Auto : Mischkalkulation

Gar nicht so leicht, den Nachfolger des Renault Modus in eine Schublade zu packen: Erste Begegnung mit dem Captur.

Von allem was. SUV sind beliebt, Vans praktisch und Kleinwagen günstig. Ergibt das Sinn, alles zusammenzupacken? Renault hat’s mit bunten Farben getan. Foto: promo/sppr
Von allem was. SUV sind beliebt, Vans praktisch und Kleinwagen günstig. Ergibt das Sinn, alles zusammenzupacken? Renault hat’s mit...

Früher waren die Dinge zwar nicht unbedingt besser, doch irgendwie nachvollziehbarer. Die automobile Hierarchie war genau definiert, und dadurch war auch die Zahl der Modelle und ihrer Varianten überschaubar. Das hat sich grundlegend geändert, und inzwischen hat die Modellvielfalt ein kaum noch nachvollziehbares Ausmaß erreicht.

Jüngstes Beispiel für ein Crossover-Modell, das sich nach den gängigen Definitionen schwer einordnen lässt, ist der Renault Captur, der, so seine Schöpfer, die Anmutung und die erhöhte Sitzposition eines Sport Utility Vehicle (SUV) und die Variabilität eines Kompaktvan bietet. Zugleich soll er sich als wendiger Stadtflitzer präsentieren und wenig Kraftstoff verbrauchen – in der sparsamsten Variante sind es gerade 3,6 Liter auf 100 Kilometer, was wiederum dem Durst eines Kleinwagens entspricht.

Mit einer Länge von 4,12 Meter liegt der Modus-Nachfolger genau zwischen dem neuen Clio und der Kombivariante Clio Grandtour. Ein klassischer Lückenfüller also, was im konkreten Fall nichts Negatives bedeutet, denn der Captur ist allein schon wegen seines ausgefallenen Designs eine eigenständige Erscheinung, auch wenn er sich mit dem Clio die Plattform und das neue markante Markengesicht teilt. Dank der auf 17 Zentimeter angehobenen Bodenfreiheit eignet sich der viertürige SUV-Van zwar für Ausflüge auf (gepflegten) Feldwegen oder planierten Schotterpisten, doch ist er weit davon entfernt, geländetauglich aufzutreten. Eine Allradversion ist nicht geplant.

Das Design ragt deutlich aus der automobilen Einheitsmasse heraus, wozu auch Geländewagen-Details wie die verbreiterten Radläufe aus schwarzem Kunststoff beitragen. Nicht zuletzt die Farbgestaltung macht den Captur zu einer auffallenden Erscheinung, die den Vergleicht mit seinen Konkurrenten Peugeot 2008, Mini Clubman, Opel Mokka oder Citroen DS3 DS nicht scheuen muss. Auch im Innenraum verließ die Renault-Designer nicht der Mut. Das Interieur wirkt jugendlich, frisch und sogar ein wenig frech, auch wenn der gewählte Kunststoff etwas hochwertiger sein könnte.

Zum Marktstart im Juni stehen zwei Benzinmotoren und ein Dieselantrieb – alle mit Turbounterstützung – bei den Händlern. Als Basis dient der aus dem neuen Clio bekannte Dreizylinder-Turbo, der aus einem Hubraum von 0,9 Liter 66 kW (90 PS) entwickelt, was für eine Höchstgeschwindigkeit von 171 km/h reicht. Der kleine Vierventiler begnügt sich im genormten Mix mit einem Verbrauch von fünf Litern auf 100 Kilometer.

Sparmeister und Saubermann ist der 1,5-l-Diesel (nur 95 g/km CO2), der wie der Dreizylinder über Start-Stopp verfügt und 66 kW (90 PS) leistet. Mit seinem Verbrauch von 3,6 Liter ergibt sich eine theoretische Reichweite von etwas mehr als 1200 Kilometern. Bei allen Motorisierungen lässt sich über eine Eco-Taste, mit der Leistung und Drehmoment reduziert und die Leistung der Klimaanlage gedrosselt wird, je nach Antrieb der Verbrauch um bis zu zwölf Prozent senken. Beim stärkeren Benziner, der (serienmäßig) mit einem Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt ist, bleibt dabei allerdings viel vom Fahrspaß auf der Strecke.

Der Captur zeigt dank seines ausgewogenen Fahrwerks gutmütige Eigenschaften, solange der Fahrer die Gesetze der Physik respektiert. Die angenehm abgestimmte Dämpfung und Federung ermöglicht auch auf schlechten Fahrbahnen eine komfortable Fahrt. Serienmäßig sind vier Airbags - allerdings fehlt ein Knieairbag für den Fahrer.

Der Innenraum und das Gepäckabteil lassen sich vielfältig variieren. Der Kofferraum wächst bei umgeklappter Rückbank von 377 bis 455 (je nach Stellung der Rückbank) auf bis zu 1235 Liter, und die Rückbank lässt sich zudem um bis zu 16 Zentimeter verschieben, sodass den Hinterbänklern bis gut zwanzig Zentimeter Fußraum zur Verfügung steht.

Der Captur kommt gut ausgestattet zu den Kunden. Bereits in der Basisversion Expression gehören das schlüssellose Startsystem Keycard, das in Höhe und Tiefe verstellbare Lenkrad sowie Tempomat mit Geschwindigkeitsbegrenzer, Bordcomputer und Berganfahrhilfe zur Ausstattung.

Die Preisliste für den neuen Captur beginnt bei 15 290 Euro für die Basisversion Expression und endet bei 20 890 Euro für die Topversion Luxe mit dem 88 kW (120) PS starken Antrieb einschließlich Zweifarbenlackierung und DSG-Getriebe. wwu/reuss

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