Mazda 3 : Sparen ohne Verzicht

Mazda spendiert seinem 3er einen Sparmotor und macht dabei vieles besser als die Konkurrenz.

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Der Mazda 3 sieht erfrischend anders aus in der recht uniformen Kompaktklasse.
Der Mazda 3 sieht erfrischend anders aus in der recht uniformen Kompaktklasse.Foto: Rainer Ruthe

Diese Transplantation war abzusehen. Vom Golf-Gegner Mazda 3 gibt es seit Juni auch eine Spar-Version: den Mazda 3 1.5 Skyaktiv mit einem neuen kleinen Diesel, der 105 PS leistet und nur 3,8 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen soll. Aber, anders als bei VW, ist das Sparen im Japaner nicht mit Verzicht verbunden. Zum Vergleich: Die Wolfsburger legen bei ihren Sparversionen unter der Bezeichnung BlueMotion die Karosserie um 1,5 Zentimeter tiefer und verbinden dies noch mit einem Sportfahrwerk, welches den Komfort verschlechtert. Außerdem verfügen sie über einen teilverkleideten Unterboden, einen Heckspoiler und einen nahezu geschlossenen Kühlergrill, um den Luftwiderstand zu optimieren. Unterm Strich sind diese Sparversionen dann viel teurer als die normalen Modelle. Das rechnet sich in manchen Fällen erst nach vielen Tausend Kilometern.

Die Japaner machen das cleverer. Sie pflanzen einfach einen ausgewiesenen Sparmotor in ein normales Modell ein und fertig ist die Spar-Version! Und die ist kein Verzichtsmodell. Als Handschalter beschleunigt der Mazda 3 in glatt elf Sekunden auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 185 km/h. Die Version mit der sehr empfehlenswerten Sechsstufen-Wandlerautomatik von Aisin spurtet in 11,6 Sekunden und erreicht maximal 181 km/h. Die Preise für den Mazda 3 mit dem 105 PS Diesel beginnen bei 23.190 Euro, mit Automatik verlangt Mazda 1800 Euro mehr. Damit ist der neue Spardiesel immerhin 4900 Euro günstiger als der ebenfalls noch verfügbare 150-PS-Selbstzünder mit 2,2 Liter Hubraum, der 0,3 Liter mehr verbraucht. Der große Diesel ist zwar 25 km/h schneller und benötigt für den Sprint von Null auf Tempo 100 auch 3,5 Sekunden weniger. Doch da die Wenigsten ständig auf Ampelsprints aus sind, reicht für die Meisten eigentlich der kleine und viel günstigere Diesel im Alltag aus.

Das Drehmomentmaximum von strammen 270 Newtonmetern liegt zwischen 1600 und 2500 Touren, die Leistung von 105 PS erreicht der Vierzylinder bei 4000  Umdrehungen pro Minute, und das Drehzahllimit liegt für einen Diesel bei extrem hohen 5500 Touren.

Einer der leisesten Diesel seiner Klasse

Trotz seiner „nur“ 105 PS hat dieses neue Triebwerk, das dank Alu-Block und Mini-Turbolader mit variabler Geometrie gegenüber dem größeren 2,2 Liter-Diesel 50 Kilogramm leichter ist, mit dem lediglich 1263 Kilogramm schweren Kompakten keine fühlbare Mühe. Der quirlige Selbstzünder dreht im Autoalltag locker und ohne große Vibrationen bis über 5000 Touren hoch. Das muss er jedoch gar nicht, denn schon ab 2000 Umdrehungen pro Minute ist der Diesel hellwach. Er hängt außerdem gut am Gas. Vor allem überzeugt die schön gleichmäßige Kraftentfaltung. Für Gleiter sind die recht lang übersetzten Gänge fünf und sechs das Richtige. Da gleitet man ab Tempo 70 tiefenentspannt auf der rechten Spur. Wer es flotter wünscht, muss das Gaspedal richtig durchtreten, dann geht es in höhere Geschwindigkeitsbereiche, allerdings mit einer gewissen Verzögerung.

Dank einer besonderen Steuerung von Einspritzmenge und -zeitpunkt über präzise Magnet-Injektoren sowie neuartiger dynamischer Dämpfer in den normalerweise hohlen Kolbenbolzen gehört der kleine Vierzylinder zu den leisesten Dieselmotoren seiner Klasse. Und zu den sparsamsten außerdem: In Verbindung mit dem Sechsgang-Schaltgetriebe gibt Mazda den Normverbrauch mit 3,8 Litern pro 100 Kilometer an, und selbst mit der Sechsstufen-Automatik sind es noch respektable 4,4 Liter je 100. Und im Alltag? Auf einer ersten Testrunde erwies sich die Maschine in der Tat als recht genügsam. So waren es – bei bewusst vorausschauender Fahrweise – nur 4,8 Liter Diesel pro 100 Kilometer! Und auch die 5,4 Liter im Schnitt, welche der Japan-Dreier mit der sanft schaltenden Wandlerautomatik auf der zweiten Testrunde verbrauchte, können sich im Kompakt-Segment sehen lassen.

Mazdas Dreier fährt sich auch mit dem kleinsten Diesel wie ein Großer.
Mazdas Dreier fährt sich auch mit dem kleinsten Diesel wie ein Großer.Foto: Rainer Ruthe

Wichtig angesichts des derzeitigen Abgasskandals ist dieser Umstand: Der kleine Mazda-Diesel erfüllt auch ohne aufwendige Abgasnachbehandlung per NOx-Kat oder per Harnstofflösungseinspritzung in den Abgasstrang die Abgasnorm Euro 6. Das funktioniert so: Der nur 1,5 Liter große Diesel, der erstmals im Mazda 2 eingesetzt wurde und seit kurzem auch im Mini-SUV CX-3 werkelt, weist für einen Selbstzünder ein extrem niedriges Verdichtungsverhältnis von 14,8:1 auf. Das erlaubt gegenüber konventionellen Dieselmotoren einen früheren Einspritz- und damit einen früheren Verbrennungsbeginn. Damit wird die im Diesel enthaltene Energie besser genutzt. Außerdem ergibt sich eine homogenere Verbrennung ohne Hochtemperaturbereiche und Sauerstoffmangel. Das Mazda-Aggregat emittiert deshalb deutlich weniger Stickoxide und produziert so gut wie keinen Ruß. Zu den weiteren Besonderheiten zählen ein ausgeweiteter homogener Magerbetrieb, eine verringerte mechanische Reibung sowie spezielle Isolierungstechnologien, die den Anstieg von Kühlverlusten begrenzen, der mit der kleinen Motorgröße üblicherweise verbunden ist. Geradezu genial, was die Mazda-Techniker sich da ausgedacht haben.

Der Kompakte überzeugt in Sachen Platzangebot

Anders machen es die Designer auch bei der Hülle. Der Mazda 3 sieht erfrischend anders aus in der recht uniformen Kompaktklasse, in der nur wenige mit eigenem Charakter daher kommen. Über große Türen gelingt der Einstieg in den Mazda 3 recht bequem. Die Sitze sind allerdings recht tief verbaut und so ist der Ausstieg etwas beschwerlicher. Dafür kann der Kompakte in Sachen Platzangebot durchaus überzeugen. Auch Sitzriesen werden in diesem Japaner keine Platznot verspüren. Das liegt vor allem an der großen Innenbreite. Für die Kompaktklasse ergeben sich links und rechts ungewohnte Freiräume, welche das Raumgefühl spürbar verbessern

Mazdas Dreier fährt sich auch mit dem kleinsten Diesel wie ein Großer, der auch auf Langstrecken ein guter stressfreier Begleiter ist. Er federt straff, aber mit viel Gefühl, so dass man gut aufgehoben ist. Die präzise Lenkung und das sportlich ausgerichtete Fahrwerk machen auch Kurvenfahrten zum Vergnügen.

Der günstigste Dreier-Diesel ist mit 23.190 Euro in der höheren Center-Ausstattung allerdings heftige 5500 Euro teurer als der 100 PS starke Benziner, weil es den bereits in der Basis-Ausführung Prime gibt. Die Stufenheck-Version des Mazda 3 D 105 kostet 500 Euro mehr als das Schrägheck. Für das schicke Sports-Line-Topmodell verlangt Mazda 26.390 Euro, inklusive Einparkhilfe vorne und hinten, Rückfahrkamera, Leichtmetallfelgen, Bi-Xenon-Scheinwerfern und einem deutlich höherwertigen Innenraum. Das Dauer-Sondermodell "Nakama" für 25.190 Euro wartet darüber hinaus mit titangrauen 18-Zoll-Alurädern, Bi-Xenon-Scheinwerfern, Alcantara-Leder-Sitzen mit Sitzheizung und Spurassistenten auf.

Übrigens: Das japanische Wort Nakama bedeutet auf Deutsch "Gefährte". Und der Mazda 3 ist auch mit dem kleinen Diesel ein guter. Kein Durchreißer, aber auch kein Langweiler. Einfach ein verlässliches Auto ohne Allüren. Und für kühl rechnende Sparfüchse so eine ernst zu nehmende Alternative zu den Sparmodellen von Golf und Co, für all jene, die einfach ein anderes Auto fahren wollen.

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