Auto : Man muss nicht, man kann

Lexus lässt nicht locker und versucht, den Hybrid in Deutschland zu verankern – zum Beispiel mit dem kompakten CT 200h

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Lexus? Wer ist das? Kenne ich nicht, werden viele spontan anworten. Dabei kämpft die Edelmarke von Toyota schon seit über 20 Jahren darum, auch auf dem deutschen Markt wie in den USA von zahlungskräftigen Kunden endlich als Alternative zu Audi, BMW und Mercedes wahrgenommen zu werden. Doch mehr als Achtungserfolge sprangen in der Vergangenheit nicht heraus. Das könnte sich – zumindest im Ansatz – nun ändern.

Nicht nur, weil die Japaner im imageträchtigen Rennen um die Hochzeitskutsche von Prinz Albert und seiner Charlene im Juli in Monaco die deutschen Premiumhersteller ausgebremst und mit einem aufgeschnittenen Hybridauto Lexus LS 600h das Rennen gemacht haben. Viele dürften Lexus da zum ersten Mal als Automarke wahrgenommen haben. Nein, auch bei Autos für Dich und mich haben die Japaner den Deutschen eine Nase gedreht: Audi mit dem Anspruch, den „Vorsprung durch Technik“ gepachtet zu haben, hat derzeit keinen. BMW ebenso wenig, und auch Mercedes hat keinen. Die Rede ist von einem hochmodernen Vollhybridybridauto in der Kompaktklasse.

Toyota hat gleich zwei, und Lexus seit kurzem nun auch eines. Denn die Japaner sind schlau : Sie machten aus eins gleich drei. Dem 4,46 Meter langen Pionier Prius mit seiner gewöhnungsbedürftigen Karosserie (seit Juni 2009; ab 25 750 Euro) folgte September 2010 der 4,25 Meter lange massenkompatible Toyota Auris (ab 22 950 Euro), und im März 2011 startete der 4,32 Meter lange edle Lexus CT 200h (ab 28 900 Euro). Doch der ist nicht, wie der Auris, quasi ein Prius mit einem anderen Hut, sondern ein wirklich eigenständiges Auto. Das beginnt schon damit, dass er auf einer völlig neuen Plattform steht und ein sehr aufwendiges Fahrwerk mit einer teuren Doppelquerlenker-Hinterachse besitzt. Gegen Aufpreis gibt es sogar spezielle Querdämpfer, welche Karosserievibrationen spürbar mindern. Und Motorhaube sowie Kofferraumklappe bestehen aus Alu – selten in dieser Klasse.

Trotz des schweren Nickel-Metallydrid-Batteriepacks wiegt dieser Lexus-Hybrid so nur 1445 Kilogramm. Bemerkenswert. Der zusätzliche Energiespeicher schränkt den Kofferraum zwar ein, doch man kann damit leben. Er ist zwar vergleichsweise flach, fasst aber dennoch inklusive des 42 Liter großen Fachs unter dem Ladeboden ordentliche 375 Liter. Nach Umklappen der Fondlehne gibt es eine ebene Ladefläche und eher bescheidene 975 Liter (VW Golf 1305 Liter). Der Platz im Innenraum gewährt vier Erwachsenen, die sich auch auf der Fondbank nicht als Sträflinge vorkommen, genügend Lebensraum.

Der Lexus ist nicht nur optisch ein ganz anderer Prius. Vor allem auch von der Wertigkeit her. Das beginnt schon beim satten Schließgeräusch der Türen, setzt sich fort über den wirklich gelungenen Innenraum, der eine Klasse edler wirkt als der des mit Hartplastik überladenen Prius. Gleiches gilt für die gut geformten Sportsitze und das weich geschäumte Cockpit mit den gut ablesbaren Uhren. Naja, irgendwo muss sich ja der Mehrpreis von gut 3000 Euro gegenüber dem Genspender Prius auch niederschlagen. Die Grundausstattung enthält alles Notwendige, inklusive gutem CD-Radio und Zweizonen-Klimaautomatik.

Fahrspaß? Den bietet der CT 200h. Nur ganz anders als man denkt. Da geht es nicht um rasante Sprits und ums Kurvenbolzen. Da geht es um die Freude am Sparen. Ja!!! Wer auf dem Display verfolgt, wie er mit seiner Fahrweise immer weniger vom teuren Saft verbrennt, der freut sich diebisch. Mehr, als über die letzten Zehntel Zeit, die er von A nach B rausgefahren hat. Es ist einfach so: Mit einem Hybrid muss man entweder anders fahren lernen, oder man lässt es lieber bleiben.

Wer öfters mal sportlich fährt, der sollte um diesen sparsamen Lexus (ebenso wie um seine günstigeren Brüder im Geiste) einen Bogen machen. Auch der jüngste Spross der wachsenden Hybrid-Familie besitzt den kompletten Antriebsstrang des Toyota Prius mit den zwei Antriebsherzen. Also einen 1,8-Liter-Benziner mit 99 PS sowie einen Elektromotor mit 82 PS; die so genannte Systemleistung beträgt 136 PS. Das reicht für vernünftige Fortbewegung: Spitze 180 und 10,3 Sekunden für den Sprint von Null auf Tempo 100. Verbrauch laut Werk 3,8 Liter Super pro 100 Kilometer. Rein elektrisch, falls die Batterie voll ist, kann der Lexus bis Tempo 45 rund zwei Kilometer weit fahren. Das genügt, jedenfalls für die leise Ausfahrt aus dem Grundstück zur Straße. Der CT 200h übernimmt all die Vorteile, aber auch die Nachteile des Prius.

Der Gravierendste? Die gewöhnungsbedürftige Automatik. Das stufenlose Getriebe nervt beim Zwischenbeschleunigen mit einem Gummibandeffekt, weil es einige Zeit dauert, bis akustischer Eindruck und tatsächlicher Tempozuwachs annähernd im Einklang stehen. Dieses Motoraufheulen unterdrückt zum Glück die gegenüber Prius und Auris viel wirksamere Geräuschdämmung des Lexus. Also freut man sich über geringe Verbräuche. Wir kamen auf unserer Testrunde auf 5,3 Liter. Gut, nicht? Dafür kauft man doch solch ein recht teures Auto, das bei besserer Ausstattung doch preislich auf Höhe eines Audi A3 und BMW Einser liegt. Und das sich locker über die 40 000-Euro-Schwelle hieven lässt.

Zum Schluss noch eine Erkenntnis, die sich auch auf andere Dinge des Lebens übertragen lässt: Weil der Vollhybrid so gut gedämmt ist, hört man das Reifenabrollgeräusch stärker als in anderen Autos. Wir fuhren die Topversion mit 17 Zoll sowie das Basismodell mit 15 Zoll. Und siehe da. Mit den kleineren Rädern war der Lexus leiser und komfortabler unterwegs. Auch hier ist also weniger letztlich mehr.

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