Mercedes V-Klasse als Camper : Marco Polo fährt jetzt zweigleisig

Mit der Neuauflage des Marco Polo kommt die V-Klasse nun auch ins Camping-Segment, so elegant wie nie zuvor. Reizvoller dürfte aber die neue, etwas rustikalere Variante Activity sein, die mit einem Kampfpreis California und Co attackiert.

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Marco Polo: Mercedes hat sich beim Neuen kräftig ins Zeug gelegt.
Marco Polo: Mercedes hat sich beim Neuen kräftig ins Zeug gelegt.Foto: Promo

Marco Polo ist vielleicht wegen seiner Reise nach China berühmt geworden. Sein Weg ins Reich der Mitte war allerdings alles andere als geradlinig. So gesehen hat sich Mercedes gleich in zweifacher Hinsicht den richtigen Namensvetter ausgesucht, denn auch der Reise-Van von Mercedes hat nicht auf Anhieb seinen rechten Weg gefunden. Die erste Generation des Marco Polo, basierend auf der Baureihe W638, schleppte sich mit den Qualitätsproblemen des ersten Vito gehörig ab. Die wurden mit der 2003 eingeführten Baureihe W639 zwar eindrucksvoll behoben, aber aus dem Schatten der scheinbar übermächtigen Konkurrenz aus Wolfsburg konnte sich auch der zweite Stuttgarter Marco Polo nicht so richtig freischwimmen. Im dritten Anlauf könnte allerdings gelingen, was den beiden Vorgängern nicht vergönnt war: eine feste Größe im Wohnmobilsegment zu werden.

Damit aus dem Marco Polo nicht wieder ein Wohnmobil-Vito wird, hat sich Mercedes kräftig ins Zeug gelegt. Schon bei der neuen V-Klasse blieb kein Stein auf dem anderen. Gerade deshalb ist der neue Van die richtige Basis für den Neubeginn. Das hochwertige Interieur der V-Klasse haben die Designer auf eindrucksvolle Weise im Heck fortgeführt. Die Möbel im Wohnraum sind in der Farbe Porzellan gehalten und greifen den beigen Farbton des Armaturenträgers vorne galant auf. Ab einer Höhe von rund einem Meter führt die Farbe in hellen Tönen bis zum Fahrzeughimmel und steigert so optisch das großzügige Raumgefühl. Die Küchenzeile wird von einem Klavierlackelement umrahmt und kratzfestes Sicherheitsrauchglas deckt Kochstelle, Waschbecken und Kühlbox ab. Zusammen mit den Aluminiumleisten dazwischen wirkt das alles sehr hochwertig und stimmig.

Vor allem schlafen. Die neue Modellvariante verzichtet auf Campingausstattung, bietet aber auch vier vollwertige Schlaf- und fünf Sitzplätze.
Vor allem schlafen. Die neue Modellvariante verzichtet auf Campingausstattung, bietet aber auch vier vollwertige Schlaf- und fünf...Foto: Promo

Vier Schlafplätze

Am Grundkonzept der Ausstattung haben die Stuttgarter dennoch relativ wenig geändert. Warum auch, denn schon der Vorgänger war kein schlechtes Camping-Auto. Insgesamt bietet der Marco Polo vier Personen Platz und Schlafgelegenheiten. Im Bett des ausfahrbaren Dachs (2,05 Meter lang und 1,13 Meter breit) können es sich zwei Erwachsene bequem machen, auf den zu einer Liegefläche ausklappbaren Sitzen der Rückbank finden zwei weitere Personen Platz. Die Heckklappe kann nun, ebenso wie die V-Klasse, mit einer separat aufklappbaren Scheibe glänzen. Das ist beim Marco Polo besonders schön, denn wenn das untere Bett ausgeklappt ist, können die Schlafgäste des Morgens die Heckscheibe öffnen und so eine erste Brise frische Luft schnappen, ohne das Bett zu verlassen. Stimmt das Panorama dazu, dann werden daher die unteren Plätze sicher begehrter sein als die auf dem Dach.

Neu ist der Tisch mit vier Stühlen, der sich unter einer Klappe im Heck findet. Von Größe und Bauart ist die Sitzgruppe zwar nicht für Dauercampen geeignet, aber für die Landpartie am Wochenende reicht das allemal. Links und rechts finden sich in bewährter Manier Stauräume für Kleidung und sonstige Dinge, die der Kurzzeitcamper so braucht. Besonders praktisch ist, dass Schränke, sowohl die der Küche als auch die im Heck, von dem ausgeklappten Bett (2,03 x 1,13 Meter) nicht blockiert werden. Der Wassertank ist im neuen Marco Polo auf 38 Liter gewachsen, der Abwassertank, beide sind frostsicher verbaut, umfasst 40 Liter. Der Klapptisch ist an der Küchenzeile befestigt und lässt sich vor- und zurückschieben.

Stilvoll kochen. Die Küchenzeile ist beim Marco Polo besonders edel gestaltet. Unter dem Waschbecken verbergen sich ein Apothekerschrank und die beiden Wassertanks.
Stilvoll kochen. Die Küchenzeile ist beim Marco Polo besonders edel gestaltet. Unter dem Waschbecken verbergen sich ein...Foto: Promo

Besser isst es sich draußen

Das ist praktisch und auch notwendig. Denn wenn das Essen im Innern stattfindet, werden die serienmäßig drehbaren Vordersitze zusammen mit der Sitzbank im Fond zur Sitzgruppe. Der Fuß des Tisches erweist sich als stabiler, als der erste Eindruck vermuten lässt. Besser isst man auch beim Marco Polo allerdings draußen, wo eine Markise von Westfalia, auch der Zulieferer des ausklappbaren Daches und anderer Interieurelemente, eine fast zwei Meter breite Markise zur Verfügung stellt. Die tut einwandfrei ihren Dienst, ist aber in der Höhe etwas kritisch. Mitcamper über 1,85 Meter müssen da schon aufpassen, sich nicht den Kopf an dem Gestänge zu stoßen. Dafür bleibt der Marco Polo in seiner Gesamthöhe unter der für Parkhäuser kritischen Marke von zwei Metern Höhe. Davon können Wohnmobilbesitzer sonst nur träumen.

Die wichtigste Neuerung ist aber das Schwestermodell Activity, das Mercedes nun dem Marco Polo an die Seite stellt. Dem Reise-Van, der als Basis nun wirklich den neuen Vito hat, fehlen Küchenzeile, Schränke und Tisch. Dafür hat auch er eine umklappbare Rückbank, die bei Bedarf zu einem 1,93 Meter langen und 1,35 breiten Bett wird. Das Bett im Aufstelldach, identisch mit der Camper-Version, gibt es natürlich auch noch. Reizvoll ist der Preis der abgespeckten Variante. Denn mit 38 960 Euro ist der Activity deutlich unter dem normalen Marco Polo positioniert. Wer den ganzen Luxus will, der muss da mindestens 54 835 Euro hinlegen.

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Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

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