Auto : Mercedes und der Plattenspieler

C 250 CDI: Neuer kleiner Diesel setzt Maßstäbe

Stefan Woltereck

Mercedes-Benz, das weiß der automobilhistorisch Interessierte, ist Pionier bei Dieselmotoren: 1924 führte man sie als erster Hersteller der Welt in Lastwagen ein, 1936 dann in Personenwagen. In der Folge taten sich die Stuttgarter immer wieder mit Neuerungen hervor.

Und jetzt kommt wieder was: Der neue Vierzylinder-Dieselmotor mit der Werksbezeichung OM 651 legt die Messlatte in Sachen Leistung, Drehmoment, Verbrauch und CO2-Ausstoß höher – und auch bei der Vermeidung von Stickoxiden, nach dem Ruß die zweite Umwelt-Achillesferse des Dieselmotors. Dabei holt er Leistungen bis 204 PS aus 2,2 Liter Hubraum, dazu 500 Newtonmeter Drehmoment – das sind runde 25 Prozent mehr, als die besten Diesel in dieser Klasse bisher erreichen. In der C-Klasse, in der der Motor im C250 CDI seine Premiere feiert, sinkt der Verbrauch gleichzeitig um 12 Prozent auf 5,2 Liter je 100 Kilometer, was 138 Gramm CO2 pro Kilometer entspricht. Das sind im Normverbrauch 0,2 Liter weniger als bei einem VW Golf 6 mit 140 PS-TDI-Motor – rekordverdächtige Werte für eine 250-

km/h-Limousine, die in sieben Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt und über 1,6 Tonnen wiegt. Der Motor ist dazu so sauber, dass er mit Filter die kommende Norm Euro 5 erfüllt. Kommt BlueTec-Harnstoffeinspritzung dazu, schafft er Euro 6.

Für den Mix aus Sparsamkeit und Performance sorgt ein ganzes Bündel von Maßnahmen. Die wichtigste dabei ist zweistufige Aufladung: Bei niedrigen Drehzahlen arbeitet ein kleiner Turbolader, bei höheren ein wesentlich größerer. Schon ab 1600 Umdrehungen pro Minute steht dadurch das volle Drehmoment zur Verfügung. Wer die Schaltempfehlung beachtet, rollt souverän und entspannt mit Drehzahlen, die in der Stadt und auf der Landstraße kaum über 2000 Umdrehungen pro Minute hinausgehen – leise und sehr sparsam.

Hinzu kommt eine neue Generation der Common-Rail-Einspritzung: Die arbeitet nun mit 2000 Bar Druck, 400 mehr als im Vorgänger, und mit sogenannten Piezo-Einspritzdüsen. Letztere arbeiten mit Piezo-Kristallen, wie sie früher in Plattenspielern verwendet wurden. Unter dem Einfluss der Tonabnehmer-Nadel gaben sie eine elektrische Spannung ab, die verstärkt und als Musik hörbar wurde. Die Einspritzventile arbeiten umgekehrt: An die Kristalle wird Spannung angelegt, sie antworten mit Verformung. Ordnet man viele hintereinander an, so wird die Bewegung groß genug, um die Düsennadel zu bewegen – viel rascher als bei den üblichen Ventilen.

Erster Mercedes mit dem neuen Motor wird ein Sondermodell der C-Klasse mit dem langen Namen C 250 CDI Blue Efficiency Prime Edition sein – für gut 40 000 Euro. Später soll es noch weitere Leistungsstufen geben: 170 PS im 220 CDI und 136 PS im 200 CDI. Auch ein Dieselhybrid mit dem neuen Antrieb wäre denkbar. Stefan Woltereck

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