Mazda : Konzept gut, Erfolg mäßig

Mazda hat enormen Aufwand für seine schnelle Start-Stop-Automatik getrieben. Der neue Mazda 3 i-Stop enttäuscht trotzdem – der Wille zum Sparen ging auf halber Strecke verloren.

Sven Jürisch

Ohne Verbrennung kein Verbrauch. Auf diese einfache Formel kann man den Erfolg der Start-Stop-Anlagen bringen. Denn wann immer der Verbrennungsmotor ausgeschaltet wird, benötigt dieser auch keinen Kraftstoff und macht auch keinen Lärm. Das schont die Umwelt und die Nerven. Sinn machen diese Systeme jedoch nur dann, wenn sie nahtlos in das Fahrzeugkonzept integriert sind und sich einfach bedienen lassen. Dazu zählt neben einem unterbrechungsfreien Betrieb von Heizung, Lüftung und Navigation auch der sichere und schnelle Neustart des Motors. Mazda hat mit seinem ersten Start-Stop- Modell, dem Mazda 3 i-Stop, dieser Problematik besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Mit einem Bündel von Maßnahmen erreichen die Japaner, dass der neu konstruierte 2,0 Liter Vierzylinder Direkteinspritzer innerhalb von nur 0,35 Sekunden seine Arbeit aufnimmt. Das ist etwa die Hälfte der Zeit, die ein herkömmliches System benötigt. Die Grundlage für die Optimierung liegt in der exakten Positionierung der Kolben beim Abstellen des Motors. Ein Sensor misst dabei die Stellung der Kurbelwelle und rechnet blitzschnell aus, welcher Zylinder für den Startvorgang am Besten geeignet ist. Dieser verharrt dann im Arbeitstakt, bis der Motor wieder angelassen wird. Etwaige Fehlstellungen der Kurbelwelle und damit auch der Zylinder korrigiert die Lichtmaschine über ein geregeltes Bremsmoment. Zum Anlassen des Motors wird zunächst nur in dem optimal eingestellten Zylinder eine Zündung eingeleitet. Der 2,0 Liter startet mithin als Einzylinder, um dann binnen Sekundenbruchteilen als Vierzylinder weiterzulaufen. Dem Anlasser kommt bei diesem Startvorgang lediglich eine unterstützende Wirkung zu, da der Motor theoretisch auch durch die innermotorische Zündung gestartet werden könnte.

In der Praxis macht sich der hohe technische Aufwand deutlich bemerkbar. Nach Erreichen der Betriebstemperatur stoppt der Motor ohne lästiges Schütteln beim Stillstand des Autos und gleichzeitigem Auskuppeln. Beim Betätigen des Kupplungspedals startet der Motor ohne Zögern. Selbst extrem zügiges Kuppeln bei gleichzeitigem Einlegen des ersten Ganges bringt das System nicht durcheinander. Dabei laufen dank einer zweiten Batterie sämtliche elektrisch betriebenen Aggregate ohne störende Unterbrechung weiter. Lediglich die Kühlung der Klimaanlage wird aufgrund des ausgeschalteten Klimakompressors unterbrochen. Bei Gefällestrecken und in der Warmlaufphase schaltet sich das i-Stop-System selbsttätig aus, um die Sicherheit und die rasche Erwärmung des Abgasreinigungssystems zu gewährleisten. Zusätzlich erkennt das System Einparkvorgänge durch eine Vielzahl von Sensoren automatisch und unterbindet dann den Stop des Motors. Wer auf die Funktion der Start-Stop-Anlage komplett verzichten möchte hat zudem die Möglichkeit, die Anlage durch einen Knopf am Armaturenbrett auszuschalten.Trotz dieser gelungenen Abstimmung und eines optimierten Katalysators sieht die Ökobilanz des kompakten Japaners nur durchschnittlich aus. Zwar erreicht der Mazda 3 i-Stop die Euro-5-Norm, stößt mit 159g/km jedoch mehr CO2 aus als ein in der Leistung vergleichbarer Volkswagen Golf 1,4 TFSI. Dabei wäre ein besseres Ergebnis mit schmalen Leichtlaufreifen statt der montierten 205er Breitreifen und anderen Maßnahmen möglich gewesen.

Angesichts dieses halbherzigen Bekenntnisses zum Energiesparen verwundert es auch nicht, dass der Verbrauch des Mazda 3 nur wenig unterhalb der Wettbewerber liegt. Die optimistische Werksangabe von nur 6,8 Litern auf 100 km dürfte zudem für die meisten Nutzer von theoretischer Bedeutung sein. Denn wer sich für den bei Bedarf immerhin 206 km/h (Viertürer 212km/h) schnellen 3er entscheidet, erwirbt einen Kompakten, der mit seinem kraftvollen Motor für den zügigen Langstreckenbetrieb prädestiniert ist. Käufer, die Wert auf einen geringen Verbrauch und auf niedrige Unterhaltskosten legen, werden vermutlich wenig Gefallen an dem 151 PS starken Japaner finden.

Es bleibt daher abzuwarten, welchen positiven Effekt das neue Mazda System auf die kleinvolumigen Motoren des Herstellers haben wird. Sukzessive sollen nach dessen Angaben binnen Jahresfrist sämtliche Benzinmotoren als Direkteinspritzer auf den Markt kommen. Mit deren Einführung dürfte sich auch der derzeit hohe Anschaffungspreis von mindestens 22 600 Euro für einen fünftürigen Mazda 3 i-Stop (Stufenheck 23100 Euro) in der gut ausgestatteten High-Line-Version auf ein erträgliches Maß reduzieren.

Sven Jürisch

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