Luxus : Gib mir ein S

Mercedes-AMG denkt sich seins: Sollen die bei Porsche doch den Panamera bauen. Wir haben längst einen Luxus-Viersitzer zum Rennen

Eric Metzler

Die schlechte Nachricht zuerst. Wer eine Tour mit dem S 65 AMG hinter sich hat und mit etwas Anderem weiterfahren muss, der hat verloren. Fortan fühlt sich alles fad und blechern an; hart, saft- und kraftlos. Jetzt die Gute. Wer aus demselben AMG aussteigt, um eine Runde spazieren zu gehen, der hat gewonnen. Eine ganze Weile hallt die Fahrt nach; bleibt der beeindruckende Eindruck, wie Kraft und Eleganz zusammengehen, was Durchzug wirklich und Souveränität tatsächlich bedeuten. Jeder AMG lebt von den Extremen. Aber einer mit sechs Litern Hubraum, der definiert die Pole letztstrittig. In viereinhalb Sekunden auf Tempo Einhundert. Ein Fest? Die Pest?

Wir versuchen es bei der überarbeiteten „S-Klasse mit Sportabzeichen“, wie Pressesprecher Wolfgang Zanker sie nennt, ohne Ideologie. Ganz wertfrei also: Der Motor ist stark. Stärker, als sich Golffahrer das vorstellen können. Aber neu ist er ist nicht. Den Zwölfzylinder mit einem unfassbaren Drehmomentmaximum von 1000 Newtonmetern haben wir schon mehrfach gewürdigt. Neu ist die Möglichkeit, Getriebe und AMG-Fahrwerk unabhängig voneinander zwischen Komfort und Sport umschalten zu können. Ansonsten meistert dieser S die Sinnlichkeits-Prüfung gleich auf dreifache Weise. Ebene eins: Jede Situation in jedem Moment beherrschen. Dafür hat das Auto so ziemlich alle Sicherheits-Assistenten an Bord, die der automobile Wissensstand hergibt. Nummer zwei: Jede Situation in jedem Moment genießen. Der AMG ist feiner ausgestattet als unser Wohnzimmer. Dort gibt es auch keinen Monitor, auf dem der links Sitzende die Route anschaut und der rechts Sitzende einen Film („split view“). Drittens dann: Jede Situation und jeden Moment gelassen in das Gegenteil verkehren zu können. Das sanfte Vorsichhinbrabbeln in lautes Gebrüll, entspanntes Cruisen in konzentrierte Sprints.

Wer mit AMG nichts anzufangen weiß, weil er das Kürzel nur ab und an mal vorbeifliegen sieht, wird bei diesen Bildern den Kopf schütteln. Muss man das haben? Für den Vorgänger der S-Klasse haben das weltweit mehr als 8000 Alt- und Neusüchtige bejaht. Sie glauben im Werte von bis zu einer halben Million Euro daran, dass es oberhalb der Oberklasse noch mehr gibt; ein Mehr, das man (im Falle der S-Klasse) lieber dezent als protzig ausstellt. AMG, das ist Stil, Lebensfreude, Selbstbewusstsein. Sagen Marktforscher. Die edelsten Leder, die spannendsten, fleckfreien Mattlacke und einen Mitteltunnel aus dünn gefrästem Stein gibt es bei AMG in der Abteilung designo. Dort wird jeder Wagen maßgeschneidert. In Serienqualität. Genau hier liegt der Unterschied: Tuner frimeln fertige Autos um und müssen den Stern abnehmen, wenn sie fertig sind. Benz-Töchter wie AMG dagegen entwickeln von Anfang an mit und tragen den Stern mit Stolz und Garantie.

Wer immer die überarbeitete S-Klasse als AMG fährt, sieht sich als Genießer. Und wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben: Damit liegt er nicht falsch.

Den S 65 AMG (langer Radstand, V12-Biturbo, 612 PS) kostet ab 221 221 Euro. Den kleineren Bruder S 63 AMG (V8-Sauger, 525 PS) gibt es kurz (137683 Euro) und lang (144823 Euro). Als AMG sind beide am stärker gepfeilten Grill, an LED-Leisten in der unteren Frontschürze und den Endrohren zu erkennen – und am verträumten Lächeln der Fahrer.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben