Mercedes E-Klasse Cabrio und Coupé : So oder so, das geht ins Geld

Mercedes komplettiert die geliftete Familie E. Nach der Limousine folgen nun das Cabrio und das Coupé. Dabei machen die Schwaben einem die Wahl nicht leicht. Eine erste Begegnung.

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Das Coupé ist die deutlich günstigere Alternative. Aber bei den Kunden kommt das E-Klasse Cabrio besser an, obwohl es deutlich teurer ist.
Das Coupé ist die deutlich günstigere Alternative. Aber bei den Kunden kommt das E-Klasse Cabrio besser an, obwohl es deutlich...Foto: Hersteller

Rechtzeitig zur neuen Frischluftsaison hat Mercedes neben dem Coupé auch das Cabrio optisch an die überarbeitete E-Klasse-Familie des Jahres 2013 angepasst. Seit zwei Wochen können die beiden Neuen beim Händler bestaunt werden und sicher auch Erstaunen bei der Preisgestaltung auslösen.

Steigen wir ein. Zuerst in das Coupé. Mit der neuen E-Klasse-Front macht es gleich viel mehr her, wirkt sehr dynamisch. Serienmäßig leuchten LED-Abblendlampen, für 1726 Euro handelt es sich sogar um elektronisch gesteuerte Voll-LED-Leuchten – neu in dieser Klasse. Innen wartet auf die Passagiere ein mit edlen Materialien fein ausgeschlagenes Cockpit. Damit man sich nicht ungebührlich verrenken muss – das Durchschnittsalter aller Mercedes-Kunden ist mit 58 immerhin das höchste im Premiumbereich –, reicht den vorderen Passagieren ein Gurtbringer den Sicherheitsgurt.

Daimler schaltet sieben Gänge durch

Auch bei den Motoren darf aus dem Vollen geschöpft werden: sechs Benziner von 184 bis 408 PS und drei Diesel von 170 bis 252 PS, die bis auf die jeweiligen Basistriebwerke allesamt serienmäßig mit einer Siebengangautomatik gekoppelt sind. Doch die Weltspitze ist bereits besser: BMW hat eine Achtstufenautomatik und Range Rover kommt mit der ersten sparsamen Neunstufenautomatik.

Wir wählen die zwei neuen Benziner; den E 250 mit Zweiliter-Vierzylinder und 211 PS (ab 47 362 Euro) sowie den E 400 mit Dreiliter-Bi-Turbo-V6 und 333 PS (ab 56 109 Euro). Zuerst der kleine, der auf dem Papier eine sehr gute Figur macht: Bereits ab 1200 Touren wuchtet er 350 Newtonmeter auf die Kurbelwelle, beschleunigt das Coupé in 7,5 Sekunden auf 100 km/h, schafft 250 Spitze und soll nur 5,7 Liter pro 100 Kilometer verbrauchen.

Üppiger Aufpreis für den V6

Im realen Leben enttäuscht er, denn die auf Sparen und Euro 6 ausgelegte Motorelektronik zwingt ihm einen Rentnerstatus auf. Selbst im Sportmodus – der Benz startet immer im noch stärker eingebremsten Ecomodus – nimmt sich die Siebengangautomatik erst eine ganz kurze Auszeit, bevor sie die passenden Gänge sortiert. Blitzschnelle Zwischenspurts? Eher nicht: Mit Eingriffen über die Schaltpaddel wird es besser, aber dennoch nicht so gut wie bei der Premiumkonkurrenz.

Die Basis für die beiden Modelle bildet, wie schon beim Vorgänger, die C-Klasse. Das macht sich beim Platzangebot, nicht aber beim Preis bemerkbar.
Die Basis für die beiden Modelle bildet, wie schon beim Vorgänger, die C-Klasse. Das macht sich beim Platzangebot, nicht aber beim...Foto: Hersteller

Schade, denn das sehr gute Fahrwerk und die präzise Lenkung sind Spitze. Am Ende des Tages stehen 10,1 Liter auf dem Bordcomputer; bei eher gemäßigtem Cruisen. Deutlich besser geht der 333-PS-V6 zur Sache (480 Newtonmeter von 1400 bis 4000 Touren, in 5,2 Sekunden auf 100 km/h, 250 Spitze, 7,4 Liter pro 100 Kilometer); braucht im Alltag kaum mehr Sprit als der Vierzylinder, kostet aber gleich 8746 Euro mehr.

Offen fahren ohne Reue

Apropos mehr. Das Cabrio wiegt gut 140 Kilogramm mehr als das Coupé, und die gut 1,9 Tonnen machen dem 211-PS-Benziner ganz schön zu schaffen. Da hilft nur eines: Im Kopf den Gleitmodus einschalten und diese E-Klasse als Mittel der Entschleunigung aus dem hektischen Alltag nutzen. In 20 Sekunden (und bis Tempo 40) öffnet das aufwendige dick gefütterte Stoffdach. Dann sich vom warmen Schal Airscarf Luft in den Nacken blasen lassen – und das Wetter kann einem egal sein, so lange es nicht Strippen regnet. Automatisch regelt der Aircap, ein cleverer Windabweiser oben auf dem Scheibenrahmen, die Luftströmung, so dass bis 120 km/h ohne Reue, aber mit Freude offen gefahren werden kann. Da macht dieser ebenso komfortable wie leise Benz eine richtig gute Figur; und die Passagiere vergessen, wie teuer das Ticket für das Offenfahren zu viert war.

Die Schwaben machen es Betuchten nicht leicht bei der Wahl. Bis auf die Dachkonstruktion und die damit verbundenen Vor- und Nachteile einer festen Haube oder einem beweglichen Bascap sind Coupé und Cabrio nämlich technisch nahezu gleich – und doch sehr verschieden in ihrem Wesen. Das Coupé ist das praktischere Auto und obendrein das sportlichere. Und doch haben sich bislang drei Viertel für das teurere und engere Cabrio entschieden.

Übrigens: Die gewollte Sportlichkeit mit der erhofften Strahlkraft auf jüngere Klientel kommt im realen Leben allerdings nur bedingt an. Nicht nur wegen des Rentnersparmodus im Antriebssystem. Die „grenzenlose Individualisierung“ treibt den Endpreis schnell in die 80 000er–Region hoch – willkommen im Klub der gut betuchten Graumelierten.

Modellpolitik bei Daimler - Der Schein trügt: Was E und was C ist

Wo die teure E-Klasse drauf steht, ist real nur die nicht ganz so teure C-Klasse drin. Coupé und Cabrio gehören zwar optisch zur E-Klasse-Familie, technisch bauen sie aber auf der kleineren C-Klasse-Plattform auf. Das beweisen klar kürzerer Radstand und geringere Innenbreite. Doch gegenüber dem aktuellen C dürfen die als E verkleideten, überarbeiteten Modelle bereits jetzt die supermodernen Sicherheitssysteme nutzen, welche auch die gerade vorgestellte S-Klasse in sich trägt, die Ende des Jahres startet. Bis zu elf brandneue oder verbesserte Assistenzsysteme sind es, die sogar an Kreuzungen mittels neuartiger Stereokamera Querverkehr und Fußgänger erkennen. Damit gehören Stuttgarter Coupé und Cabrio derzeit zu den sichersten Autos dieser Klasse. 2014 wird es interessant, denn dann kommt die neue C-Klasse. Ein Jahr später folgen die brandneuen Versionen von Coupé und Cabrio – und dann wird es richtig spannend, wie es bei diesen beiden Modellen weitergehen kann.

Sport, leicht - SL in seiner schönster Form
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