Mazda 3 : Nein, es ist kein VW

Unterwegs im Alltag – heute mit einem Japaner, der sich in Wolfsburg nicht nur Freunde machen dürfte.

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Auf den ersten Blick…

stellen wir das Eigenlob in den Raum, mit dem der Designer sein Werk namens Mazda 3 kennzeichnet: „Subtile Aggressivität“. Gemeint ist vielleicht der breite Grill, über den die Stoßstange nahtlos in die Haube übergeht. Oder die scharfen Blechfalze, die nicht nur mitten auf der Motorhaube Spannung erzeugen. Von der Seite betrachtet ist der Mazda 3 die Summe angedeuteter Wellen – zu besichtigen auch im Inneren, wo sichelförmige Linien überkreuz laufen und so davon ablenken, wie gut und sauber das weich geschäumte Armaturenbrett verarbeitet ist.

Pluspunkte gibt es vor allem für…

den Erste-Minute-Effekt. Hundert Meter und Du weißt, mit dem machst Du nichts falsch. Führe man den Japaner mit verbundenen Augen, man dächte an den Einen aus Wolfsburg. Das Fahrwerk ist komfortabel, schluckt selbst auf Alt-Teptower Kopfstein alles, was es zu schlucken gibt. Zugleich aber erlaubt es sportliches Fahren, ohne in die Knie zu gehen. Bestenfalls in schnellsten Kurven macht das VW-Original eine bessere Figur. Der Zweiliter hat Biss, greift für einen Benziner früh an. Lenkung und Schaltung arbeiten weich, aber genau. Mit alledem ist der Dreier ausgesprochen langstreckentauglich – und Gepäck für die Reise fasst er dank 4,46 Meter Länge mehr als gedacht.

Weniger Charme hat…

der heimliche Zufallsgenerator, der entscheidet, bei welchem Ampelstopp das Start-Stopp-System funktioniert und bei welchem nicht. Im Ernst: Mal geht der Motor beim Auskuppeln aus, mal läuft er weiter. Die Liste der weiterer, kleinerer Schwächen beginnt mit den Sitzen. Deren Beinauflagen sind zu kurz. Die Regler für Heizung und Klima liegen schlecht erreichbar hinter dem Schalthebel. Arg dünn finden wir das Lenkrad; sehr schmutzempfindlich den Teppichbelag. Leider lässt sich nur grob regeln, wie hell die Cockpitbeleuchtung strahlt. Und das Bluetooth-Freisprechen klappt nur dann, wenn wir unser Nokia nach Fahrtbeginn aus- und wieder einschalten.

Das spannendste Detail…

ist (zum ersten Mal, seit es diese Rubrik gibt!) das Farb-Navi. Es hat zwar ein mickriges Display. Dafür ist es für ein fest installiertes System konkurrenzlos billig: 720 Euro. Verblüffend anders ist die Bedienung über ein kleines Rändelrädchen und Pfeiltasten am Lenkrad – klappt schon beim dritten Mal primstens.

Unterm Strich die richtige Wahl für…

alle, die einen Golf wollen, aber keinen Golf mögen – hier locken bei ähnlicher Ausstattung bis zu 2000 Euro Ersparnis. Der neue Mazda 3 ist Klassen besser als ein Vorgänger. Wer keine Selbstzünder mag, erwischt mit dem 151-PS-Otto einen guten Allrounder (7,6 Liter Testverbrauch). Das Start-Stopp-System macht sich gut im Prospekt. Das ein oder andere Entwicklerstündchen sollte man ihm aber noch gönnen. Eric Metzler

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