• Magnetic Ride durch Track & Field Mit klarer Sprache haben es die Hersteller nicht so

Auto : Magnetic Ride durch Track & Field Mit klarer Sprache haben es die Hersteller nicht so

Thomas Geiger (dpa)

Auch wenn Porsche gerade zum „Sprachwahrer des Jahres“ gekürt worden ist – die Regel ist der sensible Umgang mit der deutschen oder überhaupt irgendeiner Sprache unter den Herstellern nicht. Auf den Punkt bringt das Walter Krämer: „In vielen Autos ist man ohne Wörterbuch aufgeschmissen“, schimpft der Vorsitzende des Vereins für Deutsche Sprache mit Blick auf die Preislisten. Dass bei der Namensgebung hin und wieder etwas schiefgeht – etwa der Mitsubishi Pajero in Spanien heißt wie ein Selbstbefriediger, der Suzuki Baleno an einen Schokoriegel und der Nissan Serena an eine Damenbinde erinnert –, daran haben sich Autokäufer gewöhnt. Doch dass Bezeichnungen für Funktionen und Ausstattungsmerkmale mehr Fragen aufwerfen als beantworten, will Menschen wie Krämer nicht in den Kopf.

Man stolpert über Begriffe wie „Distronic“, „4Motion“, „Advantage“-Pakete, „Track & Field“, „Headup-Displays“, „Hill Descent Control“, „Linguatronic“, „Dynamic Stability Control“, „Magnetic Ride“ oder „iDrive“ und muss oft nach dem Sinn suchen. Damit verschenkt die Industrie einen wichtigen Wettbewerbsfaktor, glaubt Krämer: „Jeder hält den Airbag für eine amerikanische Erfindung, dabei kommt er aus Stuttgart. Hätte man ihn Prallkissen genannt, wäre das nicht passiert“, glaubt der Statistik-Professor, der deutsche Bezeichnungen als Vorteil sieht: „Bei Bier und bei Autos sind wir anerkannte Weltspitze. Warum nutzen wir das nicht?“

Doch es ist nicht nur die Vermischung verschiedener Sprachen, mit denen die Hersteller zu schweren Gedankensprüngen zwingen. Auch Abkürzungen machen den Kunden das Leben schwer, klagt Manfred Gotta aus Baden-Baden, der als professioneller Taufpate schon hunderten Produkten und Funktionen einen Namen gegeben hat. „Abkürzungen sind dann in Ordnung, wenn sie etwas Erstmaliges und Einmaliges bezeichnen“, sagt Gotta und nennt als Beispiel das Kürzel ABS für das Anti-Blockier-System. „Das war neu, das kannte keiner, und das ist heute so fest etabliert, dass eine andere Bezeichnung ohnehin keine Chance mehr hätte.“ Doch Bezeichnungen wie PCCB für die Keramikbremse bei Porsche zum Beispiel hält er für schwer vermittelbar. Mit der richtigen Bezeichnung könnte man in manchen Fällen mehr erreichen, bestätigt auch Hans-Georg Marmit von der Sachverständigenorganisation Küs. „Dass das elektronische Stabilitätsprogramm bei vielen Autofahrern noch immer unbekannt ist, liegt auch daran, dass es bei jedem Autohersteller anders heißt.“ Marmit regt eine einheitliche Namensgebung für vergleichbare Sicherheitsfunktionen an. „Der Gurt heißt schließlich auch überall Gurt und der Airbag immer Airbag.“ Und wie könnte das gehen mit den klaren, einfachen Begriffen? Sprachschützer Krämer gibt Antwort: „Wer fünf Minuten nachdenkt, findet für alles eine passende Bezeichnung.“ Thomas Geiger (dpa)

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