Auto : Mini Netzwerk

BMW hat den Kleinen überarbeitet Am auffälligsten ist der mobile Internetzugang

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Ganz der Alte. Mini heißt das Auto. Und Mini fallen die optischen Veränderungen aus.
Ganz der Alte. Mini heißt das Auto. Und Mini fallen die optischen Veränderungen aus.Foto: eb.andriuolo

Fast wütend trommelt der Regen aufs Stoffdach des Mini Cabrio, und im Radio dudelt ein arabischer Sender! Nein, wir spinnen nicht. Wir dürfen nur jetzt schon die neue Webwelt im überarbeiteten Mini genießen, bevor sich ab 18. September die Smartphone-Junkies auf das bislang unbekannte Angebot in einem rollenden Untersatz stürzen können. Doch der Reihe nach.

BMWs Mini ist nicht mehr allein in der Welt der Lifestyle- und Edelminis. Der neue Audi A1, der überraschend erfolgreiche Citroen DS3 und der kultige Fiat 500 machen Druck auf den Platzhirsch. Grund genug für ein Facelift, um weiter erfolgreich auf Kundenfang zu gehen. Am Konzept des Mini wurde nichts geändert; mehr als 1,7 Millionen verkaufte Fahrzeuge seit 2001 sprechen für dieses Retroauto. Äußerlich änderte sich deshalb nur wenig: geänderter Frontgrill mit zusätzlichen Lufteinlässen, die typischen Rundscheinwerfer nun endlich mit adaptivem Kurvenlicht (allerdings nur optional). Hinten gibt es jetzt die obligatorischen LED-Heckleuchten sowie andere Stoßfänger, im Innenraum neue Polster, Dekorleisten und verbesserte Materialien. Der Tacho in Pizzagröße wurden neu gestaltet; besser ablesbar ist er aber nicht geworden.

Doch waren die Ingenieure auch schlau, haben etwas für den Kaufanreiz gefunden, was vorläufig nur der Mini zu bieten hat. Allerdings folgt er damit nur einem Trend: Moderne Autos werden immer mehr zu rollenden Computern oder Multimediazentralen. Arabische Sender hören zu können, ist nur eine der neuen Möglichkeiten, die sich bieten, wenn man „Mini Connected“ ordert, ein System, das im 1950 Euro teuren Navigationssystem enthalten ist, oder das für 250 Euro auch separat eingerichtet werden kann. Es funktioniert derzeit aber nur, wenn der Fahrer ein iPhone besitzt. Dieses wird in ein Fach der vorderen Armlehne geklemmt; dort findet die iPhone-Integration statt, dort stellt es die Verbindung zum Internet her. Das Ganze lässt sich über Tasten am Lenkrad steuern und am kleinen LCD-Display im großen Tacho ablesen. Das Web-Radio bietet die Wahl zwischen 25 000 Sendern. Gleichzeitig können aktuelle Nachrichten als „RSS-Feeds“ empfangen werden. Per Navigationsgerät wiederum sucht Google bei Bedarf aktuelle Ziele in der Umgebung. Und die im iPhone gespeicherten Anruflisten und Visitenkarten von Gesprächspartnern können auf dem Bordmonitor angezeigt werden. Ob das sinnvoll oder schon Firlefanz ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Abseits aller Spielereien hat die neue rollende iPhone-Welt (auch im Countryman und den anderen Typen) aber auch ganz praktische Seiten. Per Twitter (erst ab Oktober möglich) können Mini-Fahrer dann ihrem gesamten Freundeskreis mitteilen, wann sie wo ankommen – damit dort die standesgemäße Red-Bull-Dose gekühlt bereitsteht.

Richtig freuen kann sich indes jeder Mini-Freund über die neuen hauseigenen Dieselmotoren, welche die Triebwerke von Peugeot ersetzen. Sie arbeiten sparsamer und leiser. Wir sind die stärkere Version im Mini Cabrio gefahren. Das gab es vorher nicht. Diese Kombination ist stimmig: Überlagert vom Webradio ist der kräftige Diesel fast nicht zu hören. Er passt gut zum wieselflinken Eckenkratzer, der trotz aller zur Schau gestellten Flippigkeit auch ohne festes Dach eine solide Erscheinung ist. Allerdings unterbietet der Diesel im Cabrio nicht die magische 100-Gramm-CO2-Grenze. Mit vier Liter Normverbrauch bleibt er etwas drüber; der Mini One genehmigt sich nur 3,8 Liter (99 Gramm CO2/km).

Übrigens: Für den Erfolg sind alle Mittel Recht, und so bricht auch diese Marke Tabus. Im Oktober startet mit dem Countryman ein Mini, der genau genommen gar keiner mehr ist: Mit 4,11 Metern Länge erster Mini über der magischen Viermetergrenze. Echter Platz für vier Erwachsene, Kofferraum auf Golf-Niveau. Erstmals mit Allradantrieb, aber mit einem Preis von 27 900 Euro für das Topmodell Cooper S Countryman mit 184-Turbo-PS spielt die BMW-Tochter Mini nun preislich in der höheren Liga von Golf und Co mit. Ein gewagter Coup.

Noch ein PS zum Schluss: Die Preiserhöhung für das Facelift ist dieses Mal moderat ausgefallen. Der günstigste Benziner kostet nun 250 Euro mehr; macht für das Basismodell Mini One mit 75 PS 15 550 Euro. Und der günstigste Diesel verteuert sich um 350 Euro, macht also hier für den Mini One D mit 90 PS 18 450 Euro. Rainer Ruthe

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