterie teil. Wen bekomme ich wohl diesmal? Ist der Wagen verqualmt oder wie ein rollendes Wohnzimmer vermüllt? Jammert mir der Fahrer während der gesamten Fahrt die Ohren voll? Sitze ich in einer Wolke von Räucherstäbchenduft, plärrt pakistanischer Pop aus den Boxen? Und kennt der Fahrer sich in der Stadt aus? Das kann seinen Charme haben oder gehörig nerven, je nachdem, wie man selbst gerade drauf ist. Ein wenig ist es auch eine Schicksalsgemeinschaft: Das Taxi hat eine Beförderungspflicht, muss also jeden mitnehmen, und andersrum gibt es auch Menschen, die aufs Taxi angewiesen sind.

Es glänzt und dampft in Genf
Es geht rund in der Schweiz. Dort auf dem Autosalon zeigt die Autobranche, was sie an Neuigkeiten zu bieten hat. Die Welt dreht sich um das Thema Automobil am Lac Leman.Weitere Bilder anzeigen
1 von 41Foto: dpa
05.03.2014 10:54Es geht rund in der Schweiz. Dort auf dem Autosalon zeigt die Autobranche, was sie an Neuigkeiten zu bieten hat. Die Welt dreht...

Die Taxi-Branche hat in der jüngeren Vergangenheit viel Konkurrenz bekommen, etwa durch Carsharing-Angebote, aber auch durch Limousinenservices, die wesentlich gediegener daherkommen, preislich aber durchaus konkurrieren können. Die Taxi-Branche reagiert – es gibt jetzt "Premium-Taxis", die aber bisher nur von einigen Hotels vermittelt werden. Und bei denen in den Augen vieler etwas als "Premium" hochgejubelt wird, das sowieso selbstverständlich sein sollte: saubere Autos, freundliche und ortskundige Fahrer.

Nachteil: Langes Warten auf Reservierungsbestätigung

Wir testen heute den Limousinenservice von Blacklane, der weltweit in 133 Städten verfügbar ist; in Deutschland wird er in 15 Städten angeboten. Man bucht die Fahrt übers Internet oder über die App, gibt Start und Ziel der Fahrt ein und bekommt die Preise direkt ausgeworfen. Dann wählt man das Fahrzeug und schließt die Buchung ab. Das Ganze dauert nur wenige Sekunden. Bis zu vier Stunden kann es aber dauern, ehe die Reservierungsbestätigung eintrifft. Das ist schon mal nichts für Leute, die sofort irgendwohin müssen – ein Punkt fürs Taxi. Und: Man kann nur Start und Ziel eingeben, keinen Zwischenstopp. So errechnet der Computer 16 Minuten Fahrzeit und 9,4 Kilometer für unseren Trip von zu Hause ins Büro, doch der Umweg über die Schule ist darin nicht enthalten.

Erst zur Schule, dann zur Arbeit. Bei unserem Test waren allerdings nicht genug Kindersitze vorhanden – ein Problem, das auch bei Taxen oft auftritt.
Erst zur Schule, dann zur Arbeit. Bei unserem Test waren allerdings nicht genug Kindersitze vorhanden – ein Problem, das auch bei...Foto: Kai-Uwe Heinrich

Bei Blacklane ist man lückenlos überwacht. Ohne Kreditkarte geht gar nichts. Der Festbetrag wird abgebucht, wenn die Fahrt begonnen hat – keine Probleme mit Währungen, keine zu großen Scheine (= Anschiss vom Berliner Taxifahrer). Und keine flauen Ausreden à la: Da ist eine Baustelle, deswegen muss ich diesen riesigen Umweg machen. Der Preis steht fest. Speziell Touristen, die auf dem Weg von Tegel in die Stadt immer wieder abgezockt werden, könnten davon profitieren. Sie können auch aus der Ferne ganz leicht buchen.

Tegel ist für unseren Fahrer eher ein rotes Tuch. Halten und parken sei dort schlecht, am schlimmsten an Terminal C. Wenn der Fahrer aussteigen und mit Willkommensschild ans Gate muss, ist der Strafzettel einkalkuliert. Natürlich wird diese Dienstleistung trotzdem erbracht.

Fuhrpark von Smart bis S-Klasse

Unser Fahrer ist pünktlich, hat aber nur zwei Sitzerhöhungen für die angekündigten drei Kinder dabei. Er behauptet, ab 13 Kilo Körpergewicht werde kein Kindersitz mehr benötigt. Mein Sohn, 1,35 Meter, 25 Kilo, soll ohne fahren. "Das geht wunderbar so", sagt der Fahrer. Das finde ich nicht. Kinder bis zwölf Jahre und bis 150 Zentimeter Körpergröße müssen laut Straßenverkehrsordnung mit einem Kindersitz gesichert werden. Ich wehre mich nicht, wir kommen heile an, aber im Hinterkopf bleibt das ein Minuspunkt.

Familien sind ohnehin nicht die Hauptzielgruppe. "Ich fahre vor allem Geschäftsleute", sagt unser Fahrer. „Ich habe ja keine Beförderungspflicht und kann mir die Touren aussuchen.“ Er fährt gut und sicher, auf Nachfrage spricht er auch. Seinen P-Schein hat er seit fast 20 Jahren – vorher war unser Bond Taxifahrer in Berlin.

Wer ministerial in der großen Limousine daherkommen will, zahlt etwas mehr als im Taxi. Wer sich im Smart abholen lässt, kommt sogar billiger weg. Vom Büro nach Hause zum Beispiel zahle ich mit dem Taxi 21 Euro. Mit dem Blacklane-Smart würde es 17 Euro kosten, mit der "Business Class" (E-Klasse, 5er-BMW) 29,55 Euro, mit der "First Class" (S-Klasse, 7er-BMW, Phaeton) 42,15 Euro. Unser Viano kostet 34 Euro.

"Fahrer können sich Touren rauspicken"

Zum Vergleich die Preise des von Sixt betriebenen ähnlichen Angebots "myDriver", das in zwölf deutschen Städten am Markt ist: Für dieselbe Strecke kostet der kleinste Wagen (zum Beispiel Opel Zafira) 21,53 Euro, der nächstgrößere (5er BMW) 22,18 Euro, die Kategorie S-Klasse und Viano 34,22 Euro. myDriver ist also etwas günstiger.

Familien sind ohnehin nicht die Hauptzielgruppe der Limousinenservices, die vor allem für Geschäftsleute ausgelegt sind.
Familien sind ohnehin nicht die Hauptzielgruppe der Limousinenservices, die vor allem für Geschäftsleute ausgelegt sind.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Blacklane ist seit Ende 2012 auch in Dresden aktiv. Schon länger betreibt dort die Firma 8 x 8 einen ähnlichen Service, allerdings mit angestellten Fahrern, die auf Anruf sofort kommen – für Berliner, die nach Dresden reisen, ein tolles Erlebnis. Dunkler A 6 oder Viano, freundlicher Chauffeur. Anruf in Dresden, ob Blacklane ihnen das Geschäft streitig macht. "Gar nicht. Wir sind früher auch mal für die gefahren", sagt ein Mitarbeiter. Blacklane sei ohnehin nur eine Plattform, die keine eigenen Fahrer habe.

Blacklane-Sprecherin Leonie Heitmüller bestätigt das. "Unsere Fahrer haben Zugriff auf unsere Datenbank, in der die angeforderten Touren stehen, und können sich dann die Touren rauspicken, die ihnen zusagen." Der 8-x-8-Mitarbeiter fragt seinen Kollegen: "Sag mal, kommt von Blacklane noch was rein?" – "Nein, wir fahren nicht mehr für die. Wir sollten deren Hemden tragen. Das wollten wir nicht."

Wir sind mit unserem James Bond gut beim Tagesspiegel angekommen. Der Eindruck ist positiv. Das Auto ist sauber, Bond ist freundlich, er ist gut gefahren. Die Schätzung von 16 Minuten Fahrzeit war etwas zu optimistisch, es waren wohl eher 26, aber das macht nichts. Es gibt einen Knigge für Blacklane-Chauffeure. Sie dürfen Kunden kein Gespräch aufdrängen. Der Fahrgast kann die Ruhe genießen. Und wenn er mal wieder was erleben will, kann er ein Taxi bestellen.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

13 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben