Auto : Mit Gas durch die Krise

Mazda kauft ein Stück von sich selbst und hat mit dem „3“ ein neues Angebot in der Kompaktklasse

Wolfgang Gomoll

Irgendwie schon erfrischend optimistisch, diese Mazda-Truppe. Während die ganze Autoindustrie jammert und auf den Weltuntergang wartet, basteln die Japaner weiter an ihrer Zukunft. Eben haben die Zoom-Zoom-Männer mal locker 20 Prozent ihrer Aktien von Ford zurückgekauft – wer sagt, dass Krisen keine Chancen bieten? Und die Show anlässlich der Präsentation der fünftürigen Version des neuen Mazda 3 war ein bisschen so wie „Holiday on Ice“ für Autofans.

Farbenfroh, strahlend und mit schönen Models. Also nichts mit Schwarzmalerei und Endzeitstimmung wie bei den amerikanischen Autoherstellern. Doch wer glaubt, dass die Japaner fröhlich lachend blauäugig die Wahrheit verdrängen, irrt gewaltig: „Wir bereiten uns auf stürmische zwei, drei Jahre vor“, sagt Mazda-Europa-Chef James Muir, der seinem Unternehmen deshalb einen rigiden Sparkurs verordnet hat.

Modellmäßig soll der kommende Mazda 3 ab Frühjahr 2009 helfen, die Sturmschäden für die Japaner möglichst gering zu halten. Und als wenn diese Herausforderung in den nächsten Jahren nicht sowieso schon groß genug wäre, soll er das ausgerechnet in der umkämpften Golfklasse bewerkstelligen. Gucken wir also mal: Aha, auch die 3er-Reihe trägt jetzt das aktuelle Mazda-Gesicht mit den mandelförmigen Augen, der gepfeilten Motorhaube und dem großen, lachenden Kühlergrill. Bei der Silhouette setzt sich die neu gewonnene Lust an der Dynamik durch eine ansteigende Sicke und Schulterlinie gepaart mit der abfallenden Dachlinie fort. Beim Heck sind die Änderungen nicht so auffallend. Aber das ist schon gut so.

Da das neue Modell auf der Plattform des aktuellen Mazda 3 basiert, die für den Neuen zwar weiterentwickelt, aber nicht komplett neu erdacht wurde, ist der Radstand mit 2,64 Metern identisch geblieben. Und auch in Sachen Platzverhältnisse gibt es wenig Neuigkeiten im Vergleich mit dem Vorgänger. Das ist auch völlig in Ordnung so. Denn selbst zur Klaustrophobie neigende Naturen kommen im aktuellen Modell mehr als gut klar. In der Länge ist der Neue dagegen um fünf Zentimeter gewachsen, was sich in einem leicht größeren Kofferraum niederschlägt – statt jetzt 346 Liter werden es mindesten 350 Liter Volumen sein. Legt man die Rückbank um, bleibt allerdings eine kleine Stufe.

Im Innenraum fühlt sich der Mazdafan gleich zu Hause: Tacho und Drehzahlmesser stecken wieder in sportlichen Röhren und das Cockpit wirkt aufgeräumt, bis auf das etwas überladene Lenkrad zumindest. Allerdings könnten sich die Schalter und der Drehknopfschalter der Mazda-Interpretation des Themas iDrive etwas ansprechender anfassen lassen. Dafür wird’s bald leiser: Durch Erhöhung der Karosseriesteifigkeit, Fahrwerksmodifikationen und zusätzliches Dämmmaterial soll der Lärmpegel des neuen Mazda 3 im Vergleich zum Vorgänger um sechs bis elf Prozent geringer sein. Das ist eine Menge Holz. Und trotz all der Zusatzdämmung hat man es geschafft, gegenüber dem Vorgänger 15 Kilogramm einzusparen.

Auch unter der Haube tut sich was: Zum Start, im Frühjahr 2009, ist der Mazda mit zwei Benzin- und drei Dieselmotoren erhältlich. Der 109-PS-Einstiegsdiesel ist ein Bekannter und kommt aus einer Kooperation mit PSA, also den Machern von Peugeot und Citroen. Die beiden größeren 2.2-Liter-Varianten mit 150 und 185 PS gibt es schon im Mazda 6. Sie erfüllen die Euro-5-Norm und sollen rund zehn Prozent weniger verbrauchen als der bisherige Zwei-Liter-Diesel. Bei ersten Fahrtests waren die Diesel zwar sehr laufruhig, wirkten aber im unteren Drehzahlbereich etwas müde.

Wer dagegen einen Benziner will, der muss nach der Markteinführung noch etwa zwei Monate auf etwas Neues warten. Dann erst kommt der 152-PS-Direkteinspritzer mit Start-/Stopp-Technik, die man bei Mazda putzig iStopp genannt hat. Wer früher fahren will, muss mit dem bekannten 1,6-Liter-Triebwerk mit 105 PS und Euro 4 oder dem 2.0-MZR-Aggregat vorlieb nehmen. Dann lauten die Daten: 150 PS, Euro 5, erhältlich nur mit Fünfgang-Automatik. Keinen Nachfolger gibt es vorerst für den kleinen 1,4-Liter-Motor. Mazda arbeitet an einem aufgeladenen 1,3-Liter-Direkteinspritzer, der aber frühestens in zwei Jahren eingeführt wird.

Bei der Ausstattung lassen sich die Japaner traditionell nicht lumpen: Bi-Xenon-Scheinwerfer, Kurvenlicht, Spurwechsel-Assistent und Bose-Sound sind Optionen, die zwar extra bezahlt sein wollen, die aber sonst eher in höherklassigen Fahrzeugen zu finden sind. Serienmäßig sind ESP und sechs Airbags. Und der Einstiegspreis von 17 000 Euro ist zwar kein Schnäppchen, liegt aber 1650 Euro unter dem des 102-PS-Golf und ist identisch mit dem des 100-PS-Ford Focus. Na dann, auf in die Zukunft.

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