Auto : Matula und seine Alfa: Abschied vom Fall für Zwei

Wie alles begann: Matula schaffte einfach seine private Giulia an den Drehort.
Wie alles begann: Matula schaffte einfach seine private Giulia an den Drehort.

Er ist der Alfa-Mann des deutschen Fernsehens. Nicht nur, weil kaum ein Ermittler schon länger in Einsatz ist als Hermann Josef Matula. Sondern weil er in exakt 300 Folgen „Ein Fall für Zwei“ tatsächlich immer einen Alfa Romeo gefahren hat. Doch jetzt müssen sich die Italiener einen neuen Werbepartner suchen. Denn nach über 30 Jahren hat Matula diese Woche seinen letzten „Fall für Zwei“ und Schauspieler Claus Theo Gärtner hängt die Schlüssel seines Dienstwagens an den Nagel – fürs Erste zumindest.

Dass der ehemalige Polizist seine Karriere als Privatermittler an der Seite von Günter Strack alias Dr. Renz ausgerechnet in einem Alfa Romeo begonnen hat, sieht zwar nach genialer Werbung aus, ist aber purer Zufall. Denn „Product Placement“ war damals, als Anfang der Achtziger die erste Folge gedreht wurde, noch gar nicht erfunden. Stattdessen ist der ZDF-Crew unmittelbar vor den Dreharbeiten aufgefallen, dass der Hauptdarsteller gar keinen Wagen hat, erinnert sich Gärtner dieser Tage bei einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS): „Wir haben den nächsten Drehtag besprochen und sind über die Szene gestolpert die mit ‚Der Detektiv fährt mit dem Auto über eine Brücke’ beschrieben war“. Und plötzlich haben sich alle angeschaut und gefragt, mit welchem Auto denn?

Ein VW war zu langweilig, einen Porsche hätte sich der ehemalige Polizist zum Start seiner Karriere als Privatermittler nie leisten können, der vorgeschlagene Mini Cooper war dem Kameramann zu klein, weil er da nie seine Ausrüstung drin unterbekommen hätte. Weil die Entscheidung länger dauerte und die Zeit knapp wurde, brachte Matula irgendwann einfach seinen eigenen Wagen ins Gespräch, in dem noch das Gepäck vom Umzug aus Berlin an den Main steckte: „Dann nehmen wir doch einfach den, bis wir einen anderen haben“, sagt Gärtner und fährt deshalb schon in der ersten Folge im Alfa Giulia über den Bildschirm.

Die Anwälte an Matulas Seite haben zwar ein paarmal gewechselt und Dr. Markus Lessing ist für Gärtner schon Auftraggeber Nummer vier. Doch eines ist geblieben: Der Alfa. Nur ganz kurz fuhr Matula auch mal einen Audi 80, was Fans von Film und Firma mit einem Schulterzucken quittieren: „Wahrscheinlich stand der Alfa mal wieder in der Werkstatt. Warum sollte es einem TV-Star anders gehen als normalen Kunden“, unken die Fans im Internet.

Bei seinen 300 Einsätzen hat Matula jede Menge Requisiten angehäuft: 15 Lederjacken, 28 Paar Jeans und 25 Paar Lederstiefel stehen in der Garderobe, und jede Menge Alfas in der Garage. Denn nachdem Gärtners private Giulia bei einem Stunt zu Bruch ging, folgten eine Giulia Super Nova, ein T-Spark, der 156 und zuletzt der 159. Privat hatte er damals noch einen GTV Veloce in seiner Garage in Berlin stehen, heute nennt er sich stolzer Eigner des letzten Spider und fährt mit einem 159er Diesel durchs Rhein-Main-Gebiet. .

Aber nicht nur als Matula fährt Claus Theo Gärtner gerne schnelle Autos und einen heißen Reifen. Auch privat hat der Schauspieler einen echten Bleifuß und fuhr zum Beispiel zahlreiche Rennen im Porsche Supercup. Kein Wunder also, dass er sich auch am Set nie das Steuer aus der Hand nehmen ließ. Dabei musste er in seinen über 3.200 Drehtagen so manchen Stunt fahren. Schließlich sind während der Dreharbeiten nicht nur zehn Pistolen verschlissen worden, sondern auch über 80 Autos zu Bruch gegangen. Darunter auch die Giulia, die sich bei einem ungeplanten Unfall derart spektakulär überschlug, dass die Szene nachträglich noch ins Drehbuch übernommen wurde.

Zwar fährt Gärtner genau wie Matula die meiste Zeit Alfa und schwärmt bei jeder Gelegenheit von den rassigen Modellen aus Milano. „Für mich ist ein Alfa Romeo ein Auto, bei dem einfach alles stimmt." Vom Design bis zum Motor mit dem unverwechselbaren Alfa-Sound, lobt er seine Hausmarke. Doch sein erster Wagen war kein Italiener, sondern Franzose: Ein R4, mit dem er gleich nach Spanien fuhr, um ein Gitarrenkonzert zu hören. Solche langen Fahrten hat Gärtner immer mal wieder gemacht – die längste davon über 6.000 Kilometer bis nach Neu-Delhi.

Auch dass jetzt nach 300 Folgen Schluss ist mit Matula, liegt an einer Langstreckenfahrt, wenngleich er sie diesmal ausnahmsweise nicht mit einem Alfa in Angriff nimmt. Denn auch wenn er noch einen der letzten Alfa Spider in der Garage hat, schlägt Claus Theo Gärnters Herz im Augenblick vor allem für einen Mercedes Zwölftonner. Umgebaut zum Wohnmobil, will er mit dem jetzt erst einmal entlang der Seidenstraße China erkunden

Doch sehr zum Trost seiner Fans hat die letzte Sendung ein offene Ende und wenn Gärtner auf die Alfa-Pläne der nächsten Jahre schaut, kann er sich zumindest ein kurzes Comeback durchaus vorstellen, hat er gerade in einem Gespräch mit der FAS verraten: „Mit dem Alfa 4C würde ich mich schon noch einmal auf dem Bildschirm blicken lassen“. sppr

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben