Luxus-Tuning bei BMW, Audi, Mercedes und Co. : Was immer gewünscht ist

Abseits der offiziellen Aufpreislisten erfüllen viele Hersteller Sonderwünsche solventer Kunden. Der Service ist diskret – und alles andere als billig.

Sven Jürisch
Weiß gemacht. Die Polster im Audi A8 Exclusive warten auf reinliche Benutzer.
Weiß gemacht. Die Polster im Audi A8 Exclusive warten auf reinliche Benutzer.Foto: Promo

Zu Henry Fords Zeiten war die Sache noch einfach. Wenn ein Kunde fragte, in welcher Farbe sein T-Modell lieferbar sei, bekam er die Antwort: in jeder, solange sie schwarz ist. Aber mal abgesehen davon, dass auch damals schon andere Hersteller mehr für ihre Käufer taten: Heute könnte man so kein Auto mehr an den Mann bringen. Individualität ist Trumpf. Und während Sonderfarben und Alufelgen Standardprogramm sind, beginnt die hohe Schule ungefähr da, wo es gilt, Lack, Interieur und Zierleisten auf den Nagellack der Gattin abzustimmen. Normale Händler müssen da oft kapitulieren. Es schlägt die Stunde der Individualisierungsexperten, die bei Mercedes und Co. nahezu jeden Wunsch nach dem einmaligen Auto erfüllen können.

Oft weiß der Kunde bereits, was er will: ein Familienwappen in den Sitzlehnen, einen Humidor in der Mittelarmlehne oder einen Kühlschrank im Fond zum Beispiel – wer in der Lage ist, massive 150 000 Euro oder mehr für ein Auto auszugeben, dem tun oft auch weitere Euros für Sonderwünsche nicht weh.

44000 Farben zur Auswahl

Jetzt kommen die Menschen ins Spiel, die wissen, welche Hebel man in Ingolstadt oder Goodwood in Gang setzen muss, um zu bekommen, was der Kunde wünscht. Oft macht der Berater Hausbesuche, um sich bei Tee und Gebäck über die Ideen des Käufers zu informieren.

Bei Rolls Royce heißen solche Modelle „Bespoke“, die Vokabel bedeutet sinngemäß „maßgeschneidert“. Etwa drei Viertel aller ausgelieferten Autos werden auf diese Art nachgearbeitet. Es gibt rund 44000 Farben für die Außenhaut, darunter auch eine, in der Goldstaub enthalten ist. Hinzu kommen 66 000 Kombinationen für das Innere. Wer seine Kühlerfigur in Gold will, kann das haben, auch eine Variante in Makrolon mit Innenbeleuchtung haben die britischen Verfeinerer schon gebaut – oder einem Sumoringer mehr Platz durch eine neu geformte Mittelkonsole verschafft.

Ein Humidor im Handschuhfach ist im Rolls Royce keine Seltenheit.
Ein Humidor im Handschuhfach ist im Rolls Royce keine Seltenheit.Foto: Promo

Ganz so viel ist bei den „normalen“ Premiumherstellern allerdings nicht möglich. Überhaupt überließ man den Bereich Veredelung bis in die Achtziger weitestgehend freien Tuning-Betrieben. Doch die meisten von denen sind inzwischen vom Markt verschwunden, parallel dazu stiegen die Autobauer selbst in das Geschäft mit der Individualisierung ein.

BMW, Audi und Mercedes mit eigenen Tunern

Als Pionier gilt dabei BMW. Bereits für 7er-Modelle aus den frühen 80er Jahren konnten die Münchner belederte Konsolen, Büffelleder und Radio-Fernbedienung für den Fond anbieten. Die Ausstattungen hießen „Executive" oder „Highline", wer heute so ein Modell sieht, wie gut damals schon gearbeitet wurde: keine Wellen im Leder und das nach knapp 30 Jahren Sonneneinstrahlung. Was die Münchener mit Tierhaut überzogen, schliffen sie vorher auf ein Mindermaß herunter, damit die Passungen auch samt Lederhülle noch stimmten. Heute zehrt die für die Individualisierung zuständige BMW M GmbH von solchen Erfahrungen und liefert immer wieder neue Highlights. Eins der letzten war ein in Zusammenarbeit mit dem Flensburger Bootsbauer und Silberbesteckhersteller Robbe & Berking veredelter 7er, bei dem zahlreiche Innen- und Außenteile mit handgemachten Silberintarsien und Bauteilen aus 925er Sterling -Silber versehen wurden. Preis des Einzelstücks: rund 320 000 Euro.

Falls wichtige Faxe erwartet werden. Das Mobi Fax von Possio reiste immer mit-bis die email kam.
Falls wichtige Faxe erwartet werden. Das Mobi Fax von Possio reiste immer mit-bis die email kam.Foto: Promo

Rivale Audi entdeckte den Markt dagegen erst später für sich. Als man in München bereits Autos verfeinerte, war man in Ingolstadt ja noch damit beschäftigt, sich überhaupt erst einmal nach oben ins Premiumsegment hineinzuarbeiten. Im Jahr 1983 gründete man die Quattro GmbH. Aber als die ersten Kunden dann Veredlungsmaßnahmen für ihren Audi V8 wünschten, musste der Hersteller zunächst improvisieren: Man werkelte in Kundendienstwerkstätten in Neckarsulm oder Ingolstadt und orderte Einzellösungen bei heimischen Schreinern. Das Ergebnis waren TV-Module mit handgelöteten Kabelbäumen oder Konsolen aus beledertem Sperrholz. Heute punktet Audi dagegen vor allem mit individuellen Innenraumdesigns. Sollte ein Kunde einmal rosa Sitze zu blauer Außenfarbe wünschen – kein Problem, solange die konstruktive Basis nicht berührt wird.

Mercedes wiederum lässt bei Haustuner AMG die Wünsche seiner Kunden erfüllen. Sonderumbauten sind allerdings seltener geworden. Nicht zuletzt deshalb, weil Mercedes vieles von dem, was früher beim Veredler geordert wurde, inzwischen in der ganz normalen Aufpreisliste führt: Entertainmentsystem oder Büro-Vorrüstung für den Fond,Kühlfach, Klapptische oder siebenfarbige Ambiente-Beleuchtung – in der aktuellen S-Klasse sind das Extras von der Stange. Aber trotzdem, nicht zuletzt die Beliebtheit der Marke im arabischen Raum sorgt dafür, dass auch bei Mercedes noch individuell Hand angelegt wird.

Individualisierung in den 80er Jahren. Ideal für Pop-Größen wie Modern Talking oder Sandra.
Individualisierung in den 80er Jahren. Ideal für Pop-Größen wie Modern Talking oder Sandra.Foto: Promo

Auch bei Kleinwagen sind Individualisierungen gefragt

In der Hand der Hersteller ist das Geschäft mit der Veredlung allerdings deutlich weniger hemdsärmelig als in früheren Tagen. Sicherheit und Haltbarkeit gehen vor der reinen Möglichkeit, etwas zu tun. Kein Autobauer will sich mit Regressforderungen eines Kunden auseinandersetzen, der von seinem Kühlfach verletzt wurde oder dessen Fondmonitor bei einem Überschlag einen Brand provozierte. Deshalb werden auch solche Systeme in Crashtests gecheckt, bevor sie eine Freigabe für den Einbau erhalten.

Dafür zeigt sich, dass Oberklasse heute nicht mehr eine Frage der reinen Größe ist. Bei Smart zum Beispiel mehren sich die Anfragen nach Individualisierungen für den Kleinstwagen. Die Smart-Variante des Stammtuners Brabus ist seit Jahren äußerst beliebt. Und als die Marke den Lady-Gaga-Designer Jeremy Scott einen Smart mit Flügelchen und weißen Lederpolstern versehen ließ, da reichte die Nachfrage,um einige Modelle mit Straßenzulassung zu bauen, die schnell an solvente Kunden verkauft waren. Minimal 33 333 Euro zahlten die Käufer für das Privileg, einen Smart mit rosa eingefassten Schwingen durch den Verkehr steuern zu dürfen.

In den wilden Achtzigern hatte die Hamburger Styling Garage noch einem arabischen Scheich eine Flotte S-Klassen in sämtlichen Farben des Regenbogens geliefert. Klein und groß, neu und alt – exzentrisch genug dürften beide Auto-Konzepte sein.

Was immer gewünscht ist
Individualisierung in den 80er Jahren. Ideal für Pop-Größen wie Modern Talking oder Sandra.Weitere Bilder anzeigen
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08.07.2014 05:53Individualisierung in den 80er Jahren. Ideal für Pop-Größen wie Modern Talking oder Sandra.

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