Mercedes GLC als Nachfolger des GLK : Geföhnt ins Gelände

Als kantenloser Schönling fährt der Mercedes GLC in der neuen SUV-Nomenklatur von Daimler zwischen GLA und den M-Klasse-Nachfolger GLE. Es gibt ihn vom Start weg auch als Plug-in-Hybrid.

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Rundlich statt kantig ins Rampenlicht - der Mercedes GLC fügt sich gestalterisch in den aktuellen Auftritt der Marke. Chefdesigner Gordon Wagener nutzt nur wenige Lichtkanten.
Rundlich statt kantig ins Rampenlicht - der Mercedes GLC fügt sich gestalterisch in den aktuellen Auftritt der Marke. Chefdesigner...Foto: Markus Mechnich

A, C, E, G und L – so lautet das neue ABC bei Daimlers SUVs. Die Geländegänger mit dem Stern wurden mit der GLE-Premiere neu eingenordet, in Reih und Glied geführt. Denn die SUVs tragen jetzt nicht nur alle das G vorne, sondern sind auch von A aufsteigend der Größe nach sortiert. Das neue Sternalphabet sozusagen. Streng nach dieser Richtlinie wurde aus dem GLK nun der Mercedes GLC, den die Stuttgarter gestern bei einer Weltpremiere vom Stapel ließen.

Der Ort der Veranstaltung brachte dabei schon einige Rückschlüsse auf die Ausrichtung des jüngsten Spross der Familie. Daimler zog in der Firmenzentrale von Hugo Boss im benachbarten Metzingen das weiße Tuch vom Auto. Der Mercedes GLC soll sozusagen den Beau der Familie geben. Ist der GLA der junge Wilde, der GL der Elder Statesman, der GLE der hemdsärmelige Geschäftsmann und die G-Klasse der raue Bursche, so kommt der Mercedes GLC als junger Schönling daher. Die Kanten hat man dem Mittelklasse-SUV jedenfalls fast gänzlich runtergeschmirgelt. Rundlich, mit großen Flächen bringt sich der GLC in Stellung. Dazu geben die Maßanzüge von Hugo Boss die passende Kulisse ab.

Mercedes GLC geht in die Länge und Breite

Maßanzug ist auch das Stichwort für den Innenraum. Nicht nur, dass sich das Interieur je nach Gusto und Budget fast beliebig veredeln lässt. Der Innenraum ist dank eines um 11,8 Zentimeter verlängerten Radstandes deutlich großzügiger geworden. Das macht sich vor allem im Fond bemerkbar, wo es regelrecht luftig zugeht (plus 5,7 Zentimeter Kniefreiheit). Lässt die coupéhafte Dachlinie von außen vermuten, dass sich der Fahrzeughimmel schnell dem Kopf nähert, so werden die Passagiere innen schnell eines Besseren belehrt. Die Kopffreiheit ist ebenso wie der Raum für die Beine selbst bei Gästen von mehr als zwei Metern passend. Allerdings ist der Mercedes GLC gegenüber dem GLK um elf Zentimeter in die Länge gegangen. Wahrscheinlich auch um ihn vom jetzt 21 Zentimeter kürzeren GLA abzugrenzen. Auch in der Breite hat der GLC um fünf auf 1,89 Zentimeter zugenommen, während er in der Höhe um einen Zentimeter geschrumpft ist. Das relativiert den Zugewinn an Raum ein wenig. Der Mercedes GLC sortiert sich von den Abmessungen her über den Konkurrenten Audi Q5 und BMW X3 ein.

Premiere in der Zentrale von Hugo Boss in Metzingen : Die Basis teilt sich der Mercedes GLC mit der C-Klasse. Von Beginn an wird der GLK-Nachfolger auch als Rechtslenker verfügbar sein.
Premiere in der Zentrale von Hugo Boss in Metzingen : Die Basis teilt sich der Mercedes GLC mit der C-Klasse. Von Beginn an wird...Foto: Markus Mechnich

Der Armaturenträger des Mercedes GLC hat nun die Designelemente aus der neuen C-Klasse geerbt, mit der er sich auch die technische Basis und eben den gemeinsamen Buchstaben teilt. Die zweite Generation des Mittelklässlers will auch hier mit Stil und Wertigkeit überzeugen. So kann der breite Mitteltunnel mit offenporigem Holz belegt werden, die Schalter sind in Aluminium eingefasst und das acht Zoll große Multifunktionsdisplay thront stilgerecht über dem Ganzen. Bedient wird, wie mittlerweile üblich bei Daimler, über einen Drehknopf in der Mitte mit aufgesetzter Handauflage samt integriertem Druckknopf.

Der Mitteltunnel macht sich vorne ziemlich breit, aber auch hier geht es ansonsten großzügig zu. Der Kofferraum ist um 80 auf 580 Liter gewachsen. Maximal werden es bei umgelegter Rückbank 1600 Liter. Ist die Luftfederung an Bord, dann lässt sich die Ladekante um vier Zentimeter absenken und die Heckklappe öffnet mit einem Fußwischer automatisch. Er kann also auch praktisch, der Beau.

Zwei Diesel, ein Benziner und einer mit Anschluss für den Mercedes GLC

Neben den optischen und praktischen Werten zählen in diesem Segment vor allem die inneren Werte. Dazu gehören potente, aber sparsame Diesel, eine Vielzahl an Assistenten und Offroad-Technik, selbst wenn nur die wenigsten Kunden diese Fähigkeiten ausreizen werden. Beginnen wir mit den Motoren. Mit drei Antrieben wird der Mercedes GLC ins Rennen gehen. Bekannt sind die beiden Diesel mit 2,2 Litern Hubraum in den Abstufungen 170 und 204 PS. Daimler errechnet einen reduzierten Verbrauch von 19 Prozent gegenüber dem Vorgänger, was in der Normrunde auf 1,1 Liter herausläuft. Beide sollen im Idealfall für 100 Kilometer genau fünf Liter benötigen, zuvor waren es 6,1 Liter. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 129 Gramm pro Kilometer. Gleichzeitig sollen sich die Sprintleistungen verbessert haben. Der stärkere der beiden Diesel rennt in 7,6 Sekunden auf 100 km/h, der schwächere schafft das in 8,3 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 210, beziehungsweise 222 Stundenkilometern.

Auch das Interieur ist für den Mercedes GLC auf Basis der C-Klasse weiterentwickelt worden. Der Mitteltunnel fällt recht breit aus, an Materialien und Stoffen ist die Auswahl groß und dürfte kostenintensiv werden.
Auch das Interieur ist für den Mercedes GLC auf Basis der C-Klasse weiterentwickelt worden. Der Mitteltunnel fällt recht breit...Foto: Hersteller

Diese teilt sich der große Selbstzünder mit dem Benziner im Angebot. Ansonsten geht es mit dem Otto-Motor aber noch ein Stückchen flotter zur Sache. Der 211 PS starke Motor benötigt 7,3 Sekunden für die 100 km/h und hat sich mit ambitionierten 6,5 Litern auf der Normrunde begnügt. Ebenfalls ein Liter weniger als der Vorgänger. Zumindest hier dürfte die Realität wohl etwas deutlicher darüber liegen, was aber noch zu erfahren ist. Allerdings kann der Mercedes GLC als Gegenargument anführen mit 0,31 den besten cw-Wert seiner Klasse zu haben. Tatsächlich liegt das Model mit diesem Wert auf Augenhöhe mit so mancher Limousine. Alle Motoren erfüllen die Euro-Norm 6, haben serienmäßig ein Start-Stopp-System an Bord und Allradantrieb. Langfristig könnten wohl aber auch Varianten mit reinem Heckantrieb hinzu kommen. Serienmäßig ist das Neungang-Automatik-Getriebe, welches in der E-Klasse seine Premiere feierte.

Plug-in-Hybrid mit 34 Kilometer Reichweite

Das Highlight unter den Motorisierungen könnte der Zwei-Liter-Benziner als Plug-in-Hybrid werden. Bei 2,9 Litern Verbrauch (60 Gramm CO2) soll der Mercedes GLC in dieser Variante auf eine Systemleistung von 327 PS (211 PS Verbrenner +116 PS Elektroantrieb) kommen. Mindestens 34 Kilometer soll das Auto rein elektrisch fahren können und durch die Boost-Funktion des E-Antriebs erreicht er so die 100 km/h in 5,9 Sekunden. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 235 km/h. Auch der Mercedes GLC 350 e wird mit Allrad ausgeliefert. Preise hat Mercedes für den GLC mit Anschluss noch nicht genannt. Der Aufschlag dürfte aber, ähnlich wie beim großen Bruder GLE, fünfstellig bei umfangreicherer Ausstattung ausfallen.

Stets mit Allrad ausgestattet dürfte der Mercedes GLC auch abseits der Straße eine gute Figur abgeben.
Stets mit Allrad ausgestattet dürfte der Mercedes GLC auch abseits der Straße eine gute Figur abgeben.Foto: Hersteller

Außergewöhnlich für diese Klasse ist auch die optionale Luftfederung, die mit einem Mehrkammersystem arbeitet und über die Elektronik stufenlos verstellt werden kann. Um bis zu 15 Millimeter kann die Karosse abgesenkt werden. In Kombination mit einem Offroad-Paket hebt das „Air Body Control“ genannte System den Mercedes GLC um fünf Zentimeter an. Daneben gibt Daimler seinem Mittelklasse-Offroader eine Vielzahl an Assistenten mit auf den Weg. Herauszuheben wäre hier die serienmäßige Notbremsfunktion, den adaptiven Tempomaten, der im Stau teilautonom anderen Fahrzeugen folgen kann, ein Kreuzungsassistent, der auch bei Fußgängern und kreuzenden Autos autonom bremst und das Insassenschutzsystem, welches nun auch Kollisionen von hinten erkennen und entsprechende Schutzmaßnahmen einleiten kann.

Preislich beginnt der Einstieg bei dem Benziner für 44.506 Euro für den Mercedes GLC 250 4matic. Auf der Diesel-Seite, die üblicherweise in Europa die Zulassungsstatistik dominiert, werden für den Mercedes GLC 220d 4matic 44.863 Euro fällig. Der stärkere Diesel kostet rund 1600 Euro mehr. Neben den Ausstattungslinien AMG Line und Exclusive bietet Daimler hier noch ein Off-Road-Exterieur mit Trittbrettern und erhöhtem Böschungswinkel vorne und hinten an. Es wird auch wieder eine Edition 1 geben, die für 8211 Euro mit den verschiedenen Motorisierungen kombiniert werden kann. Zu den Händlern kommt der Mercedes GLC Mitte September.

Rund 650.000 Einheiten des GLK hat Daimler bisher verkauft. Mit dem Mercedes GLC wollen die Stuttgarter da noch eine Schippe drauflegen. Das Rüstzeug dazu hat das Mittelklasse-SUV sicher an Bord. Der Auftritt ist weniger polarisierend, die Motoren versprechen mehr Sparsamkeit und technisch ist das Modell voll auf der Höhe der Zeit. Auf der anderen Seite war der GLK ein Auto mit optischem Charakter, während sich der Neue eher unauffällig zwischen GLA und GLE einreiht. Von den Zulassungszahlen her muss der Mercedes GLC zumindest in Deutschland zulegen. Denn bei den Zulassungen (14.063 in 2014) sind ihm der BMW X3 (17.063 Zulassungen in 2014) und der Audi Q5 (21.243 Zulassungen in 2014) deutlich davongefahren. So gesehen muss sich das neue Mittelklasse-SUV auf dem Laufsteg erst beweisen. Dass auch diese Aufgabe ein hartes Geschäft ist, wissen wir nicht erst seit den Castingshows.

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Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

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