Maseratis Hannibal Lecter : Mission Zähne zeigen

Wolfgang Gomoll

Bevor Sie jetzt weiterlesen, vergessen Sie bitte alles, was Sie über Luxuslimousinen zu wissen glauben. Attribute wie „Hauptsache komfortabel“ sind out. Heutzutage muss auch der Fahrspaß stimmen, denn viele Fondpassagiere nehmen das Lenkrad auch gerne mal selbst in die Hand. Und dazu müssen die Autos auch noch gut aussehen. Verdammt gut.

Letzteres war ja nie das Problem des Maserati Quattroporte. Deswegen fallen die optischen Retuschen bei der Modellpflege der Limousine auch eher marginal aus. Das meiste hat sich an der Front getan. In den Scheinwerfern signalisieren jetzt LED-Leuchten den Willen zur Richtungsänderung. Statt waagerechter Lamellen zieren senkrechte Chromstäbe den Kühlergrill. Das hat was von Hannibal Lecters Maske, sieht aber gut aus und sorgt für Überholprestige.

Dass dem martialischen Auftritt auch Taten folgen, ist vor allem dem 4,7-Liter-V8-Motor der neuen Top-Version Quattroporte S zu verdanken, der hinter dem Kühlergrill nur darauf wartet, loszustürmen. Schließlich hat das Triebwerk eine Hubraumvergrößerung um einen halben Liter spendiert bekommen, was sich auf dem Papier in je 30 PS und Newtonmeter mehr niederschlägt – macht 430 PS und 490 Nm Drehmoment. Bereits nach 5,4 Sekunden ist die 100-km/h-Marke erreicht und erst bei 280 km/h ist Schluss. Die Folge: Selbst die Fahrer automobiler Platzhirsche aus Stuttgart und München räumen ehrfürchtig die rechte Spur, wenn man im Rückspiegel auftaucht.

Doch Kraftmeierei und Speed sind eine Sache, Agilität eine andere. Da sorgt eine fast ausgeglichene Achslastverteilung für gute Voraussetzungen. Verfeinert wird das Ganze durch das adaptive „Skyhook“-Fahrwerk. Die gelungene Abstimmung hat allerdings einen kleinen Haken. Die Agilität, mit der der schmucke Italiener um die Kurven wedelt, lässt einen bisweilen vergessen, dass man ein fünf Meter langes und zwei Tonnen schweres Gefährt bewegt. Dass selbst ausgefeilte Technik die Physik nicht komplett außer Kraft setzen kann, merkt man dann, wenn man zu ambitioniert in eine Ecke gehen will. Dann drängt das Gewicht der schweren Limousine nach außen und die Reifen lassen ein hochfrequentes Gejaule ertönen. Gut, dass der Quattroporte auch dann noch beherrschbar bleibt.

Spaß macht auch die Sechsgangautomatik von ZF. Mit ihr lässt es sich klassengemäß entspannt cruisen. Drückt man auf „Sport“, verringern sich die Schaltzeiten und die Fahrwerksabstimmung wird härter. Spätestens dann sollte man die Gangwechsel in die eigene Hand nehmen und die Wippen am Lenkrad benutzen. Bei dermaßen viel Freude am Fahren dürfte allerdings der von Maserati angegebene Durchschnittsverbrauch von 15,7 Liter etwas zu optimistisch sein.

Behaglichkeit verströmen auch die neuen Sportsitze, die zwar bequem sind, aber einen Schuss mehr Seitenhalt bieten könnten. Überhaupt: Im Gegensatz zum sehr sportlichen Auftritt ist das Interieur eher klassisch zurückhaltend. Die Bedienung des optionalen Bose-Navigationssystems ist zunächst verwirrend – nach fünf Minuten, ist das Konzept des Geräts aber durchaus einleuchtend. Ein Genuss die Sound-Anlage mit elf Lautsprechern. Ebenso wie das Poltrona-Frau-Leder der Innenausstattung. Beides ist übrigens serienmäßig an Bord. Aber das darf man bei einem Grundpreis von 123 350 Euro auch erwarten. Bleibt am Ende: Guter Geschmack ist teuer. Aber man kann über ihn nicht streiten. Wolfgang Gomoll

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