Mille Miglia : Ein Klassiker feiert Geburtstag

Die Mille Miglia ist das berühmteste Oldtimertreffen der Welt. In diesem Jahr darf gefeiert werden, denn das historische Rennen begeht seinen achtzigsten Geburtstag. Dazu bekommt es einen Film geschenkt.

Markus Mechnich
Mille Miglia
Foto: Selkirk Heymann

Im Mai feierte das bekannteste Straßenrennen der Welt seinen Geburtstag, die Mille Miglia. Achtzig Jahre nach dem ersten Rennen und fünfzig Jahre nach dem letzten sportlichen Wettkampf haben wieder hunderte der schönsten Oldtimer zwischen Brescia und Rom die Landstraße bevölkern. Dabei rasen die Piloten nicht sondern schütteln Hände und flanieren winkend an tausenden Schaulustigen vorbei. Zu seinem doppelten Jahrestag des Oldtimerfestivals wurde ein Dokumentarfilm über die historische Schleife gedreht. Am 15. Mai feierte er Premiere. Natürlich in Brescia, Italien, zwei Tage vor dem Jubiläumsrennen.

Achtzig Jahre nach dem ersten Rennen und fünfzig Jahre nach der Neuauflage präsentieren die Filmer von Selkirk und Heimann einen Dokumentarfilm über den Klassiker aus Norditalien. Ein Fest für alle Oldtimerfans und Liebhaber interessanter Automobile. Denn nicht alle Klassikerfreunde können dieses Event live miterleben und für die Besucher ist der Film eine unvergleichliche Erinnerung.

Lange Geschichte voller Höhen und Tiefen

Der Mythos der tausend Meilen durch Italien begründet sich in seiner Geschichte. In Italien gab es schon immer eine große Begeisterung für den Motorsport. Ganz besonders in Brescia, jener norditalienischen Stadt, in der es schon 1899 Straßenrennen gab und 1921 der erste "Gran Premio Automobilistico d’Italia" ausgetragen wurde. Dort fanden sich 1926 vier Auto-Enthusiasten zusammen, um Brescia wieder ein großes Motorsportevent zu verschaffen. 1921 war die Rennstrecke in Monza gebaut worden und hatte den "Gran Premio" an sich gerissen. In dem motorsportbegeisterten Städtchen machte man sich ernsthafte Sorgen um die eigene Bedeutung. Ein Straßenrennen sollte es sein, überlegten sich Aymo Maggi, Franco Mazzotti, Renzo Castagneto und einer der ersten Motorsportjournalisten, Giovanni Canestrini. Von Brescia nach Rom auf einer Strecke, die mit dem heutigen Begriff von Straße noch recht wenig zu tun hatte. Eine echte Herausforderung für die Automobile der damaligen Zeit. Für den Namen wurde eine einfache Lösung gefunden: die Strecke war etwa 1600 Kilometer lang, also sollte es die "Coppa delle Mille Miglia" sein. Premiere für das Rennen war der 26. und 27. März 1927.

Es gibt viele Gewinner und viel zu viele Geschichten, um sie hier alle zu erzählen. Am Ende bleiben die tragischen, wie jene dieses unseligen 12. Mai 1957. Die Geschwindigkeiten waren mittlerweile hoch und das Rennen wurde immer gefährlicher. Alfonso Cabeza de Vaca, ehemaliger Tour de France-Sieger, erlitt bei dem Örtchen Guidizzolo mit seinem Ferrari bei fast 300 Stundenkilometer einen Reifenbruch. Er raste ins Publikum. Zehn Zuschauer starben. Auch de Vaca und sein Beifahrer Nelson kamen bei dem tragischen Unfall ums Leben. Drei Tage später verbot die italienische Regierung alle Straßenrennen und die Renngeschichte der Mille Miglia war zu Ende.

Der Mythos wird 1977 wiederbelebt

1977, genau fünfzig Jahre nach der ersten Wettfahrt zwischen Brescia und Rom mit Zwischenstopp in Ferrara, wurde der Mythos wiederbelebt. Den 50. Geburtstag zelebrierten etwa hundert Liebhaber historischer Fahrzeuge mit einer Fahrt auf der ehemaligen Rennstrecke. Die Idee eines Oldtimer-Treffens war geboren. Trotz knapper Kassen und organisatorischer Schwierigkeiten hat sich die Gleichmäßigkeitsprüfung für Oldtimer als eigener Klassiker über die Jahre etabliert. Jedes Jahr steigt die Zahl der Anmeldungen, trotz der harten Bedingungen. Denn mitfahren dürfen nur solche Autos, die im Original-Rennen von 1927 bis 1940 und 1947 bis 1957 bereits den Kurs bestritten und vollendet haben. Zudem müssen diese noch den Oldtimer-Normen der FIA (Fédération Internationale de l'Automobile) entsprechen und eine FIVA-Identitätskarte haben. Dennoch ist die Zahl der Anwärter in diesem Jahr auf 700 angewachsen. Aber nur rund 375 Fahrzeuge werden für das Rennen zugelassen. Die verschmähten Oldies können darauf hoffen, im nächsten Jahr bessere Karten zu haben. Die Liste der Prominenten und Wirtschaftsgrößen, die jedes Jahr das Event besuchen, ist lang und wird immer länger. Peter Kraus wird in einem Jaguar SS100 von 1936 zu sehen sein. Erich Hilmar von Baumbach Junior (Boehringer Ingelheim), Karl Scheufele Senior (Chopard) geben sich die Ehre und der Adel ist mit Prinz Anton von Liechtenstein, Prinz Bernhard van Oranje und Leopold Prinz von Bayern vertreten.

Auch die Filmemacher der Selkirk & Heimann Media Group verloren ihr Herz an das fahrende Museum in Norditalien. Daher beschlossen sie im letzten Jahr, einen Film zum 80. Geburtstag des Klassikers zu machen. Heraus gekommen ist ein liebevoller Dokumentarstreifen über das sicher schönste Rennen der Welt. "Spirit of a Legend" glänzt mit wunderbaren Bildern aus dem Rennen von 2006. Dazu brachte ein 28-köpfiges Produktionsteam rund 130 Stunden Filmmaterial aus Italien mit. Aber auch zahlreiche historische Original-Aufnahmen, die in langwieriger Recherche-Arbeit aus den Archiven befreit wurden. Am Ende entstand ein außergewöhnlicher Film, der am 15. Mai, zwei Tage vor dem Start der Jubiläumsrundfahrt, seine Premiere in Brescia feiert. Neunzig Minuten automobile Geschichte und ein Muss für alle Oldtimerfans.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben