Mercedes C-Klasse : Die neue Kraft

Nein, das typische Daimler-Understatement ist nicht mehr ihre Sache. Die neue C-Klasse von Mercedes zeigt Muskeln, aber auch Stil. Für den Konzern ist es die wichtigste Neuvorstellung des Jahres.

Markus Mechnich
Mercedes C-Klasse
Mercedes

Stuttgart – Eine "neue Vielfalt" kündigte Daimler-Chrysler-Vorstand Dieter Zetsche bei der Präsentation der neuen C-Klasse im Januar an und in der Tat hat der Bestseller unter den Mercedes-Modellen eine Masse an Kundenansprüchen zu erfüllen. Deshalb haben die Entwickler der Marke mit dem Stern so intensiv getüfftelt, getestet und bei Kunden nachgefragt wie niemals zuvor. Die C-Klasse ist nicht nur der meistverkaufte Mercedes überhaupt sondern vor allem Imageträger für den Gesamtkonzern. Nach Qualitätskrisen, massiver Kundenkritik und Absatzschwächen vor wenigen Jahren musste diesmal alles klappen mit dem neuen Modell. Ausreichend Potential dazu hat die neue C-Klasse jedenfalls.

Individualität durch drei Modelllinien

Das wichtigste vorab: mit drei Ausstattungslinien versucht Mercedes den Spagat zwischen Sportlichkeit und Luxus. Das kommt einer kleinen Kulturrevolution gleich, denn die verschiedenen Linien unterscheiden sich äußerlich sowie technisch und gehen damit einen Schritt weiter als bisher. Die Modellreihe "Avantgarde" trägt den Stern nicht mehr auf der Haube sondern im Kühlergrill. Was bisher im Reich des Sterns nur Roadstern und Cabrios vergönnt war, kommt mit der neuen C-Klasse inklusive. Die anderen beiden Modelllinien, "Classic" und "Elegance", tragen den Stern wie gewohnt auf der Haube. Neben solchen Äußerlichkeiten zeigen die drei Varianten auch einen Trend aus Stuttgart auf: Nicht alles wird Sport. Gegen den Trend der immer sportlicher werdenden Premium-Automobile setzt Mercedes auf die alten Stärken Komfort und Eleganz.

Auf den ersten Blick gibt sich die neue C-Klasse jedoch zunächst auch dem sportlichen Design hin. Die Kotflügel sind breiter ausgestellt, die Schnauze samt Frontschürze mit integrierten Nebelscheinwerfern weiter nach unten gezogen und die vorderen Scheinwerfer ziehen sich in Kotflügel und Motorhaube. Zusammen mit der sich nach vorne zuspitzenden Front ergibt sich ein harmonischer, aber vor allem dynamischer Gesamteindruck. Das Linienspiel haben die Designer durch den Innenraum bis zum Heck durchgehalten, das recht hoch gestellt ist und einen würdigen Abschluss bildet.

Sicherheit im Vordergrund

Besonderen Wert legte Mercedes auf den Punkt. Aktive und passive Systeme sollen Fahrgastsicherheit deutlich erhöhen. Dazu dienen vier unabhängige Aufprallebenen in der Frontpartie ebenso wie das System "Agilty Control" zur Verbesserung des Fahrverhaltens. Damit werden unter anderem die Stoßdämpfer der aktuellen Geschwindigkeit und Fahrsituation angepasst. Das System "Pre-Safe" erkennt brenzlige Situationen und unterstützt mittels ESP und Vorbefüllung der Bremszylinder die Entschärfung. Aber auch mehr Airbags sollen die Insassen schützen. Auf der Fahrerseite gibt es zusätzlich "Kneebags" im Beinbereich und auf jeder Seite spannen sich bei einem Aufprall "Windowbags" über die gesamte Innenseite der Fenster. Aktive Kopfstützen, Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer runden die elektronische Sicherheit im Innern ab.

Im Innenraum unterscheiden sich die drei Modelllinien wahrscheinlich am meisten. Gemein ist ihnen aber der Multifunktionsknopf in der Mittelkonsole. Wie bei der S-Klasse soll er die Bedienung des ziemlich gewachsenen Farbdisplays erleichtern. Das Display kann allerdings auch weg geklappt werden, ohne Radio oder Navigationssystem abzuschalten. Ansonsten beherrschen klassische Rundinstrumente mit so genannter Black-Panel-Technik die Anzeigen. Die meisten Funktionen sind dadurch nur beim Anlassen und bei der entsprechenden Funktion sichtbar. Ansonsten verschwinden sie im Schwarz des Hintergrundes. Stoffe, Farben und Verkleidungsfarben richten sich dann nach der Modelllinie und dem Geschmack des Käufers.

Mercedes setzt auf Kompressor

Bei den Motoren vertraut Mercedes weiter auf die bewährte Kompressor-Technik. Das Angebot an Aggregaten wurde für das neue Modell grundlegend überholt. Die beiden "kleinen" Vierzylinder-Motoren aus dem C180 und C200 bieten mit 156 und 184 PS Leistungszuwächse von etwa fünf Prozent. Die Diesel-Modelle haben ebenfalls an Leistung zugelegt. Auch hier sind zwei Vierzylinder zu haben mit 136 (C200 CDI) und 170 PS (C220 CDI). Das Top-Modell C320 CDI leistet 224 PS und kann mit stolzen 510 Newtonmeter bei 2000 Umdrehungen aufwarten. Im Herbst soll die Motorenpalette noch mal deutlich aufgestockt werden. Unter anderem mit zwei weiteren Sechszylinder-Benzinern und einem Diesel-Motor. Trotz dem Plus an Leistung sollen alle Motoren die Verbrauchswerte zumindest gehalten oder sogar leicht gesenkt haben. Die Praxis muss diese Aussage des Herstellers noch beweisen.

Wie weit sich die vielen Neuerungen zu einem harmonischen Gesamteindruck verdichten müssen die ersten Tests der C-Klasse beweisen. Der erste Eindruck ist viel versprechend. Sollten die Stuttgarter das Versprochene auch in der Praxis halten können, dürfte die Marke von mehr als zwei Millionen verkauften C-Klassen der dritten Generation mit Sicherheit überboten werden. Zumal der Einstiegspreis von knapp 30.000 Euro gehalten werden soll.

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