Mercedes : AMG macht auf grün

In Paris steht er bei den Traumwagen – wir haben den neuen CL63 AMG vorher probiert. Der Wagen zeigt exemplarisch, wie Mercedes den Durst seiner Boliden dramatisch reduziert.

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Zuweilen sind schon einfache Vergleiche höchst aufschlussreich: Für einen Opel Insignia mit 3,2 Liter großem V6 Turbo und 260 PS gibt Opel einen Normverbrauch von 11,2 Litern pro 100 Kilometer an. AMG nennt 0,7 Liter weniger für ein Modell, das von einem 571 PS starken und 5,5 Liter großen Achtzylinder-Biturbo angetrieben wird. Bei einer Probefahrt im realen Leben gönnte sich der AMG mit 13,8 Litern zwar etwas mehr als in der Liste angegeben. Aber angesichts eines Drehmoments von 900 Newtonmeter, das nur wenige Getriebe auszuhalten vermögen, wird darüber wohl kein Anwender enttäuscht sein.

Dieser neue AMG-Motor, der normal 544 PS und mit dem Performance Package 571 PS (bei nahezu gleichem Verbrauch) leistet, ersetzt das alte 6,3 Liter große Aggregat, das dem CL seine Bezeichnung gab. Und wie: 46 PS mehr Leistung, aber 3,9 Liter weniger Verbrauch. Der technische Aufwand dafür war beim Direkteinspritzer erheblich: Unter anderem Piezo-Injektoren mit bis zu fünf Einspritzungen pro Arbeitstakt und bis zu fünf Zündfunkern innerhalb einer Millisekunde – dahinter steckt ein komplexes, rechnergesteuertes System, von dem der Fahrer nichts mitbekommt. Er genießt den brachialen Schub des V8. Natürlich kann man auch im CL die ganz brave Nummer abziehen: gleiten, federn, beeindrucken. Das serienmäßige Aktivfahrwerk ignoriert Straßengemeinheiten und lässt sogar die schiere Masse des Luxuscoupés irgendwie ins Nirvana verschwinden. Wer 1808 Euro zahlt, bekommt zwei brandneue Fahrhilfen im CL: den aktiven Spurhalte- und den aktiven Totwinkel-Assistenten. Ersterer warnt den Fahrer bei einer durchgezogenen Linie zunächst per Warnsignal, wenn er von der Spur abkommt. Reagiert er nicht, bringt das System das Auto per gezielten Bremseingriff wieder zurück auf die richtige Linie. Ähnlich beim Totwinkel-Assistenten. Wird es beim Spurwechsel zu eng, bremst sich das Auto ebenfalls auf die sichere Linie zurück. Das funktioniert automatisch und super. Willkommen im teuren Land des betreuten Fahrens auf höchstem Niveau!

Der Powerwillige indes wundert sich an jeder Kreuzung über die Hochleistungsmaschine, wenn diese plötzlich abstirbt: Das serienmäßige Start-Stopp-System funktioniert perfekt. Es steht allerdings zu befürchten, dass die Amis damit so ihre Probleme haben werden, und ihren Händler nerven, weil das Auto kaputt sei...

Der Spaß für so viel Kraft durch Technik endet am Tresen des Händlers: 160 769 Euro kostet der CL 63 AMG, dessen facegeliftete Version Ende September auf gut Betuchte wartet. Das von uns gefahrene Modell mit dem Performance Package kostet noch einmal 9401 Euro mehr. Aber das sind in diesen Regionen ja Peanuts. So ungerecht ist die Welt. Übrigens: Jeder vierte CL ist ein AMG.

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