Mercedes E-Klasse : Schlau wie nie zuvor

Die neue E-Klasse ist die wichtigste Neuheit der Detroit Motor Show. Um wieder Klassenbester zu werden, hat sich Mercedes mächtig ins Zeug gelegt.

Paul Mühlenweg
Schön, stark und ganz schön selbstständig. Die Mercedes E-Klasse will neue Maßstäbe im Segment der oberen Mittelklasse setzen. Dazu hat Daimler seinen Business-Dampfer mit sehr viel Technik und neuen Motoren aufgerüstet. Optisch nähert sich das Auto der höher positionierten S-Klasse an.
Schön, stark und ganz schön selbstständig. Die Mercedes E-Klasse will neue Maßstäbe im Segment der oberen Mittelklasse setzen....Foto: Hersteller

Mit Understatement hat man es bei Mercedes nicht so. Wer schon im Marken-Claim "Das Beste oder nichts" verspricht, der muss dann wohl auch liefern. Und Mercedes liefert durchaus in den vergangenen Monaten. Das zeigt alleine schon ein Blick zurück auf die letzte E-Klasse-Generation, die erst 2012 mit einer sehr großen Überarbeitung zur Hälfte ihres Lebenszyklus ein gänzlich neues Gesicht bekam. Überhaupt fährt Daimler mit seiner Pkw-Sparte auf der Überholspur. Mit 1,99 Millionen verkauften Fahrzeugen stellte Mercedes einen neuen Verkaufsrekord auf. Auch das Plus von 14,4 Prozent ist beeindruckend.

Damit die Welle des Erfolgs nicht abebbt soll ab April die neue E-Klasse mit anpacken. Und damit diese in ihrem Segment, der oberen Mittelklasse wieder der Maßstab wird hat man dem Auto ein wahres Feuerwerk an technischen Innovationen verpasst. Zunächst mal ganz klassisch, aber eine echte Neuheit ist die serienmäßige Neungang-Automatik. Zwar gibt es schon von ZF eine Neungangschaltung bei manchen Herstellern. Aber Daimler entwickelt seine Getriebe selbst und daher darf man vom Nachfolger des bisherigen Siebengang-Getriebes einiges erwarten.

Auch bei den Motoren hat sich was getan. Aushängeschild, weil besonders sparsam, ist der neue "kleine" Diesel mit der Bezeichnung E 220d. Für den 195 PS starken Motor verspricht Mercedes einen Verbrauch von 3,9 Liter auf 100 Kilometer in der Norm. Damit würde die E-Klasse mit einem CO2-Ausstoß von 102 Gramm fahren, was für ein Auto dieser Größe - die Länge beträgt 4,92 Meter - durchaus beeindruckend ist. Der Radstand ist übrigens um sieben Zentimeter gewachsen, was die schon vorher nicht bescheidenen Platzverhältnisse nochmals verbessern soll.

Das Highlight sind weniger die Motoren

Angekündigt sind weiterhin ein Plug-in-Hybrid mit einem Normverbrauch von 2,1 Liter und später soll ein zweiter Hybride mit 48-Volt-Bordnetz folgen. Auch eine Erdgasumrüstung will Mercedes wieder ins Programm nehmen, wahrscheinlich um Taxifahrer zurück zu gewinnen, von denen immer mehr derzeit lieber Toyota Prius fahren. Neben gleich drei AMG-Varianten mit sehr viel Leistung steht auch ein neuer Einstiegsbenziner mit 184 PS Leistung und einem ebenfalls recht ordentlichen Normverbrauch von 5,9 Liter zum Verkaufsstart zur Verfügung.

Die eigentlichen Highlights sind aber weniger die Motoren. Diese Zeiten sind auch bei Daimler vorbei. Vielmehr will die zehnte Generation der Baureihe mit intelligenten Assistenzsystemen punkten. Die neue E-Klasse bietet einen „Drive Pilot“ an, der dem autonom fahrenden Auto sehr nahe kommt. Künftig soll die Limousine minutenlang ohne einen Eingriff des Fahrers unterwegs sein können. Zumindest auf der Autobahn und bis zum Tempo 210. Mit einem Fingertipp kann der Fahrer bis zu 130 km/h das Auto sogar veranlassen selbstständig zu überholen. Dass überhaupt noch eingegriffen werden muss liegt lediglich an den derzeit geltenden gesetzlichen Bestimmungen.

Für eine bessere Orientierung kommuniziert das Auto über einen Server im Internet auch mit anderen Fahrzeugen. Daneben kann das Fahrzeug mit dem Smartphone geöffnet werden. Besonderer Clou auch beim Einparken: Die E-Klasse kann, ähnlich wie der neue Siebener von BMW, auch von außerhalb des Fahrzeugs eingeparkt werden. Anders als bei BMW aber nicht mit einem speziellen Schlüssel sondern ebenfalls vom Smartphone aus.

Innovative Touchpads

Wie nahe die E-Klasse zur S-Klasse aufrückt, zeigt auch das Cockpit. Wie bei der großen Limousine mit dem Stern hat nun auch die E-Klasse zwei riesige Displays im Format 12,3 Zoll als Cockpit und über der Mittelkonsole, die von einer gemeinsamen Mineralglas-Scheibe abgedeckt werden. Dazu lässt sich noch einiges an Hightech über die Liste der Sonderausstattungen dazu bestellen. Eine Soundanlage von Burmester etwa, die speziell für die E-Klasse entwickelt wurde. Richtig innovativ sind auch die beiden Touchpads, die links und rechts am Lenkrad positioniert sind. Damit lassen sich so gut wie alle Funktionen im Cockpit und des Infotainmentsystems steuern. Der Fahrer muss die Hände nicht mehr vom Lenkrad nehmen. Darüber lässt sich übrigens auch die Anwesenheit signalisieren, damit der Autopilot nicht weiter Alarm schlägt. Siehe gesetzliche Bestimmungen oben.

Den in der Regel schmerzhaftesten Teil hat Mercedes in Detroit übrigens nicht erwähnt: Die Preise für die neue E-Klasse wurden noch nicht bekannt gegeben. Zu erwarten ist aber, dass das Basismodell im Preis halbwegs stabil bleiben dürfte. Wer allerdings die ganzen schönen Hightech-Angebote bestellt, der dürfte sicherlich unterm Strich einen Preis finden, der dem der S-Klasse in kaum etwas nachsteht. Wie lange der Maßstab hält, den die E-Klasse aufstellt wird sich im Herbst zeigen. Dann kontert BMW mit einem neuen Fünfer.

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