Mit dem Jeep Renegade durchs Gelände : Kleiner Klettermaxe mit großen Talenten

Der Renegade bietet Jeep-Charme für kleines Geld. Immer öfter ist jüngste Spross der Geländewagenschmiede auf deutschen Straßen anzutreffen. Doch was kann er wirklich - auf dem Asphalt und im Gelände?

Janine Ziemann
Mit dem Renegade durch den wilden Südwesten: Bei der Jeep-Präsentation in Wörth am Main kann der kleine Spross der Geländewagenschmiede sein Können unter Beweis stellen.
Mit dem Renegade durch den wilden Südwesten: Bei der Jeep-Präsentation in Wörth am Main kann der kleine Spross der...Foto: Janine Ziemann

Blauer Himmel, Sonnenschein und ein Gelände voller Jeeps – der Tag in Wörth am Main beginnt vielversprechend, jiiiha! Ich schnappe mir gleich den jüngsten Spross aus der Geländewagenschmiede, den Renegade. Sein Erfolg macht mich neugierig: Von insgesamt 8378 Jeep-Neuzulassungen, die von Januar bis Juli 2015 in Deutschland registriert wurden, fielen fast ein Drittel auf dieses Modell der Marke. Damit ist der erst im Herbst 2014 gestartete Renegade neuer Wachstumstreiber der Marke. Der Verkaufsschlager Grand Cherokee bekommt also Konkurrenz aus dem eigenen Haus. Sogar seine Neunstufen-Automatik, die bislang den großen SUVs vorbehalten war, muss er nun mit dem kleinen Spross teilen.

Italienisches Design trifft Offroad-Technik

Auf den ersten Blick wirkt der Renegade recht eigenwillig und verspielt. Das verdankt er wohl seinen italienischen Wurzeln. Oder besser gesagt der US-italienischen Mischehe seiner Eltern. Immerhin das erste Fiat-Chrysler-Fahrzeug überhaupt, das von SATA-Designern mitentworfen wurde und nun sogar im süditalienischen Melfi für den gesamten Weltmarkt vom Band läuft.

Offensichtlich soll der Bambino eine jüngere Käuferschicht ansprechen, das bezeugen auch die quietschigen Farben, in denen der kleine Geländewagen auf dem Hof zur Präsentation aufgereiht ist. Nicht nach meinem Geschmack, so ein knallorangener Jeep. Also steuere ich auf den Trailhawk im Offroadlook zu. Der ist dunkelgrau mit schwarzer Beplankung, das tut den Augen gut. Wie sich herausstellt ist es das Topmodell, der Renegade 2.0l MultiJet Trailhawk mit Vierzylinder-Diesel, Neunstufen-Automatik, 1956 ccm Hubraum und 170 PS. Umso besser!

Sportlich, robust und jugendlich: Der Jeep Renegade Trailhawk ist hochwertig ausgestattet mit modernem Infotainment-System, Smatphoneanbindung und diversen Anschlussmöglichkeiten für USB- und Audiogeräte.
Sportlich, robust und jugendlich: Der Jeep Renegade Trailhawk ist hochwertig ausgestattet mit modernem Infotainment-System,...Foto: Hersteller

Im Gegensatz zu den drei niedrigeren Ausstattungsvarianten (das Einstiegsmodell Sport, die technisch aufgerüstete Version Longitude oder die Komfortvariante Limited) macht der Trailhawk schon von außen klar, was sein Anliegen ist: Robuste Stoßstangen mit großem Böschungswinkel, grobe Abschlepphaken und 20 Millimeter mehr Bodenfreiheit zeugen von seinem Geländeanspruch. Doch was ihn wirklich von den übrigen Modellen unterscheidet, sind ein spezieller Vierradantrieb (Jeep Active Drive Low), ein fünfter Fahrmodus für felsigen Untergrund, ein Unterfahrschutz und ein erhöhter Rampenwinkel von 23,5 Grad. Daher hat ihm Jeep auch die „Trail Rated“-Plakette verpasst, wonach er angeblich den berüchtigten Rubicon Trail in Kalifornien bezwungen hat.

Der erhöhte Einstieg vermittelt gleich eine gute Portion Geländewagencharme und ist sehr bequem. Das gilt auch für die Ledersitze, die komfortablen Halt geben. Das Interieur wirkt hochwertig, das Multifunktionslenkrad ist griffig, und die Bedienung ist selbsterklärend. Ich finde mich sofort zurecht. In der Mittelkonsole ist ein modernes Infotainmentsystem mit 7,5-Zoll-Touchscreen verbaut, das über alle Anschlüsse verfügt, die das Technikherz begehrt: für Smartphones, Audio- und USB-Geräte. Ein kurzer Blick auf die Umgebungskarte – und los geht’s.Ein kerniges Allroundtalent

Der Renegade ist zwar der kleinste Jeep im Repertoire, innen macht sich das aber nicht groß bemerkbar. Mit viel Kopf- und Bewegungsfreiheit throne ich über dem Geschehen und steuere Richtung Autobahn. Auch hinten ist das Platzangebot komfortabel. Die recht steile Windschutzscheibe sorgt für einen guten Blickwinkel auf die Bodenbeschaffenheit. Nur nach hinten ist die Sicht durch die schmalen Fenster eingeschränkt. Da der Renegade jedoch an Front und Heck fast senkrecht abfällt, lassen sich die Abmessungen wunderbar abschätzen – eine Wohltat in der heutigen Zeit.

Buckelpiste im Offroad-Parcours: Mein Hintermann mit dem Jeep Wrangler überfährt alle Untiefen mit gutem Tempo. Nur in engen Passagen zeigt ihm der Renegade, wo es langgeht. Denn dort muss der Koloss mehrfach zurücksetzen, um die Kurve zu kriegen.
Buckelpiste im Offroad-Parcours: Mein Hintermann mit dem Jeep Wrangler überfährt alle Untiefen mit gutem Tempo. Nur in engen...Foto: Hersteller

Der 4,26 Meter lange, 1,81 Meter breite und 1,67 Meter hohe Fünftürer darf Anhänger bis 1500 kg ziehen, so dass er durchaus für den Urlaub mit Wohnwagen geeignet ist. Und der Kofferraum fasst 351 bis 1297 Liter. Doch natürlich macht es ohne Extralast am meisten Spaß. Auf knapp 200 km/h komme ich immerhin. Später teste ich zum Vergleich den Cherokee Limited mit der gleichen Motorisierung. Der fährt sich natürlich noch wesentlich ruhiger, ausgeglichener und souveräner. Doch der kostet auch gleich 45.500 Euro, statt 31.900 Euro in der Basisversion. Die etwas agilere und kernigere Art des Renegade ist mir persönlich ohnehin sympathischer.

Vollwertiger Geländewagen mit Spaßfaktor

Nach der Autobahnfahrt geht es ins Gelände, wo sich der Trailhawk erst richtig wohl fühlt. Mit dem Allrad-Untersetzungsmodus, der nicht nur alle vier Räder einzeln antreibt und den Jeep im ersten Gang hält, sondern auch für eine automatische Sperre des Hinterachsdifferenzials sorgt, packt er alle Hindernisse, tiefe Furchen und matschige Abschnitte gekonnt. Mein Nachfolger mit dem wuchtigen Wrangler überfährt zwar die Untiefen und Hindernisse etwas souveräner, aber bei engen Abschnitten, beim Wenden und Ausweichen ist der Renegade klar im Vorteil. In einem tiefen Schlagloch neigt sich der Kleine dann einmal bedrohlich zur Seite, das rechte Hinterrad dreht sich in der Luft. Mir wird etwas mulmig, doch der Kleine wühlt sich wieder raus. Mit einer Watttiefe von 480 Millimetern und einem Federweg von bis zu 170 Millimetern (hinten sogar bis zu 205 Millimeter) bittet der Mini-SUV zum wilden Querfeldeinritt.

Wer auch mal unwegsames Terrain bezwingen will, der bekommt mit dem Renegade einen vollwertigen Geländewagen mit hohem Spaßfaktor. Für den Großstadtdschungel empfiehlt sich eher der kürzlich eingeführte 1,6-Liter-Benziner mit 110 PS. Mit Fünfgang-Handschaltung ist der schon ab 19.900 Euro zu haben – Geländewagencharme inklusive.

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